Geldprämie für jede Impfung soll die letzten Pflegekräfte überzeugen

Corona-Impfung
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Symbolbild: Eine Corona-Schutzimpfung wird durchgeführt.

Drittimpfung: Wer kann, wer sollte, wer muss nicht? Noch gibt es keine Empfehlung der Stiko. Noch sind aber nicht alle geimpft. Pflegepersonal eines Seniorenheims bekommt jetzt eine Geldprämie, wenn es sich impfen lässt.

Halver – Die Reihenfolge ist bereits vom Impfstart bekannt: Senioren und Pflegebedürftige zuerst. Die Drittimpfungen sind in Nordrhein-Westfalen seit Mitte August möglich. Seit September können auch Menschen in Alten- und Pflegeheimen eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es bisher nicht. Die Halveraner Seniorenheime haben dennoch Termine gebucht, zu denen das Team der Hausarztpraxis von Hartmut Rolfing erneut in die Einrichtung kommt. Im Seniorenzentrum Bethanien werden die Bewohner am 15. September geimpft, im Haus Waldfrieden am 6. Oktober.

Unklar war zunächst, ob das Pflegepersonal direkt mitgeimpft werden kann, wie Waldfrieden-Leiter Bernd Lauermann sagt. Eine Empfehlung der Stiko mit einheitlichen Regeln gibt es noch nicht, aber der Wunsch einiger ist da. Zudem wäre das erneute niederschwellige Angebot in der Einrichtung eine Chance, auch den letzten Skeptiker im Team zu überzeugen.

Bernd Lauermann versucht es derweil mit einer Geldprämie. 50 Euro bekommt jeder Mitarbeiter pro Impfung. Mehr als 20 Personen aus dem Team haben sich bisher nicht impfen lassen. Für Bernd Lauermann unverständlich; vor allem in dem Pflegeberuf. Sechs Mitarbeiter haben seit dem Angebot ihre Meinung geändert. Ob das mit der Prämie zusammenhängt, kann er nur mutmaßen, sagt er. Am Ende ist er froh, um jeden, der geimpft ist. „Ich hoffe, dass sich noch mehr impfen lassen.“ Der Mediziner Hartmut Rohlfing, sagt, auch diese Art sei ein Weg, der zum Erfolg führen kann. Geld kann ein Anreiz sein. Der Hausarzt nennt in diesem Zusammenhang auch die laufende Diskussion darüber, dass Nicht-Geimpfte Verdienstausfälle wegen einer Quarantäne nicht mehr ausgeglichen bekommen könnten.

Unabhängig davon, ob alle Mitarbeiter geimpft sind, ist es für Bernd Lauermann Selbstverständlichkeit, statt – wie vorgegeben – alle zwei Tage zu testen, täglich für Klarheit zu sorgen. Vor Schichtbeginn wird jeder Mitarbeiter getestet. Erst kürzlich war eine ungeimpfte Person positiv. Für den Einrichtungsleiter ein klares Zeichen, alles richtig zu machen. Nur so kann er die Bewohner, die Angehörigen und das Team schützen.

Im Seniorenzentrum Bethanien haben sich anfangs auch nicht alle Mitarbeiter impfen lassen. Mittlerweile aber, sagt Pflegedienstleiterin Sabrina Starke, haben es sich einige anders überlegt, sodass das Team fast ohne Ausnahme gegen Covid-19 geimpft ist. Getestet wird alle zwei Tage, so wie es die Verordnung vorgibt.

Ein Ausbruchsgeschehen verzeichneten beide Senioreneinrichtungen in den vergangenen Monaten nicht. Nicht nur wegen der Impfungen, sondern auch wegen der Testungen und dem Eintritt von Besuchern nur dann, wenn sie eines der drei Gs (genesen, geimpft oder getestet) erfüllen.

Aus mediziner Sicht, sagt Hartmut Rolfing, ist der „Schreck vorbei“. Verharmlosen will er nicht, auch weil es in Einzelfällen noch immer zu Komplikationen kommen kann. Aber mittlerweile kenne man das Virus besser, als noch vor anderthalb Jahren. Grundsätzliche stelle sich langsam die Frage, ob es sich noch immer um eine Pandemie handelt oder nicht. Mit Blick auf Dänemark, wo das Ende der Pandemie ausgerufen wurde, definiere man Corona jetzt anders.

Wichtig ist, dass eine Herdenimmunität erreicht wird – und das geht nur durch Impfungen oder im Zweifel Durchseuchungen. Zu viel impfen kann man nicht, sagt Rohlfing. Und der Impfschutz baut sich ab. Noch gibt es keine Langzeitstudien zu der Wirkung, und so lange ist eine Auffrischung für Ältere und Immunschwache sicherlich sinnvoll, sagt Rohlfing. „Impfen schadet nicht.“ Aber eine Stiko-Empfehlung würde für Regeln und Klarheit sorgen. Impfstoff gibt es immerhin noch genug auf Vorrat, sagt Rohlfing.

Deshalb hat sich der Mediziner auch bereit erklärt, die Mitarbeiter der Seniorenheime auf Wunsch zu impfen. Eigentlich aber, sagt er, ist das die Aufgabe der eigenen Hausärzte, weshalb sich die Mitarbeiter auch an ihre eigenen Ärzte wenden sollten. Das war zum Zeitpunkt ihrer ersten Impfung noch anders, die Hausärzte durften erst später Vakzine gegen Covid-19 verabreichen. Jetzt sind sie meist der erste Ansprechpartner. Alle Mitarbeiter auf einmal dürfen es ohnehin nicht, wie Lauermann erklärt. Weil die Impfreaktionen nicht kalkulierbar sind, wäre das Risiko zu hoch, dass zu viel Personal am Folgetag krank ist.

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