Fünf Hektar Wald und 35 unwissende Eigentümer

Forstinspektor Ulrich Ackfeld zeigt, wie dicht die Markierungen stehen. ▪

HALVER ▪ „Wir haben Wald? In Halver? Wo ist das?“ Mehr als verdutzt waren die 35 Waldbesitzer, die Forstinspektor Ulrich Ackfeld in den vergangenen Monaten ausfindig machte. Denn fast niemand wusste etwas von dem Besitz. Der Grund:

Die kleinen Wald-Parzellen oberhalb des Brügger Bahnhofs wurden in den 1950 Jahren als Bauerwartungsland verkauft. Doch gebaut werden durfte dort nie. Die meisten Käufer sind mittlerweile verstorben, der Wald wurde vergessen und nun ist das Chaos groß.

„Bereits vor 15 Jahren ist mir der Wald aufgefallen. Er wurde nie durchforstet und überall standen Grenzsteine“, erinnert sich Ackfeld. Alle zehn bis 50 Meter lagen die Steine – kaum noch sichtbar, so zugewachsen seien sie gewesen. Der Fichtenbestand musste dringend gepflegt werden. So kam es, dass Ackfeld sich bereits damals an das Katasteramt und das Amtsgericht wand, um die Eigentümer ausfindig zu machen. Doch bekam er nur die Namen, keine Adressen. „Das war, wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen, keiner wusste wo man anfangen sollte“, erzählt er.

Erst mit Kyrill wurde die Suche dann konkret. „Die ganze Fläche hatte der Orkan zerlegt und dort – zwischen Berge und Brügge –, wo nicht der Wind für Schaden sorgte, waren die Bäume des angrenzenden Bestandes drauf gefallen.“

Recherchen hätten ergeben, dass dort in den 1950er Jahren eine Ferienhaussiedlung entstehen sollte. Vor der endgültigen Genehmigung wurden bereits Grundstücke als Bauerwartungsland an Ruhrgebietler verkauft. „Das ist ganz kurios, in dem unaufgeräumten Wald stehen plötzlich alte Bänke und Grillplatten.“ Doch zu dem Bau sei es nie gekommen, da die Versorgungsleitungen hätten unter dem Brügger Bahnhof verlegt werden müssen. Ackfeld: „Das Projekt wurde zu teuer, ist gescheitert und der Wald wurde vergessen.“

Nachdem Kyrill die alten Fichten zerstört hatte, ging Ackfeld auf die Besitzersuche. Über Internet und Telefonbücher habe er mit der Detektivarbeit begonnen. Schwierig sei es bei den „Allerweltsnamen“ gewesen. „Haben Sie mal in Bochum einen Herrn Müller gesucht, der wahrscheinlich nicht mal mehr lebt und deren Erben verheiratet sind und den Namen gewechselt haben?“

Tagelang habe ihn die Suche beschäftigt, sogar bis in die Schweiz habe sie ihn geführt. Überall, wo er anrief bekam er Hilfe. „Ich wusste von einem Besitzer den Nachnamen und die Straße. Ich habe irgendwen dort angerufen und der ist dann die Straße entlang gegangen und hat alle Klingelschilder durchforstet“, erzählt der Förster.

Die Zeit drängte, die Flächen konnten nicht parzellenweise aufgearbeitet werden. Daher seien alle aufgeforstet worden und anschließend sei man durch die 1000 Quadratmeter großen Parzellen gegangen und habe die Baumstümpfe gezählt, die Erträge seien auf einem Konto „geparkt“ worden, bis die Besitzer identifiziert werden können.

Zudem habe man begonnen, die Grenzen neu einzuzeichnen und zu „versteinen“. Damit sind die Waldarbeiter bis heute noch immer wieder beschäftigt. „Wenn sie mittendrin stehen, sehen sie überall Grenzsteine, da verlieren sie völlig die Orientierung, das ist die reinste Wildnis.“ Hinzu käme, dass die Besitzer überhaupt keine Ahnung von Forstwirtschaft hätten. „Für sie ist Wald einfach da, sie wissen nicht, dass man ihn pflegen muss.“

Nun werden die Flächen nach und nach neu aufgeforstet, neu markiert und eingezeichnet. „Damit kommt endlich wieder Licht in den Dschungel hier“, freut sich Ackfeld. Doch bis alles neu geordnet und aufgeforstet ist, werden wohl noch Monate vergehen. ▪ Lydia Machelett

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