Gastwirte fürchten absolutes Rauchverbot

+
Martha Patsiavouridou, Mitarbeiterin der Gaststätte „Zum Löwen“ steht gern hinterm Tresen. ▪

HALVER ▪ Kaum hat Peter-Heinrich Seltenfröhlich eine Zigarette im Aschenbecher ausgedrückt, landet auch schon die nächste zwischen seinen Lippen. „Ich rauche sehr gerne und viel“, sagt er, von einer Qualmwolke umgeben. Jeden Tag komme er in die Kneipe „Zum Fäßchen“, um bei Bier oder Kaffee seiner Lust an den Glimmstängeln zu frönen.

Doch damit soll laut Landesregierung ab Mai kommenden Jahres Schluss sein. Denn dann soll in Gaststätten ein absolutes Rauchverbot gelten, um die Nichtraucher zu schützen. Den meisten Wirten macht diese Einigung mächtig Kopfschmerzen.

So fürchtet Bodo Schoppmann, Inhaber des „Fäßchens“, dass viele seiner Kunden wegbrechen: „Jetzt müssen wir einfach abwarten, wie sich alles entwickelt.“ Auf seinen täglichen Besucher Peter-Heinrich Seltenfröhlich muss er dann auf jeden Fall verzichten. Denn: „Wenn das so kommt, gehe ich in keine Kneipe mehr“, so der Stammgast der nach eigenen Angaben jeden Monat etwa 800 Euro in Gaststätten ausgibt. Auch Dimitrios Serbesis, Betreiber des Lokals „Zum Löwen“, findet die Einigung gar nicht gut: „Ich habe selbst 35 Jahre lang geraucht, vor zehn Jahren aber aufgehört. Für die Nichtraucher ist das natürlich schön, wenn in Gaststätten nicht mehr geraucht werden darf. Für das Geschäft ist es aber ganz schlecht.“ So hätten ihm schon jetzt rauchende Stammkunden gesagt, dass sie dann nicht mehr kämen. „Viele sagen: ,Was soll ich in der Kneipe, wenn ich nicht mehr rauchen darf’. Das wird wirklich sehr schwer“, so Serbesis der hofft, den „Löwen“ dann nicht schließen zu müssen. Das wünscht sich auch seine Mitarbeiterin Martha Patsiavouridou. „Ich will das nicht aufgeben“ , macht Serbesis klar.

Durchaus positive Erfahrungen hat Frauke Targan-Schytrumpf, Mitarbeiterin der Brasserie im Kulturbahnhof gemacht. Seit fast drei Jahren herrscht im Lokal absolutes Rauchverbot: „Viele Stammkunden von uns sind Raucher. Sogar die haben gesagt, dass es viel angenehmer ist, in einem rauchfreien Raum zu essen und zum Rauchen nach draußen zu gehen.“ Auch sie sieht jedoch eine Gefahr für Kneipen, in denen es kein Essen gibt. Für die meisten gehöre zum Bier nun einmal eine Zigarette dazu. ▪ Jana Peuckert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare