Fundament für Waisenhaus in Togo steht

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Die Kosten für die Arbeiter werden vom leitenden Architekten übernommen. Der ist leider verstorben, doch auch sein Nachfolger hat diesen Wunsch übernommen.

Halver - In 4900 Kilometern Entfernung in Westafrika ragt ein Fundament aus dem Boden – etwas abgelegen zwischen Baumreihen und einem Maisfeld. Im togoischen Glei entsteht seit Juni ein Heim für Waisen- und Straßenkinder, das der Halveraner Verein der Freunde Togos seit über einem Jahr plant.

„Die erste Etappe ist abgeschlossen“, sagt der 25-jährige Colin Nolan, Vorsitzender des Vereins. Ende Juli wurde der zweite Teilbetrag über 7004 Euro überwiesen, damit die nächsten Schritte realisiert werden können. „Danach soll der Rohbau mit 180 Quadratmetern stehen.“ Vor den weiteren Phasen ruhen die Arbeiten in Glei, bis wieder genügend Spenden gesammelt wurden.

Den ersten Spatenstich hat zwar niemand aus dem Verein persönlich miterlebt, ganz ohne Stippvisiten passiert in Togo dennoch nichts: Seit dem Baubeginn waren vier Mitglieder, allesamt Studentinnen aus ganz Deutschland, dort. Nolan hat sie im Februar vergangenes Jahr bei seiner Reise nach Togo kennengelernt. Es war der erste Besuch nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) vor fünf Jahren. Die vier haben zu dem Zeitpunkt dort ebenfalls ein FSJ in Einrichtungen für Kinder geleistet.

Halveraner werden von Partnerverein ASEVEC aus Togo unterstützt

Im September wird Nolan mit der zweiten Vorsitzenden Nora vom Brocke (25 Jahre) und Vorstandsmitglied sowie Organisatorin Ann-Kathrin Falkenroth-Steinbach (24 Jahre) aus Schalksmühle nach Togo fliegen. „Voraussichtlich steht die zweite Etappe kurz vor dem Abschluss. Das heißt, die Wände werden gezogen und alle Betonarbeiten fertig sein“, sagt Nora vom Brocke.

Für Ann-Kathrin Falkenroth-Steinbach ist es die erste Reise dorthin. „Wir haben monatelang in Deutschland geplant“, sagt die studierte Betriebswirtin, die Gründungsmitglied des Vereins ist. „Und endlich sehe ich dann, wofür. Und natürlich freue ich mich, meine Patenfamilie kennenzulernen. Damit hat schließlich alles in dem Verein angefangen.“ Mit ihr waren dann neun Mitglieder aus dem engeren zwölfköpfigen Arbeitskreis in Togo.

Für und mit dem Halveraner Verein kümmert sich der Partnerverein ASEVEC um die Angelegenheiten in Glei. „Ich telefoniere regelmäßig nach Togo und halte auch über Skype den Kontakt, wir wissen also immer, wie der Stand der Dinge ist“, sagt Nolan.

Gesamtkosten von 37.500 Euro

Während der Bau in Togo läuft, kümmert sich der Verein hierzulande um Spenden, die den Unterhalt später decken sollen. Wie hoch dieser letztlich sein wird, steht noch nicht fest. Das hängt unter anderem von der Zahl der Angestellten oder der Kinder ab. „Momentan hätten wir mit den monatlichen Dauerspenden den größten Teil schon gedeckt – ein großes Dankeschön dafür“, sagt Finanzwirt und Vorstandsmitglied Benjamin Kessler (24 Jahre). Die Gesamtkosten für das Heim liegen nach aktuellen Berechnungen bei gut 37 500 Euro – etwa 27 000 Euro haben die Freunde Togos bereits gesammelt.

Dass die Summe unerwartet höher werden kann, hat der Verein kürzlich erfahren: „Leitungen für Strom und Wasser sind im Gebäudeplan schon vorgesehen, die Leitungen zum Haus hin sind jedoch teurer als erwartet“, sagt Nolan. Aus solchen Gründen sei die nächste Reise für ihn so wichtig, um einige Fragen nicht nur über einen Partner von ASEVEC mit den Bauleitern zu klären.

Dass finanzielle Rückschläge bei so einem Großprojekt zweitrangig sind, wurde den Mitgliedern im Dezember klar. Da verstarb der leitende Architekt, den manche Vereinsmitglieder persönlich kannten und der selbst von dem Projekt begeistert war. So sehr, dass er die Kosten für die Arbeiter tragen wollte. Sein Nachfolger hat diesen Wunsch weitestgehend übernommen.

Bauarbeiten sollen Mitte 2016 abgechlossen sein

Abgeschlossen sein sollen die Bauarbeiten etwa Mitte 2016. „Das hängt natürlich davon ab, wie schnell das restliche Geld zusammen kommt. Und nach Abschluss des Baus steht ja auch noch die Einrichtung an“, sagt Nora vom Brocke. „Wir dürfen auch die anderen Projekte wie die Betreuung der Familienpatenschaften nicht aus dem Auge verlieren. Und wir sammeln gerade für die Verteilung von Schulutensilien für den Schulbeginn“, ergänzt Ann-Kathrin Falkenroth-Steinbach.

Es gilt zudem noch eine Hürde bei diesem Projekt zu nehmen: „Das Konzept für den Betrieb des Waisenhaus müssen wir noch ausarbeiten“, sagt Nolan. Darüber hinaus sollen weitere togoische Partner und regelmäßige Spender gesucht werden. Eventuell soll das Heim über eine Photovoltaikanlage mit Strom versorgt werden – auch dafür würde natürlich, das wissen die Freunde Togos, Geld benötigt.

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