Teilnehmer des Heimatkreistages erleben dreistündige Wanderung durch Schwenke

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Die Wandergruppe lauschte an den einzelnen Stationen der Tour den Erläuterungen von Ingrid Rumi (rechts).

Halver - In der Gegend um den ehemaligen Oberhof Eichhofen gibt es viele kulturgeschichtliche Fundstücke zu entdecken. Das erfuhren am Sonntag die Teilnehmer an der von Ingrid Rumi geführten Wanderung. Die Veranstaltung im Rahmen des Kreisheimattages war rasch ausgebucht. Rund drei Stunden dauerte der informative und abwechslungsreiche Spaziergang.

Ingrid Rumi weiß, wovon sie spricht. Ein Manuskript brauchte sie nicht. Für ihr Buch „Mit Haferbrei und eisernem Willen“ wandelte sie selbst viele Jahre lang auf den Spuren ihrer Vorfahren und erfuhr dabei auch viel über die Lebensbedingungen der Menschen. Bis vor zwei Jahren war ihr Kreativhof Schüreichhofen gefragter Veranstaltungsort für vielerlei Vorträge, Musik und Theaterdarbietungen. Mittlerweile konzentriert sie sich wieder auf die Arbeit als Unternehmensberaterin.

Schüreichhofen, so informierte sie, fand erstmals vor 800 Jahren in amtlichen Dokumenten Erwähnung. Es waren drei Voraussetzungen, wodurch sich der Ort als Siedlungsstätte eignete: Wasser, die Südausrichtung und eine geschützte Hanglage. Nicht weit von hier befindet sich die Löhrmühle. „Sie wurde 1552 erstmals erwähnt“, informierte Rumi. „Eine Mühle war eine regelrechte Gelddruckmaschine“, meinte sie. „Mühlen waren sehr lukrativ“, fügte sie hinzu. Drei Scheffel Mehl, vergleichbar einem Prozent der Warenmenge, behielt der Müller als Lohn ein. Schwer nachweisbar, ob da immer alles mit rechten Dingen zuging. Schlecht wird es den Mühlenbetreibern jedoch wohl kaum gegangen sein. Ihre Häuser unterschieden sich deutlich von den meisten in der Nachbarschaft. „Müller war kein angesehener Beruf“, sagte Ingrid Rumi. Angebaut wurde Hafer. Er diente als Nahrung für Mensch und Tier. Stadt, Kreis,

Landschaftsverband und Heimatverein beteiligten sich 1987 an den Kosten zur Erneuerung des Mühlrades. „Hier könnte noch gemahlen werden“, erläuterte Rumi. Statt Mehl produziert die Löhrmühle heute Strom. Der alte Haferkasten in unmittelbarer Nähe des Denkmals stand ursprünglich in Burbach. Der Heimatverein stellte ihn nach der Restaurierung an seinen neuen Platz.

„Im unteren Teil wurde Getreide gelagert, oben Schinken und wertvolle Kleidung, wie etwa das Brautkleid“, erzählte Ingrid Rumi. Kleidung zu stopfen, flicken, umzuändern und von einer Generation an die nächste weiterzugeben, war lange Zeit eine Selbstverständlichkeit. Zu Stieneichhofen, einem ehemaligen Gräftenhof, der nächsten Station auf der Wanderung, zählten einst bis zu 14 abgabepflichtige Höfe.

Zum Einzugsgebiet des Kölner St. Georgenstiftes gehörten auch Teile von Radevormwald und Wipperfürth. „Die Ennepe wurde um 1900 begradigt“, erläuterte Rumi am selben Standort. Der Schlamm, den der Fluss mit sich führte, enthielt wertvollen Dünger und machte die Wiesen zu fruchtbarem Land. „Im März wurde der Fluss gestaut und Gräben gezogen“, führte sie weiter aus. Eine Arbeit, die viel Kraft erforderte. Dasselbe galt für die Heuernte. War der Boden vom Regen aufgeweicht, versank der vom Vieh gezogene Leiterwagen ein Stück darin. Nicht selten kippte er um. Die Böden waren schlecht, die Bauern extrem arm.

Im Winter bot der Eisenabbau einen lebenswichtigen Nebenerwerb. Seit dem Mittelalter wurde hier Metall aus der Erde geholt, wie viele Stollen belegen. Dass im Grenzland zwischen Rheinland und Westfalen darüber hinaus intensiv Handel betrieben wurde, konnten die Wanderer am Bollberg erfahren. Hier stand einst eine Flieh- und Schutzburg die von durchziehenden Händlern genutzt wurde. Wohl kaum ein Zuhörer hatte bisher geahnt, dass sich an der Ennepe ein wichtiger Handelsweg zwischen Hamburg und dem Mittelmeer befand.

Von Ursula Dettlaff

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