Gastronomen setzen drei Gs um / Betriebe auf Besucher angewiesen

Sicherheit steht an erster Stelle

Kulturbahnhof Halver
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Getrunken, gegessen, gelacht: So interpretiert der Kulturbahnhof die drei Gs auf lustige Art und Weise. Umgesetzt werden die Corona-Regelungen mit geimpft, genesen und getestet in den meisten Gastro-Betrieben ohne Einschränkungen. 

Masken auf im Restaurant, Masken runter im Biergarten. Die Coronaregeln sind kompliziert und ändern sich regelmäßig. Nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete dürfen die Gastronomie derzeit von innen sehen. Auch der gänzliche Ausschluss von Menschen, die weder geimpft noch genesen sind, wird diskutiert. Dürfen ungeimpfte Halveraner bald nicht mehr ausgehen? Wie handhaben das die Betriebe vor Ort?

Halver - „Wer sich nicht impfen lassen will, darf auch keine Vorteile haben“, fordert Günter Melzer-Dost, Betreiber der Gaststätte Zum Linken. Er geht dabei sogar noch einen Schritt weiter: „Die Impfbereitschaft ist noch zu gering. Ich finde es eine Unverschämtheit, dass die kostenlose Impfung von so vielen nicht wahrgenommen wird. Es geht um unsere Sicherheit.“ Dass die Tests künftig selbst bezahlt werden müssen, findet er richtig. „Die Tests sollten 100 Euro kosten“, so der Gastronom. „Wenn die Leute in die Diskothek gehen möchten, können sie auch so viel bezahlen.“

Besucher, die nicht geimpft, sondern nur getestet sind, sollten aber weiterhin Gaststätten aufsuchen dürfen. „In der jetzigen Zeit muss ich mit jedem Gast rechnen“, erklärt Günter Melzer-Dost. Sieben Monate habe er seine Gaststätte schließen müssen, und auch jetzt laufe es noch schleppend. „Fast 30 Jahre habe ich vom Beerdigungs-Café gelebt“, blickt er zurück. Das würde nun vollständig ausfallen, weil „die Leute einfach Angst haben und sich immer noch nicht trauen“. Schlimmer wäre nur ein erneuter Lockdown. „Dann müsste ich Insolvenz anmelden.“

Fässchen

Im Fässchen haben sich die Kunden von Theodoros Klimanoglou immer noch nicht so richtig mit den geltenden Corona-Regeln anfreunden können. „Es läuft bei uns noch nicht wieder so gut wie vorher“, sagt der Gastronom. Gesundheit gehe für ihn aber immer vor. Deshalb spricht er sich auch dafür aus, dass nur Geimpfte, Genesene und Getestete die Gastronomien besuchen dürfen. Dass die Tests künftig selbst bezahlt werden sollen, hält er für eine gute Idee. „Dafür gibt es ja die Impfung“, schlägt er vor, um die Kosten mit der Immunisierung zu umgehen. Der Weg, den die Regierung derzeit eingeschlagen hat, gehe für ihn in die richtige Richtung.

Neustadt

Sicherheit steht auch für Iveta Svejnar, Pächterin der Gaststätte Zur Neustadt, an erster Stelle. Deshalb unterstützt sie die Idee, niemandem ohne entsprechendes Dokument Einlass zu gewähren. „Wir prüfen natürlich die Impfpässe und sehen nach, ob unsere Besucher geimpft sind“, versichert sie. „Wenn jemand zu uns kommt, der das nicht ist, werden sich die anderen Besucher Sorgen machen. Auch die Geimpften können sich noch anstecken. Auch wenn das dann vielleicht nicht tödlich endet, ist das Risiko immer da.“ In ihrem Lokal hat Iveta Svejnar viele Stammgäste. Deshalb muss auch nicht jedes Mal das Impfdokument vorgelegt werden. Sie weiß meistens, wie der aktuelle Impfstatus ihrer Gäste ist. Das ist der Vorteil eines kleinen Städtchens, wie sie selbst sagt.

Ob Ungeimpften der Zutritt zu Gastronomien ganz verweigert werden sollte, möchte die Pächterin nicht pauschal sagen. „Ich habe mich immer an die Regeln gehalten und werde das auch weiter machen.“ Ihre größte Sorge sei, dass es noch einmal zu einem Lockdown kommen könnte. Seit dem 11. Juni hat die Neustadt wieder geöffnet. Seitdem hält sie die Kosten so niedrig wie möglich und arbeitet nur mit Familienmitgliedern bis zu 15 Stunden am Tag. „Das ist aber keine Option für immer.“ Sobald sich die Corona-Lage wieder entspannt, sollen auch wieder Mitarbeiter eingestellt werden, „denn das schaffe ich so nicht lange“.

Martas

„Ich hatte es schon öfter, dass Leute anriefen und fragten, ob sie einen Test benötigen. Einige sagten dann, sie würden dann doch lieber nicht kommen“, verrät Marta Stanovic, Inhaberin des Restaurants Martas. Vom gesunden Menschenverstand her würde sie nur Geimpfte und Genesene den Eintritt gewähren, doch „das könnte auch ein Schuss in den Ofen werden“, mutmaßt sie mit Blick auf die Besucher, die sich dann fernhalten könnten. Sollten die Tests von den Gästen im Vorfeld selbst bezahlt werden müssen, befürchtet sie sinkende Besucherzahlen.

Derzeit kann Marta Stanovic sich über mangelnde Besucherzahlen nicht beschweren. „Die letzten drei Wochen waren Bombe“, freut sie sich. „Ich weiß auch nicht warum.“ Das Restaurant sei so gut gefüllt, wie noch vor der Pandemie.

Vermiesen könnte ihr die gute Stimmung nur ein weiterer Lockdown. „Ich weiß nicht, ob ich dann noch die Kraft und die Lust dazu hätte, nochmal loszulegen,“ gibt sie zu. „Das hat mich das letzte Mal schon so umgehauen, dass ich wochenlang keinen Fuß mehr ins Restaurant gesetzt habe. Ich glaube nicht, dass ich dann die Lust hätte, noch weiterzumachen.“ So weit solle es aber bestenfalls nicht kommen. Die drei Gs seien derzeit die beste Möglichkeit, mit der Situation umzugehen, findet sie.

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