„Wir würden es wieder so machen“

Geboren in der Pandemie: Eltern berichten über Schwangerschaft und Geburt mit Corona

Katharina und Sebastian Baukloh aus Halver mit ihrem zwei Wochen alten Sohn Sam.
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Katharina und Sebastian Baukloh mit ihrem zwei Wochen alten Sohn Sam.

Wie ist es in einer Pandemie ein Kind zu bekommen? Geburt mit Maske, alleine beim Frauenarzt und wer kommt zu Besuch? Diese Eltern erzählen uns ihre Geschichte.

Halver -  3250 Gramm schwer, 52 Zentimeter groß. Am 21. Januar wurde ein neuer Halveraner mitten in der Corona-Pandemie geboren: Sam. Er hat seinen Eltern den wohl schönsten Moment seit Langem beschert.

Die Eltern, das sind Katharina und Sebastian Baukloh. Sie waren eines der zehn Paare, die innerhalb von 24 Stunden in der Helios-Klinik in Wipperfürth ihr Kind bekommen haben. Drei von den zehn Babys sind aus Halver. Das war eine Nachricht – denn so viele Geburten innerhalb dieser kurzen Zeit hat die Klinik so noch nicht erlebt. War das Zufall? Kommt jetzt doch ein Babyboom durch Corona? Denn rechnet man zurück zum ungefähren Entstehungstermin, landet man im April 2020, also mitten im ersten Lockdown.

Das Kind von den beiden Halveranern war aber geplant. Katharina Baukloh zweifelte, ob sie sofort schwanger werden würde – wegen einer Krankheitsgeschichte, die nicht lange zurückliegt. „Ich wusste nicht, ob mein Körper das schafft.“ Doch es klappte. Die Freude war riesig. „Das war ein absoluter Segen. Damit hätte ich niemals gerechnet.“ Kinderwunsch aufschieben wegen Corona? Das war keine Option. „Es weiß doch niemand, wie lange das noch dauert.“ Jahrelang warten kam nicht infrage. Sie haben es darauf ankommen lassen. Getreu dem Motto: Wenn es klappt, dann soll es sein. Und jetzt ist Sam da.

Beginn der Schwangerschaft

Aber zurück an den Anfang. Mit dem positiven Test und dem Aushändigen des Mutterpasses beginnen für schwangere Frauen die regelmäßigen Untersuchungen beim Gynäkologen. Auf Ultraschalluntersuchungen sieht man das winzig kleine Baby, das zu Beginn einer Bohne ähnelt. Bei jeder Untersuchung wird es größer und immer mehr zu einem kleinen Menschen. Man sieht das verhältnismäßig große Herz schlagen, hört es im CTG. Wegen Corona durfte Sebastian Baukloh nicht mit zum Arzt. Nach jedem Termin seiner Frau blieben ihm nur Ultraschallbilder. „Das war wirklich sehr schade“, sagt die 29-Jährige. Gerade für die Väter ist es wichtig, an solchen Terminen teilzunehmen, um zu realisieren, dass in dem Bauch der Frau wirklich ein Baby gedeiht. Bis zum sechsten Monat war für den Vater weder ein Tritt zu spüren noch ein dicker Bauch zu sehen – während Katharina Baukloh schon bewusst alles wahrnehmen konnte. Eine einmalige Möglichkeit bekam das Paar in einer Klinik in Dortmund beim Organscreening. Dorthin durfte auch der Partner mit.

Schwanger in einem Sommer zu sein, in dem Maskenpflicht besteht, war manchmal nervig, sagt Katharina Baukloh. Aber der Schutz geht klar vor. Ansonsten plagten sie die klassischen Beschwerden wie Übelkeit –das war schlimmer, sagt sie und lacht. Kontakt hatte sie aber seit Beginn zu ihrer Hebamme Johanna Bielau. „Ich war und bin sehr glücklich mit meiner Hebamme“, sagt Katharina Baukloh. Auch wenn nicht alles so war, wie es ohne Corona gewesen wäre. Einen Vorbereitungskurs gab es online. „Das ist natürlich nicht das Gleiche, aber sie hat das wirklich gut gemacht.“ Und aus den Teilnehmern des Online-Geburtsvorbereitungskurses ist eine WhatsApp-Gruppe entstanden, die zwischen den Müttern eine Kontaktaufnahme ermöglicht.

Wipperfürth statt Lüdenscheid

Je näher die Schwangere dem Geburtstermin kam, desto intensiver wurde auch die Frage nach der Klinik. Eigentlich, sagt die Halveranerin, war für sie immer klar, dass sie in Lüdenscheid im Hellersen entbinden wird. Aber als sie erfuhr, dass es dort keine Möglichkeit auf ein Familienzimmer gibt, und der Mann nur eine Stunde täglich zu Besuch kommen darf, war das Krankenhaus schnell raus. Die werdenden Eltern entschieden sich für Wipperfürth, denn dort war es nach wie vor erlaubt, dass der Partner nach der Geburt mit im Krankenhaus übernachten darf.

Viele Freunde und Familienmitglieder sah Katharina Baukloh nicht in den vergangenen Wochen des verschärften Lockdowns. „Viele wollten mich gerne noch mal mit dem dicken Bauch sehen“, sagt sie. Aber das Risiko: zu hoch. Auch eine Babyparty gab es daher nicht. Kein Zusammensitzen von Freundinnen war möglich. „Meine lieben Mädels haben sich etwas Schönes als Corona-konforme Alternative einfallen lassen“, sagt Katharina Baukloh. In den letzten Wochen vor der Geburt kam jede Woche ein Paket mit der Post. Personalisierte Bodys, Kuscheltiere, Lammfellschuhe, Söckchen und Pflegeprodukte waren als Überraschung drin. „Da habe ich mich sehr drüber gefreut und fand es total süß.“

10 Babys in 24 Stunden in einer Klinik

Es war eine Woche vor dem errechneten Termin, als die Fruchtblase von Katharina Baukloh platze. Es wird ernst. 21.19 Uhr: „Es war kurz und schmerzvoll“, sagt sie zur Entbindung und lacht. Von den zehn Geburten in der Wipperfürther Klinik waren neun vaginal, eine ein Kaiserschnitt. Ergo: Der Kreißsaal war voll. „Man hat schon gemerkt, dass die Belastungsgrenze erreicht ist“, erinnert sich die 29-Jährige. Aber alles hat gut funktioniert. Leider war der Zeitpunkt nicht 21.21 Uhr – da war das Team sehr korrekt und veränderte die Geburtszeit nicht um zwei Minuten, erzählt sie und lacht. Alles egal. Sam ist da. Den ersten Gedanken, als er ihr auf den Bauch gelegt wurde? Kann sie nicht in Worte fassen.

Sebastian Baukloh musste bei der Entbindung eine Maske tragen. Daran erinnern kann sich seine Frau allerdings nicht mehr. Während der Wehen war sie wie in Trance. Sie war froh, dass er an ihrer Seite war. Es konnte keiner ahnen, dass so viele Schwangere zur fast selben Zeit entbinden würden. Katharina Baukloh schiebt die vielen Entbindungen zur gleichen Zeit aufs Wetter. Anders kann sie es sich auch nicht erklären. Ärgerlich war nur die Sache mit dem Familienzimmer. „Eine Nacht konnte mein Mann bei mir bleiben, dann mussten wir das Bett räumen für die nächste Schwangere.“ Der Vater konnte täglich eine Stunde zu Besuch kommen. „Ich wollte schnell nach Hause“, sagt die Mutter, die endlich zu dritt sein wollte.

Viele wollten mich gerne noch mal mit dem dicken Bauch sehen.

Katharina Baukloh

Wird ein Kind geboren, kommen normalerweise die Familienmitglieder und Freunde vorbei. Alle wollen das Baby begrüßen und die Eltern beglückwünschen. Wie macht man das in Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen? So gut wie gar nicht. Einige wenige kamen alleine vorbei. Alles andere läuft wie so vieles: digital. Die Gruppe von Müttern, und solchen, die es bald werden, tauscht sich aus. „Vielleicht trifft man sich bald mal zum Spaziergang an der frischen Luft.“ Krabbelgruppen, Baby-Schwimmen & Co. fallen flach. Auch hier gibt es Online-Angebote. Die nutzt Katharina Baukloh ebenfalls. „Klar, wäre es schön, wenn... Aber es gibt wirklich gute Alternativen. Man muss es jetzt so hinnehmen.“

Für die frisch gebackenen Eltern ist klar: „Wir würden es wieder so machen.“ Auch mit Corona. Und den Appell „Stay at home“ nehmen sie gerne wörtlich und genießen die Zeit als Familie.

Tipp für frisch gebackene Eltern: Baby-Yoga

Immer freitags (Start: heute, 5. Februar) gibt es für Eltern die Möglichkeit online an einem Baby-Yoga-Kurs von der Halveraner Yogalehrerin Martina Schmitz teilzunehmen. Die Teilnahme ist kostenlos, weil der Kurs vom Land NRW gefördert wird. Ab Freitag findet der Kurs zehnmal statt. Der nächste Kurs beginnt am 16. März. Interessierte können aber noch in den heute startenden Kurs einsteigen. Für alle, denen der Termin zeitlich nicht gut passt, zeichnet Martina Schmitz die Videos auf, damit man sie zu einer ruhigeren Zeit nachholen kann. Für eine Anmeldung hier klicken. nutzen Sie diesen Link.

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