Wärmster Dezember bringt Tierwelt durcheinander

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Durch die frühlingshaften Wetterverhältnisse ist ein Teil von Hans-Jürgen Packheisers Honigbienen bereits im Außenbereich aktiv.

Halver - Keine weiße Weihnachten zu haben, daran haben sich selbst Sauerländer bereits gewöhnt. Aber Temperaturen bis zu 20 Grad und blühende Pflanzen – gegen Ende Dezember – sind kurios und erinnern viele eher an den Frühling. Doch nicht nur der Mensch reagiert auf die aktuellen Verhältnisse verwundert, denn das milde Klima bringt auch die Tierwelt aus ihrem gewohnten Lebensrhythmus.

Es sei der wärmste Dezember aller Zeiten, zumindest seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1876, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am gestrigen Montag. Auch in den deutschen Skigebieten wird über Mangel der „weißen Pracht“ geklagt, so dass die sportliche Erholung auf den Brettern für viele in diesem Jahr ausfällt. Sonst liege die durchschnittliche Temperatur in Deutschland im Dezember bei etwa 3,4 Grad.

Vielfältige Tierwelt im Wald aktiv

Doch welche Auswirkungen hat das milde Wetter auf die Natur? „Es sind schon deutliche Frühlingssignale zu erkennen“, sagt Ulrich Ackfeld, Forstbetriebsbeamter in Halver. Zwar seien die Wasserspeicher durch die trockenen Tage in den Halveraner Wäldern nicht komplett gefüllt, allerdings liege Halver in einer sehr gemäßigten Zone.

„Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr haben gezeigt, dass das milde Wetter keine großartigen Schäden gebracht hat. 2015 war waldtechnisch ein recht beruhigendes Jahr“, so Ackfeld. Auch die Zahl der Borkenkäferschäden habe sich 2015 nicht signifikant erhöht. Angst habe der Förster eher vor Wetterkapriolen wie stärkeren Stürmen. Diese richteten – wie mehrfach in den vergangenen Jahren – mehr Schaden an als warme Temperaturen im Winter. Auswirkungen habe das Wetter eher auf die anstehenden Arbeiten in den Waldgebieten: „Einige Gebiete sind bei gefrorenem Boden besser zu erreichen. Manche Laubholzeinschläge können wir so nicht erledigen, da wir bei weichem Boden die Gebiete nicht gut erreichen oder zu viele Beschädigungen anrichten würden“, erklärt Ackfeld. Diese Arbeit würde dann gezwungenermaßen liegenbleiben.

Zudem sei die Tierwelt in den Wäldern bereits aktiver und vielfältiger. Dies gelte vor allem für Wildbestände: „Diese erleben aktuell keine Notzeit und können sich umso besser vermehren.“ Persönlich glaubt der Forstwirt, dass kalte Minustemperaturen sowie Schnee und Eis zum Winter dazugehören: „Dann werden die Leute einfach etwas ruhiger. Aber ich bin auch ganz froh, dass man zur Zeit bei Arbeiten im Wald nicht so frieren muss“, sagt Förster Ackfeld.

Bienenvölker arbeiten sich schneller ab

„Eine Biene lebt im Durchschnitt etwa vier bis sechs Wochen – in den Wintermonaten sogar bis zu sieben Monate. Die Tiere arbeiten ihre Lebenszeit quasi ab, so dass durch das milde Wetter sich die Lebenszeit der Bienen nun deutlich verkürzt. Einen Winterschlaf halten die Bienenvölker im Allgemeinen nämlich nicht“, sagt Hans-Jürgen Packheiser. Der 76-jährige Halveraner ist mit Leidenschaft seit seinem 16. Lebensjahr Hobby-Imker und kennt sich mit Bienenvölkern und ihren Gewohnheiten umfassend aus.

Pro Jahr kann er rund 30 bis 40 Pfund Honig pro Volk herstellen. Nebenher verbringt der lebensfrohe Rentner viel Zeit an der frischen Luft und in der Natur. „Es ist schon kurios, dass manche Blumen bereits wie verrückt blühen. An meinen Kästen flogen bereits 10 bis 15 Bienen nach draußen, um Nektar zu sammeln“, sagt Packheiser.

Grundsätzliche Sorgen um seine insgesamt sieben Völker mit bis zu 20 000 Bienen mache er sich jedoch nicht: „Die Bienenköniginnen brüten dank der milden Temperaturen nun einfach weiter“, weiß der Imker zu berichten. Normalerweise würden die jetzt geborenen Tiere noch bis März leben, bevor die nachfolgende Generation schlüpft.

„Die Tiere sind zu unruhig, weil sie denken, es sei bereits März oder April. Sonst würden sie im normal-kalten Winter mit eisigen Temperaturen das Bienennest nicht verlassen. Durch die bereits blühenden Pflanzen und die Wärme fliegen die Tiere bereits quer durch die Natur, weil sie fälschlicherweise ihren Wintersitz bereits aufgegeben haben“, sagt Hans-Jürgen Packheiser.

Andererseits habe der Hobby-Imker in den vergangenen Jahren auch erlebt, dass die Sommermonate zu kalt und nass gewesen sind: „Da musste ich meine Bienenvölker per Hand nachfüttern. Das gab es auch bereits in den 1980er Jahren. Ohne die Hilfe des Menschen wären wohl sehr viele Bienen verhungert“, vermutet der erfahrene Halveraner Imker. An eine vorzeitige Frühjahrs-Ernte von Honig seiner Bienenvölker sei aber noch nicht zu denken. Dafür gebe es zum jetzigen Zeitpunkt viel zu wenige Sammelmöglichkeiten für die Tiere.

Frost würde Entspannung bringen

Packheiser wünscht sich für seine schwarz-gelben Nutztiere, dass es noch einige kalte Frosttage mit Temperaturen von mindestens Minus fünf Grad Celsius geben wird: „Dann beruhigen sich die Tiere, finden ihren Rhythmus wieder und wandern im gewohnten Gang in ihrem Stock umher.“

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