Virus hat den MK erreicht

Geflügelpest: 2000 Halveraner Gänseküken müssen in den Stall

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Ab in den Stall: Auch die Gänseküken auf dem Geflügelhof Gieseker in Halver müssen vorerst auf ihre Wiesen verzichten.

Die Geflügelpest hat den Märkischen Kreis erreicht. In einem Betrieb in Menden, der 100 Legehennen aus der Region Paderborn bezogen hatte, wurde der Erreger nachgewiesen. Das Land NRW hat aus diesem Grund für den gesamten Regierungsbezirk Arnsberg Stallpflicht angeordnet. Betroffen ist entsprechend auch der Geflügelhof Gieseker am Kreisch im Norden Halvers.

Halver – Für Johannes Johanngieseker, der das 1912 gegründete Traditionsunternehmen zusammen mit seinem Vater Berthold führt, hat die amtliche Verordnung weitreichende Folgen. Ab sofort darf Geflügel nur noch in einem Stall oder einer Voliere mit nach oben geschlossenem Dach gehalten werden. Am Kreisch sind davon rund 2000 Gänse betroffen.

Gänse aus Freilandhaltung

Hintergrund: Der Geflügelhof Gieseker hat sich auf Gänse aus Freilandhaltung spezialisiert. „Die Saison hat gerade begonnen“, sagt Johannes Johanngieseker. Am Kreisch sind entsprechend diejenigen Gänseküken eingetroffen, die im Vorfeld des St.-Martin-Tages und des Weihnachtsfestes verkauft werden. Eigentlich wachsen diese Gänse artgerecht unter freiem Himmel auf. Das hat ab sofort ein (vorläufiges) Ende. Alle Tiere müssen „aufgestallt“ werden, ziehen also von den weitläufigen Wiesen in den Stall. Das bedeutet für die Mitarbeiter auf dem Hof Gieseker einen erheblichen Mehraufwand. Um die hohen Hygienestandards des Hofes auch bei 24-Stunden-Stallhaltung zu halten, wird ab sofort zweimal täglich eingestreut und Kot beseitigt.

„Natürlich ist die Stallhaltung für die Gänse nicht so schön, als wenn sie draußen wären“, sagt Johannes Johanngieseker, der gleichwohl versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

So kann unter anderem eine Halle, in der ansonsten Stroh gelagert wird, zu einem Stall umfunktioniert werden, um ein ausreichendes Platzangebot für die Tiere zu gewährleisten. Desinfektionswannen für die Mitarbeiter sollen zudem verhindern, dass das hoch ansteckende Influenza-A-Virus des Subtyps H5N8 von außen eingeschleppt wird.

Ausbruch als „Worst-Case-Szenario“

Kommt es in einem Geflügelbetrieb zu einem Ausbruch, ist das das „Worst-Case-Szenario“. Auf dem betroffenen Hof in Menden mussten alle 150 Geflügel getötet werden. Zwar gibt es Versicherungen für Züchter, um in einem solchen Fall die finanziellen Schäden abzumildern, „aber die kosten ein Heidengeld“, so Johannes Johanngieseker, der mit einem gewissen Unwohlsein in Richtung Nordkreis schaut. Um den betroffenen Hof in Menden herum ist ein Sperrbezirk von drei Kilometer Radius eingerichtet worden, zudem gibt es ein Beobachtungsgebiet mit zehn Kilometer Radius, in dem ebenfalls zusätzliche Vorschriften gelten. Was das bedeutet, weiß Johannes Johanngieseker nur allzu gut. In Uckerfelde (Brandenburg) betreibt die Familie einen weiteren Geflügelhof, der von den Maßnahmen der örtlichen Behörden aufgrund der Geflügelpest ebenfalls betroffen ist. 40 Orte in der Region fährt das Gieseker-Team mit seinem Verkaufswagen an und vermarktet die Hof-Produkte direkt vor Ort. Einnahmen, die derzeit komplett wegfallen.

Zurück nach Halver: Auf die Hühnerzucht am Kreisch hat die Stallpflicht zur Zeit keine Auswirkungen. Die Tiere, die auch an Privatkunden verkauft werden, leben ohnehin im Stall. Gleichwohl rechnet Johanngieseker mit sinkender Nachfrage, weil aufgrund der behördlichen Maßnahmen auch Hobbyhalter im Märkischen Kreis gezwungen sind, ihre Tiere nur noch im Stall zu halten.

Für Menschen, die keinen unmittelbaren Kontakt zu infizierten Tieren haben, bedeutet das Geflügelpest-Virus keine Gefahr. Auch können Geflügelfleisch und Eier nach Erhitzen gefahrlos verzehrt werden. Bedenken, wonach aufgrund der Geflügelpest Freilandeier vor Ostern in Nordrhein-Westfalen knapp werden, sind nach Einschätzung des Umweltministeriums unbegründet.

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