Neues Gesicht im Rathaus

Frischer Wind fürs Klima: Neue Klimaschutzbeauftragte in Halver

Diane Novakovic ist die neue Klimaschutzbeauftragte.
+
Diane Novakovic ist die neue Klimaschutzbeauftragte.

Sie ist das neue Gesicht für den Klimaschutz im Rathaus: Diane Novakovic. Seit dem 1. September ist sie die Klimabeauftragte der Stadt Halver. Mit diesen Zielen geht sie an die Arbeit.

Halver – Sie ist ein Kind des Ruhrgebiets. Geboren in Duisburg, heute wohnhaft in Bochum-Wattenscheid. Jetzt ist Diane Novakovic die Neue im Rathaus, sie ist die erste Klimaschutzbeauftragte der Stadt. Eine Stelle fürs Klima, die man nicht nur mit Blick in die Zukunft, sondern auch mit Blick auf die jüngste Vergangenheit braucht. Mehrere trockene Sommer, sterbende Wälder, Hochwasser.

Der Klimawandel ist hier angekommen, sagt auch Diane Novakovic. Und die Erkenntnis, dass Vorhersagen aus den vergangenen Jahren im Studium wahr werden, hat sie verändert. Sie glaubt, dass viele jetzt gemerkt haben, dass sich das Klima verändert – so zum Beispiel auch ihr 90-jähriger Nachbar. „Wir sind mittendrin“, sagt sie. Es ist „beängstigend“. Aber vor allem motivierend.

Das Sauerland war immer grün, jetzt stirbt der Wald

Die 31-Jährige sieht sich noch im Klassenraum sitzen. Ihr Blick gen Schornsteine gerichtet, die in den Himmel ragen. Das klassische Bild des Ruhrgebiets. Und jetzt aktiv fürs Klima? „Vielleicht gerade deshalb.“ Heute ist das Ruhrgebiet grün, nicht mehr nur von Industrie, von Kohle und der alten Methode, Wärme zu erzeugen, geprägt. Das Bild des Sauerlands war schon immer grün, aber jetzt stirbt der Wald. Auch für die Großstädterin ist das dramatisch. Sie kann nur erahnen, was der Wald für Halveraner und Sauerländer bedeutet, und wie schlimm es sein muss, das mit anzusehen, sagt sie. Sie selbst ist passionierte Pilzsammlerin. Ein Waldstück in Warstein, das sie kürzlich besuchen wollte, ist weg. Trotz Regen trockene Böden. „Erschreckend.“

In der Welt von Diane Novakovic dienen Windräder und Fotovoltaikanlagen zur Energiegewinnung. Und sie freut sich über die offenen Türen, die es in Halver für erneuerbare Energien bereits bei ihrem ersten Eindruck zu geben scheint. Am Donnerstagabend wurde die Bochumerin im Ausschuss für Planung und Umwelt vorgestellt. Ja, sie war aufgeregt, erzählt sie. Sie, die junge Frau, neu in der Stadt. Aber sie war überwältigt, erzählt sie. Von der Fachkompetenz der Mitglieder und der freundlichen Aufnahme.

Von Duisburg nach Halver

Diane Novakovic ist 31 Jahre alt. Sie ist in Duisburg geboren und aufgewachsen, lebt heute mit ihrem Ehemann in Bochum-Wattenscheid. Nach dem Abitur machte die Bochumerin eine Ausbildung im medizinischen Bereich. Mit 23 Jahren entschied sie sich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sie studierte Geografie einige Semester an der Universität Gießen und schloss ihr Bachelor-Studium an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ab. An der RUB machte sie anschließend ihren Master in Stadt- und Landschaftsökologie. Anfang des Jahres schloss sie das Studium ab und arbeitete in einem Planungsbüro in Essen. Seit dem 1. September ist sie die Klimaschutzbeauftragte der Stadt Halver.

Die wurde ihr direkt am ersten Tag im Bauamt an der Von-Vincke-Straße zu Teil. Sie sitzt fortan im Büro in der ersten Etage, gleich gegenüber von Katrin Siegmund, und Michael Luedtke, und schräg gegenüber von Fachbereichsleiter Michael Schmidt. Auf ihrem Schreibtisch steht eine lilafarbene Primel mit farblich passendem Papier um den Topf. Ein Begrüßungsgeschenk. Sie fühlt sich schon nach einer Woche wohl in Halver und strahlt übers ganze Gesicht. Sie ist angekommen.

Geförderte Stelle für drei Jahre

Viel gesehen hat sie noch nicht, gibt sie zu. Aber sie hat viel vor. Klimaschutzbeauftragte ist genau das, was sie werden wollte. Auch ihr ist aufgefallen, dass die Stellen in vergangener Zeit vermehrt ausgeschrieben waren. Die Kommunen stellen ein. Denn die Position wird drei Jahre voll gefördert, für die Städte und Gemeinden entstehen keine Kosten. Was danach passiert, wird man sehen. Zwei Jahre kann die Stelle verlängert werden. Aber auch in fünf Jahren wird es noch immer Arbeit geben.

Große und kleine Projekte schweben der 31-Jährigen vor. vom Mittagessen im Kindergarten bis zum Windrad, Ihre Aufgabe ist es, zu moderieren und aufzuklären. Ob Mobilitätswende oder Energiewende, es wird immer Parteien geben, die dafür und dagegen sind, sagt Novakovic. „Da geht es dann um Aufklärungsarbeit.“ Und am Ende auch um Marketing, Werbung für den Klimaschutz.

Mit Netzwerken begonnen

Mit dem Netzwerken hat Diane Novakovic bereits begonnen. Die bisher eingestellten Klimaschutzbeauftragten in der Region kennt sie fast alle, Hadi Fleger aus Schalksmühle aber noch nicht. Auch er hat erst kürzlich angefangen. Jetzt treffen sie sich Ende September. Auch wichtige Klimaschutzakteure und Projektpartner hat sie bereits kontaktiert, sich vorgestellt und den Anfang gemacht. In einer Kleinstadt wie Halver sei genau das der Vorteil: die kurzen Wege und der direkte Kontakt. Das hat sie gereizt.

In Großstädten gibt es im Rathaus ganze Abteilungen, in Halver und Umgebung ist es jetzt jeweils eine Person – die aber, wenn sie sich vernetzen, viele sind. Untätig war man in Halver und im Kreis nicht. Das erstellte Klimaschutzkonzept hat sich die Beauftragte bereits angesehen und ist von den vielen Ideen positiv überrascht. Jetzt priorisiert sie. Manche Maßnahmen könnten schnell umgesetzt werden, vor allem mit politischer Zustimmung, andere wie der Ausbau des Radwegenetzes sind nicht alleine Halvers Aufgabe und ein langfristiges Ziel. Umso wichtiger ist das Vernetzen, sagt sie.

Neben aktiven Maßnahmen ist ihr auch Umweltbildung ein Anliegen. In Schulen will sie präsent werden und freute sich, als sie hörte, dass es in Halver schon viele engagierte Lehrer gibt. Die Themen kommen mit den Schülern an den heimischen Küchentisch, sagt sie. So würden auch Eltern sensibilisiert für Umweltthemen. Auch die Idee von „Klima-Fit“-VHS-Kursen findet sie gut, um jedem zu zeigen, dass es nicht kompliziert sein muss, wenig im Alltag zu verändern und doch viel damit zu bewegen.

Da, wo ich kann, leiste ich meinen Beitrag, aber als Öko würde ich mich nicht bezeichnen.

Diane Novakovic

Und sie selbst? „Ich versuche, CO2 einzusparen. Ich bin schon ein umweltbewusster Mensch, ja. Aber ich bin niemand, der sein Leben komplett darauf ausrichtet“, sagt sie. „Da, wo ich kann, leiste ich meinen Beitrag, aber als Öko würde ich mich nicht bezeichnen.“ In ihrer Bachelorarbeit setzte sie sich mit dem Thema Plastik auseinander. „Auf Plastik versuche ich definitiv zu verzichten. Jeder Mensch, der auf seine Gesundheit achtet, sollte schleunigst Plastik meiden.“

Den Finger wird sie nie heben

Den Finger wird sie nie heben, auch nicht belehren. Wer das Klima schützt beziehungsweise etwas fürs Klima tut, muss kein Veganer sein. Das ist sie auch nicht. Sie fährt auch Auto, wenngleich sie sich nur eins für den Job gekauft hat. In Bochum ist sie auf diese Art der Mobilität nie angewiesen gewesen. Mit der Straßen- und U-Bahn ging es zur Ruhr-Universität, mit der S-Bahn geht es Richtung Duisburg zur Verwandtschaft. Nach Halver geht es jetzt mit einer „kleinen Schrottkiste mit Fahranfänger-Sticker hinten drauf“, sagt sie und lacht. Für ein E-Auto hatte sie auch schlicht kein Geld, sagt sie.

Denn, wenn man es genau nimmt, kommt sie gerade von der Universität. Im Januar hat sie offiziell abgeschlossen. Die Corona-Zeit hat sie im Studium daher voll mitbekommen. Die Masterarbeit, die sonst für sechs Monate angesetzt wird, dauerte ein ganzes Jahr. Nur, weil die Zeiten im Uni-Labor begrenzt waren. Einige Monate hat die Bochumerin in einem Planungsbüro in Essen gearbeitet. Ein Übergang bis sie wirklich fürs Klima arbeiten konnte. „Es gibt nichts Schöneres, als etwas beruflich zu machen, wofür man brennt“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare