Ein ganzer Bauwagen für den kranken „Zeus“

Der kranke Kater ist scheu. Zu einigen Mitarbeitern der Auffangstation hat er allerdings Vertrauen gefasst. ▪ Prillwitz

HALVER ▪ Auf den ersten Blick scheint „Zeus“ in der Tierauffangstation am Langenscheid ein luxuriöses Leben zu führen: Der Kater hat einen frisch renovierten Bauwagen ganz für sich allein – Katzenklo, Häuschen, Futter, Beleuchtung, eine Heizung, eine Heizplatte und eine Stereoanlange inklusive.

Dafür zahlt „Zeus“ allerdings einen hohen Preis, denn nach draußen darf der Kater nicht. Und auch Besuch von Artgenossen ist nicht möglich, denn das Tier leidet am Immundefizienzsyndrom. Im Volksmund besser bekannt als „Katzen-Aids“.

Seit Mitte September ist „Zeus“ in der Tierauffangstation untergebracht. „Als wir ihn gefunden haben, war er voller Ungeziefer, hatte tränende Augen und seine Nase lief“, erinnert sich Jana Schmidt, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Halver-Schalksmühle. Nach einem Besuch beim Tierarzt, bei dem alle Katzen und Kater regelmäßig untersucht werden, stand fest: „Zeus“ ist Träger des „Katzen-Aids“.

„Je nach Stadium der Erkrankung treten unterschiedliche Symptome, darunter Appetitlosigkeit, Durchfall, geschwollene Lymphknoten und tränende Augen auf“, erklärt Schmidt. Der Virus schwächt das Immunsystem des Trägers über Jahre und löst Folgekrankheiten aus, die schließlich zum Tod führen. Da die virale Infektionskrankheit über Blut, Speichel und bei der Paarung übertragen werden kann, dürfen infizierte Tiere nicht mehr nach draußen, um Artgenossen vor einer Ansteckung zu schützen. Auf Menschen ist die Krankheit nicht übertragbar.

Die ersten Wochen verbrachte „Zeus“ in der Quarantänestation, die im Keller des Hauses am Langenscheid untergebracht ist. Dort bleiben alle Tiere solange, bis sich ein Tierarzt ein Bild vom jeweiligen Gesundheitszustand gemacht hat. Für den erkrankten Kater kam es aufgrund der Diagnose nicht infrage, nach einigen Tagen im Katzenzimmer untergebracht zu werden.

In seinem kleinen Käfig in der Quarantänestation sollte der mehrere Jahre alte und scheue Kater allerdings auch nicht bleiben. „Wir wollen versuchen, Zeus ein den Umständen entsprechendes, schönes Leben zu ermöglichen“, sagt Jana Schmidt.

Von Spendengeldern schafften sie und ihre Mitstreiter einen Bauwagen an, den die Haustechniker der Einrichtung renovierten, mit Dämmmaterial isolierten und mit einer Heizung und einer Heizplatte ausstatteten. Auch das Radio wird zwischendurch eingeschaltet. „Damit er sich nicht so allein fühlt, wenn wir uns nicht um ihn kümmern können“, begründet Mitarbeiterin Petra Schrön diesen besonderen Service.

Jana Schmidt geht davon aus, dass der Bauwagen auch nach „Zeus´“ Ableben weitere Bewohner haben wird. Aus gutem Grund, gelten doch mehr als elf Prozent aller Katzen und Kater weltweit als infiziert. ▪ Sven Prillwitz

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