Prozess nach Gülle-Katastrophe

Landwirt Feckinghaus freigesprochen

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[Update 17 Uhr] Halver/Hagen - Landwirt Tobias Feckinghaus wurde von sämtlichen Anklagevorwürfen freigesprochen. Damit endet das Verfahren um die Gülle-Katastrophe in der Neye-Talsperre nach fünf Verhandlungstagen. 

Am Ende ging es ganz schnell: Am gestrigen fünften von geplanten sieben Verhandlungstagen sprach die 3. Große Strafkammer den Halveraner Landwirt Tobias Feckinghaus vom Vorwurf der schweren Gewässerverunreinigung frei. Ihm war vorgeworfen worden, in der Nacht zum 18. März 2015 auf seinem Hof einen Schieber an einem riesigen Güllebehälter geöffnet zu haben, wodurch 1,7 Millionen Liter Gülle in den Neye-Bach und die Talsperre liefen.

 „Letztlich blieb uns nur noch, den Zweifelssatz ,in dubio pro reo’ anzuwenden und den Angeklagten freizusprechen“, schloss der Vorsitzende Richter Andreas Behrens seine Urteilsbegründung. Die 3. Große Strafkammer des Landgerichts Hagen war sich dabei einig mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft und Verteidiger Wilfried Steinhage, die ebenfalls einen Freispruch beantragt hatten.

 Die Kammer war nach den Zeugenaussagen zu der Überzeugung gekommen, dass der angebliche Druck zur Leerung des Behälters durch die Aufsichtsbehörden des Märkischen Kreises weit schwächer war als angenommen. Eine Ratenzahlungsvereinbarung mit dem Märkischen Kreis habe das wegen der Nutzung des Güllebehälters verhängte Ordnungsgeld entschärft, stellten die Richter fest. Nach Zahlung von 1000 Euro, „Peanuts“ im Vergleich mit den Umsätzen des Hofes, hätte der Angeklagte gute Chancen gehabt, die vorhandene Gülle im März 2015 in der beginnenden Wachstumsperiode selber auszufahren und so weiteren Zwangsmaßnahmen zu begegnen.

"Ein plausibles Motiv fehlt"

Neben seinen eigenen Fahrzeugen hätte er dafür die Dienste eines bereits bestellten Lohnunternehmers aus Ahaus in Anspruch nehmen können. „Ein plausibles Motiv fehlt“, stellte der Vorsitzende vor diesem Hintergrund fest. Dazu kam ein weiteres Argument: „Der Angeklagte hatte anlässlich einer ersten Gülle-Verschmutzung der Neye bereits gesehen, was für Konsequenzen schon das Ablassen einer wesentlich geringeren Menge hat.“

 Für die Nacht vom 17. auf den 18. März 2015 galt schließlich, dass niemand daneben stand, als ein Unbekannter den Schieber des Güllebehälters öffnete und den daran hängenden Schlauch in Richtung Neye-Bach legte. Trotz einiger Indizien, die auf den Angeklagten als möglichen Täter hinwiesen, blieben aber erhebliche Zweifel. 

Ein vermutlich in der gleichen Nacht geschehener Fremdstoffeintrag in den Tanks hofeigener Fahrzeuge nährte den Verdacht, dass es sich bei den nächtlichen Ereignissen tatsächlich um den Sabotageakt eines anderen Täters gehandelt haben könnte. Im Verlauf des Verfahrens war deutlich geworden, dass es Tobias Feckinghaus – vor allem aufgrund seines regen Güllehandels –nicht an Feinden mangelt.

 Die Kammer hielt es nicht für ausgeschlossen, dass der Angeklagte am Morgen nach der Katastrophe tatsächlich überrascht von dem Geschehenen war. Das hatten mehrere Zeugen so ausgesagt. Und so blieb zwar eine grundsätzliche Überlegung, dass man „nicht ausschließen“ kann, „dass jemand relativ gut Theater spielt“. Doch eine gerichtsfeste Gewissheit über einen möglichen Täter blieb in unerreichbarer Ferne, sodass nichts anderes als ein Freispruch mangels Beweisen blieb.

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