Die Kasse als Geldautomat

So geht Kasse heute: Geld abheben im Supermarkt - so geht's

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So geht Bank auch: An den Supermarktkassen in Halver können ab einem Mindesteinkaufswert zwischen fünf und zehn Euro bis zu 200 Euro Bargeld abgehoben werden. So wird die Kasse zum Geldautomat – ist das die Lösung für die Bankfilialen-Schließungen im ländlichen Raum?

Supermärkte bieten Kunden an, Geld abzuheben. Ein praktischer Service, der den Weg zum nächsten Geldautomaten und auch eventuelle Gebühren spart. Wie wird das Angebot in Halver angenommen?

Die Rewe-Märkte begannen bereits vor mehr als einem Jahrzehnt mit der Bargeldabhebung an der Kasse. Seit etwas mehr als zwei Jahren bietet auch der Rewe-Markt in Halver seinen Kunden diesen Service an. Ab einem Einkaufswert von zehn Euro können bis zu 200 Euro gebührenlos abgehoben werden – die Transaktionskosten trägt der Supermarkt. „Das ist ein reiner Kundenservice“, sagt Filialleiter Olaf Böhl. 

Juliane Schinner arbeitet seit 2005 im Rewe-Markt in Halver. Vor 15 Jahren gab es so gut wie keine Kartenzahlung, sagt die 31-Jährige. „Aber heute, im Plastikkarten-Zeitalter, zahlt jeder zweite Kunde mit seiner Karte.“ Bargeld sei deshalb bei Weitem nicht mehr so viel in der Kasse wie früher. „Das kann man gar nicht vergleichen.“ 

Ältere Kunden vertrauen der Technik nicht

Den Bargeld-Service nutzen bei Rewe vor allem jüngere Leute, sagt Juliane Schinner. Die älteren Kunden vertrauen der neuen Technik nicht, so ihre Vermutung. Vielleicht fehle ihnen auch die Diskretion. Wenn Kunden Geld abheben, sei es meist ein hoher Betrag, oft sogar der Höchstbetrag von 200 Euro. „Es ist ja auch einfach praktisch.“ 

Auch im Netto-Markt können Mitarbeiter bestätigen, dass der Service genutzt wird. „Ich habe ein paar Stammkunden, die immer 200 Euro abheben“, sagt Anke Boldo. Der Filialleiter Kevin Nördtling hatte wiederum noch nie einen Kunden, der Geld abheben wollte. 

In der Kaufland-Filiale können Kunden ebenfalls zusätzlich zu ihrem Einkauf ab zehn Euro Geld abheben. „Das wissen aber nicht viele Kunden“, sagt Verkäuferin Krystyna Sychkora. Anders als im Rewe-Markt hängt dort kein großes Plakat über dem Kassenband. 

Ab 10 Euro Einkaufswert kann Geld abgehoben werden

Im Penny-Markt gibt es den Service ebenfalls. Claudia Saka, stellvertretende Filialleitung, sagt: „Kunden nehmen den Service gut und gerne an.“ Ab zehn Euro können auch hier bis zu 200 Euro in bar abgehoben werden. Während in jedem Supermarkt zehn Euro Mindesteinkaufswert nötig sind, um Geld abheben zu können, hat die Lidl-Filiale den Mindesteinkaufswert seit dem 1. Januar auf fünf Euro gesenkt. Die Summen, die abgehoben werden, seien unterschiedlich, sagt die stellvertretende Filialleitung, Swetlana Danchin. Aber genutzt werde der Service gut. 

Aldi-Nord ist noch nicht so weit

Nur im Aldi-Markt fungiert die Kasse nicht als Geldautomat. Als einziger Supermarkt in Halver bietet der Discounter den Service nicht an. Bei Aldi-Süd jedoch gibt es die Möglichkeit bereits. Vonseiten der Pressestelle Aldi-Nord heißt es: „Es gibt bereits Überlegungen zur Einführung des Services zur Bargeldabhebung“. Konkrete Umsatzpläne gebe es aber noch nicht, sagt Pressesprecher Christian Salmon. Auch an den Halveraner Tankstellen gibt es den Service nicht. Bisher bieten nur Shell-Tankstellen den Cashback-Service an. 

Davon gibt es in Halver keine, die nächsten befinden sich in Radevormwald und Lüdenscheid. Laut einer Umfrage im Auftrag der Postbank aus dem vergangenen Jahr nutzen derzeit 27 Prozent der Bundesbürger die Bargeldservices. Von der Verbraucherzentrale wurde das Angebot als „kundenfreundlich“ bezeichnet. Fragt man in den Filialen nach, heißt es, der Service sei reine Kundenfreundlichkeit. Aber Supermärkte und Tankstellen haben auch Vorteile durch das Angebot. 

Vorteile für Supermärkte und Tankstellen

Durch das Abheben von Bargeld wird deren Bargeldbestand in der Kasse kleiner. Dadurch wird das Überfallrisiko verringert, weniger Bargeld muss abtransportiert werden, womit die Kosten für den Geldtransport mit Sicherheitsunternehmen sinken können. Zudem sorgt der Mindesteinkaufswert für eventuell mehr Artikel im Einkaufswagen, als vorgesehen waren. Dafür, dass es nur ein Kundenservice sein soll, spricht jedoch, dass im Verlauf der Zeit der Mindesteinkaufswert gesunken ist. 

So hatten sich die Supermärkte anfangs darauf geeinigt, den Mindesteinkaufswert auf 20 Euro festzusetzen, mittlerweile wurde er aber auf zehn Euro gesenkt. Und nachdem auch dieser aktuell von Lidl auf fünf Euro gesenkt wurde, könnten auch die anderen Supermärkte bald nachziehen.

Konkurrenz für Bankfilialen?

In Halver gibt es drei Banken mit festen Filialen: die Commerzbank, die Sparkasse Lüdenscheid und die Volksbank in Südwestfalen. In Deutschland bestimmen aufgrund des Girocard-Systems die Automaten-Betreiber die Gebühren. So können Kunden vor allem bei der eigenen Bank in der Regel kostenlos Geld abheben, aber aufgrund unterschiedlicher Geldautomaten-Verbünde ist das teilweise auch bei anderen Banken möglich. Für manche Bankkunden können jedoch hohe Kosten entstehen, wenn sie bei einer der drei Banken in Halver Geld abheben. Für sie ist der Service an der Supermarktkasse dann nicht nur praktisch, sondern auch wirklich günstiger. 

Und ist das Angebot nun eine Konkurrenz für die Banken? Ein ganz klares Nein kommt dazu von Thomas Meermann, Sprecher der Sparkasse Lüdenscheid. Der Service der Supermärkte sei eher eine Ergänzung. Auch ein Risiko bestünde nicht. „Der Vorgang ist genauso sicher, wie das Bezahlen von Waren“, sagt Meermann. Noch „besser und bequemer“ sei es aus Sicht von Meermann, wenn man überall mit Karte zahlen könnte. „Aber in dieser Hinsicht ist Deutschland noch ein Entwicklungsland.“ So lange Bargeld noch von Bedeutung sei, sei jeder Service, der den Zugang zu ihm erleichtere, auch im Sinne der Banken, sagt Meermann.

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