Interview mit dem Geschäftsführer

Hat der Spiele-Laden in Halver eine Zukunft?

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Gato Toys eröffnete im neuen Fachmarktzentrum im Herbst 2017 die erste Filiale.

Halver - In Deutschland gibt es immer weniger klassische Spielwarengeschäfte, während sich der Handel mehr ins Online-Geschäft und zu Discountern verlagert. Das Halveraner Unternehmen Gato Toys ist vor allem Großhändler, aber auch online und im Einzelhandel vertreten. Wie sieht es da aus? Geschäftsführer Thomas Tourountzas im Interview. 

Geschäftsführer Thomas Tourountzas schildert im Interview mit AA-Redakteur Johannes Opfermann seine Sicht auf die Spielwaren-Branche. 

Spielwarenläden haben es zunehmend schwieriger, immer mehr Geschäfte schließen. Wie sehen Sie den Zustand der Branche? 

Ich glaube schon, dass der Einzelhandel, speziell der Fachhandel, große Probleme hat. Er befindet sich auf einem absteigenden Ast. Und wieso? Weil jeder Kunde ein Smartphone hat. Man scannt den Artikel und bestellt ihn dann woanders, wo es ihn billiger gibt, aber der Ladeninhaber kann dann die Beratung durch die Angestellten bezahlen. Und das ist nicht nur im Spielwarenhandel so. Im Einzelhandel gibt es ganz schlechte Margen, denn der Einzelhändler muss noch Personal, Miete und Strom bezahlen, im Internethandel dagegen nicht. Da zahlt man Gebühren an die Plattformen und Versand. 


Der Spielwarenhandel verlagert sich immer mehr ins Internet. Profitieren Sie davon in Ihren Online-Shops auf den bekannten Plattformen? 

Das Internetgeschäft ist nicht so interessant für uns, wie viele annehmen. Es rentiert sich nicht. Die Konkurrenz ist groß und es wird alles verramscht. Vergangenes Jahr zu Weihnachten hatten wir – anders als sonst in den Jahren zuvor – Abstriche von 30 bis 40 Prozent. Das betrifft auch andere in der Branche, mit denen ich gesprochen habe. Wir spielen deswegen mit dem Gedanken, unseren Auftritt auf Online-Plattformen zu verkleinern. 

Wirkt sich die Krise der Spielwarenläden auch in irgendeiner Weise auf Ihr Unternehmen aus?

Es ist so, dass es uns nicht so stark betrifft. Unser Kerngeschäft ist der Großhandel, das macht etwa 90 Prozent des Geschäfts aus. Wir arbeiten mit den großen Discounter-Ketten zusammen, an die wir Posten, die wir im großen Stil einkaufen, entsprechend weiterverkaufen. Der Großhandel läuft gut, weil wir die Waren zu Superpreisen anbieten und unsere Kunden das auch zu sehr guten Preisen weitervermarkten können. Die Ware ist dann sehr schnell weg. 

Wie kommen die Produkte denn von Ihnen als Großhändler in die Läden? Wie läuft das ab? 

In unserem Musterraum zeigen wir unseren Kunden die Produkte. Die bestellen dann ein paar Tausend hiervon, ein paar Tausend davon. Und das portionieren wir dann für den Versand so, wie es der Kunde möchte. 99 Prozent von dem, was wir verkaufen, sind Markenartikel. Wir haben auch einige Eigenprodukte dabei, zum Beispiel Puzzles, Modellautos oder Seifenblasenpistolen. Meiner Meinung nach geht der Trend allerdings weg vom klassischen Spielzeug, das ist für Kinder nicht mehr so interessant wie das Spielen auf einem Touchscreen. 

Gibt es denn bestimmte Artikel in ihrem Sortiment, die besonders begehrt sind? 

Das hängt vom Kunden ab. Der eine steht auf Schleich, der andere auf Siku oder Clementoni. Entscheidend ist für die meisten Käufer letztlich aber nicht die Marke oder die Qualität, sondern der Preis, wenn es darum geht, den Kleinen eine Freude zu machen. Unsere Kunden bieten dann die Spielwaren entsprechend auch zu niedrigen Preisen an. 

Gato Toys ist im Einzelhandel präsent mit dem Geschäft im Fachmarktzentrum. Hat sich diese Filiale für Sie gelohnt?

Nein, das hat sich nicht gelohnt. Wir sind da sehr unzufrieden. Es ist auch eine Ecke, die nicht gut einsehbar ist, man sieht den Laden nicht. Wir haben viel versucht, auch mit neuen Artikeln, aber ohne Erfolg. Es ist sogar so, dass viele Kunden nach speziellen Artikeln fragen und wenn wir sie dann vorrätig haben, kaufen sie die trotzdem nicht.

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