Arten von Bestattungen

Sterben wird grüner - Das sind die Bestattungsvorlieben bei uns

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Öko-Urnen gibt es mittlerweile auch.

Halver - Kompostieren von Leichen ist künftig im US-Staat Washington als „dritte Option“erlaubt. In Halver ist das in weiter Ferne, aber mit Bestatter Matthias Pipke haben wir über Vorschriften und Vorlieben bei der Bestattung gesprochen.

Am Ende sollte alles verrotten können – wir wollten wissen, ob das immer klappt. Auf dem evangelischen Friedhof schaut ein Stofffetzen aus einem Haufen lehmhaltiger Erde heraus. Es war ein Kissen, gefüllt mit Polyester, umrandet mit feiner Spitze. Was schön aussieht, vergeht in der Erde jedoch nicht. Auch nicht nach 50 Jahren. 

Früher sei es jedoch so gewesen, dass auf die Materialien nicht so viel Wert gelegt wurde. Und niemand ahnte, dass das Kissen noch einmal ans Tageslicht kommt. Bei alten Gräbern komme das schon einmal vor, wie auch Friedhofsleiter Ulrich Streppel bestätigt. Kissen und Decken sind heute aus Baumwolle, wie Matthias Pipke vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen sagt.

Gefüllt werden sie mit Papierschnipseln, damit eine Verrottung in der Erde gewährleistet ist. Das gelte auch für alles andere, was bei einer Beisetzung verwendet wird.  Es beginnt mit Sarg oder Urne und reicht bis zu den Beigaben. 

Seit acht Jahren Bestatter

Matthias Pipke ist seit acht Jahren Bestatter. Gemeinsam mit seiner Frau übernahm er das Unternehmen von Axel Ertelt in Halver. Zuvor arbeitete er 15 Jahre im Lüdenscheider Krematorium. Ein Beruf, der für manche unvorstellbar scheint, ist nach eigener Aussage die Berufung von Pipke. „Vom ersten Moment an wusste ich: Das ist genau meins.“ Übernommen hat das Ehepaar eines der ältesten Geschäfte Halvers und übt einen Beruf aus, der so alt ist wie die Menschen selbst. Aber auch in diesem Bereich gibt es immer wieder Veränderungen. 

Matthias Pipke liebt seinen Beruf.

Im Christentum wurde die Feuerbestattung jahrhundertelang abgelehnt. Im Judentum und Islam ist diese Art der Bestattung grundsätzlich verboten, ebenso in der orthodoxen Kirche. Im Hinduismus und Buddhismus ist sie wiederum üblich. 

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Feuerbestattung aus mehreren Gründen vermehrt gefordert. Die erste Feuerbestattung fand in Deutschland 1874 statt, das erste Krematorium eröffnete 1878. Ärzte bezeichneten die Feuerbestattung – zu Zeiten von Pest und Cholera – als hygienischste Bestattungsform und kritisierten die übliche Erdbestattung. Auch Matthias Pipke sagt: „Die Verbrennung ist die sauberste Art der Bestattung.“ 

Halver sei konservativ

Aus seiner Zeit im Krematorium weiß er, dass für jeden Verbrennungsvorgang ein Filter benutzt wird. In diesem befinden sich nach der Kremation giftige Stoffe wie Amalgam, Quecksilber, Blei, Kadmium und weitere Schwermetalle. „Bei einer Erdbestattung sickern diese Stoffe in den Boden.“ Dagegen scheint ein Spitzenkissen harmlos, oder? „Schon“, sagt er. „Trotzdem: Der Mensch ist bio.“ Halver sei diesbezüglich noch „sehr konservativ“. 

Während in Lüdenscheid rund 80 Prozent Feuerbestattungen stattfinden und im Ruhrgebiet an die 90, sind es in Halver 60 Prozent. „Das ist wenig“, sagt er. Die Zunahme von Feuerbestattungen ist auch mit der Pflege in Bezug zu setzen, wie Pipke bemerkt. Familien wohnen nicht mehr in einer Stadt, sondern sind teilweise deutschland-, sogar weltweit, verstreut. Pflege von Grabstätten ist für die meisten zum einen nicht mehr möglich, zum anderen distanziere man sich immer mehr davon. So werde Pflege eher als Belastung empfunden. „Die heutigen Friedhofsgänger sind die, die selbst bald dort liegen.“ 

Nicht umsonst schließen viele eine Versicherung ab, die hinterher die Grabpflege des eigenen Grabes finanziert. Aber der Umgang mit dem Tod habe sich verändert. Das merke er auch, wenn er mit dem Leichenwagen fährt. „Wenn früher ein Leichenwagen an mir vorbeifuhr, blieb ich andächtig stehen“, sagt er. „Heute nimmt darauf keiner Rücksicht.“ Mehr nachdenken würden Angehörige bei der Beisetzung. Sie überlegen, was dem Verstorbenen angezogen werden kann und was man ihm beilegt. „Ich sage immer: Wenn ich jemanden anziehe, dann komplett.“ Socken, Schuhe, Unterwäsche und die schönsten Kleider. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Leichnam verbrannt oder begraben wird. 

Kuschelsocken und Abschiedsbrief

Die Kuschelsocken dürfen genauso wenig fehlen wie ein Abschiedsbrief. Was dem Leichnam alles in den Sarg beigelegt wird, sieht Matthias Pipke nur oberflächlich. „Was unter der Decke ist, weiß ich nicht.“ Aber es seien meist persönliche Gegenstände, Briefe, Fotos, Spiele und Rätselhefte. „Sie übernehmen eine wichtige Rolle bei der Trauerbewältigung.“ Aber sie sind nicht grenzenlos. „Glasflaschen nehme ich grundsätzlich heraus“, sagt Pipke. Es bestehe eine Verletzungsgefahr sowohl bei einer Einäscherung als auch auf dem Friedhof, wenn Scherben in der Erde zurückbleiben. Sektflaschen lägen aber ab und zu im Sarg. Brillen hingegen werden nicht abgenommen. 

Immer beliebter werden grüne Bestattungsarten. Baumbestattungen, Seebestattungen oder Meeresbestattungen liegen im Trend. Auch immer mehr Halveraner informieren sich über diese Arten der Bestattungen. „Die Entwicklung geht in diese Richtung“, sagt Pipke.

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