Geläut zu besonderem „Geburtstag“

Auch die Anlieferung war Schwerstarbeit.

HALVER ▪ Einige Halveraner Bürger dürften sich gestern Morgen um 9.30 Uhr gewundert haben. Zu dieser ungewohnten Zeit begann die große Glocke der Nicolai-Kirche zu läuten. Und das, obwohl bereits eine halbe Stunde zuvor schon einmal das Glockengeläut ertönte und damit eine Beerdigung angekündigt hatte.

Der Grund für das erneute Läuten war aber nicht etwa eine Fehlfunktion, sondern vielmehr ein „Geburtstag“. Denn: Die größte Glocke der Nicolai-Kirche wurde am 15. Juli 1960 um 9.30 Uhr von der Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn gegossen. Seinerzeit waren bis zu 35 Halveraner mit dabei. Bereits einige Tage später folgte der Transport des schweren Stücks in die Stadt im Grünen, wo sie am 10. August angeliefert wurde. Die Glockenweihe erfolgte dann am vierten Advent (18. Dezember). „Damit war das Geläut der Evangelischen Kirche in Halver wieder vollständig hergestellt, nachdem ein Großteil der Glocken im Krieg aus dem Kirchturm entfernt und zu Kriegszwecken zweckentfremdet verwendet worden waren“, weiß der heutige Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Halver, Christoph Dickel.

Unermüdlich hätte nach dem Krieg besonders der damalige Pfarrer Eugen Stommel gemeinsam mit Pfarrer Dr. Große-Dresselhaus für die Wiederbeschaffung von Glocken für die Kirche zu sammeln begonnen. Dickel: „Pfarrer Dr. Große-Dresselhaus hatte sich schon bei der Wiederbeschaffung von Glocken nach dem Ersten Weltkrieg engagiert.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg sei es auf die „besonderen Sammelkünste“ von Pfarrer Stommel zurückzuführen, dass nach und nach wieder Glocken in den Kirchturm aufgehängt werden konnten: 1951 waren es die Glocken as’ und es’ und im Jahr 1952 die Glocke b’, die im Kirchturm neu erklangen. „Unter großer Anteilnahme der Halveraner Bevölkerung wurden die Glocken nach Halver gebracht und am Kirchturm nach oben gezogen. Dabei musste bei den beiden größten Glocken jeweils auch das Schallloch im Kirchturm an den unteren Rändern weiter ausgebrochen und anschließend neu vermauert werden“, erinnert Dickel an das nicht immer einfache Unterfangen. „Die Spuren davon kann man bis heute im Kirchturm sehen.“

Die Glocke c war dann im Jahr 1960 die größte und zugleich letzte Glocke, die den Weg in den Kirchturm fand. Sie wiegt zirka 1800 Kilogramm und trägt die Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“. Dickel: „Diese Aufgabe hat nun das Geläut der Glocke schon 50 Jahre erfüllt, Gott mit ihrem Klang zu Ehren und auch ein Zeichen des Friedens zu sein.“ Gestiftet wurde diese Glocke von Adolf Hoffmann vom Märkischen Werk.

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