Fußballgeschichten nicht nur für Nachwuchskicker

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Kinderbuchautor Christian Seltmann (links) las Freitagnachmittag in der Stadtbücherei. ▪

HALVER ▪ Dicke Nebelschwaden, feiner Nieselregen – es gibt wohl kein besseres Wetter, um sich mit einem Buch in den Sessel zu setzen. Oder, noch besser: um sich daraus vorlesen zu lassen. Mehr als 20 große und kleine Zuhörer taten am Freitag genau dies. Sie besuchten die Lesung des Kinderbuchautors Christian Seltmann in der Stadtbücherei.

„Fußballgeschichten für drei Minuten“ heißt das jüngste Werk des einstigen Oberbrüggers, der aber seit Jahren in Berlin lebt und arbeitet (wir berichteten). Ob es nun Oskars neue Fußballschuhe waren oder der „Affenkäfig“ – immer erläuterte Seltmann auch die Zusammenhänge mit seiner Zeit in Oberbrügge. Im Alter von zehn Jahren, so erzählte der Autor am Freitag, sei er mit seinen Eltern an die Volme gezogen und habe dabei auch manch eine Fußball-erfahrung machen dürfen – beziehungsweise müssen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die teuren Stollenschuhe des Cousins, der in Berlin Profifußballer war, auf dem Tartanplatz der Grundschule keinen festen Halt hatten. Und so steckt in der Figur „Oskar“, die mit den neuen Tretern auf Torejagd geht, auch ein wenig Christian Seltmann.

Die jüngeren Zuhörer schmunzelten und fieberten mit, die älteren staunten aber auch über die gesellschaftskritischen Ansätze, die Seltmann gekonnt in kindgerechter Form aufbereitet. Wenn etwa der Jugendscout aus dem fernen Deutschland ins afrikanische Dorf kommt und der erst sechsjährige Sammi von seinem Protegé dazu gedrängt wird, sein wahres Alter zu leugnen um „gekauft“ zu werden, dann wird klar, dass Kinderliteratur nicht seicht sein muss, um die Zielgruppe zu begeistern und sie gleichzeitig auf Missstände hinzuweisen.

Um die jungen Besucher nicht nur akustisch, sondern auch visuell zu fesseln, wurden per Beamer im Hintergrund die Illustrationen zu Seltmanns Buch gezeigt. Diese stammen aus der Zeichenfeder von Jann Wienekamp und sollen den jungen Lesern die Geschichten rund ums runde Leder veranschaulichen. Das gelingt durchweg gut – mit einer Ausnahme: Als die afrikanischen Kinder dem Jugendscout auf einer „staubigen Ebene“ ihr Können präsentieren, bolzen sie im Bild auf einer grünen Wiese. Ein Fehler, den Seltmann umgehend einräumt, aber professionell hinweg lächelt: „Der Illustrator hat den Staub eben grün gemalt.“ Der Qualität des Buches tut das ohnehin keinen Abbruch. ▪ zach

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