Freizeit zwischen Beschimpfungen und Urin

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Halver - Acht Jahre ist es nun her, dass die Skateranlage auf dem Jugendspielplatz an der Katrineholmstraße eröffnet wurde. Damals war es das Jugendparlament „Junges Forum“, das sich für die Errichtung der Anlage eingesetzt hatte. Ob Skateboarder, Inlineskater oder BMX-Fahrer, die Anlage ist Treffpunkt für viele Jugendliche. Doch immer wieder gab es auch Kritik seitens der Nachbarn oder der Politik. Nun aber sind es die jungen Nutzer selbst, die mit den Gegebenheiten nicht mehr zufrieden sind.

„In den vergangenen Monaten kam es immer häufiger vor, dass die Anlage total verdreckt und absichtlich verwüstet wird“, berichtet Tim Schneider. Er nutzt, genauso wie rund 20 weitere BMX-Fahrer, die Anlage regelmäßig. „Wir kommen hier her, weil wir unserem Hobby nachgehen wollen. Aber wenn wir jeden Tag erst einmal Glasscherben, Bierflaschen und Müll wegräumen müssen, nervt das. Und wenn wir Pech haben, treten wir dann auch noch in Urin oder finden an einer Rampe einen Betrunkenen, der seinen Rausch ausschläft“, macht der 15-Jährige seinem Ärger Luft. Hinzu kämen immer wieder lauthalse Beschimpfungen aus den Mehrfamilienhäusern am Bahnweg. „Die kommen auch schon mal raus und schreien uns an“ so die Jugendlichen. Ein Bewohner habe ihnen sogar Schläge angedroht.

Unsicher und unwohl fühken sich die Jugendlichen derzeit an der Anlage, die ursprünglich als Ort der Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche errichtet worden war. Auf ihren BMX-Rädern probieren sie fast täglich an neuen Sprüngen und Drehungen. Gerade zur Ferienzeit sei der Jugendspielplatz ein beliebter Treffpunkt der s

Sechs- bis Sechzehnjährigen, aus denen mit der Zeit eine feste Gemeinschaft entstanden sei. „Wir trinken nicht, schimpfen nicht oder machen irgendeinen anderen Quatsch. Und trotzdem hat man das Gefühl, dass wir hier nicht erwünscht sind“, versucht Tim die Situation deutlich zu machen. Arndt Spielmann, Leiter des Jugendzentrums, machte sich in dieser Woche ebenfalls ein Bild von der Situation vor Ort. Auch er hatte sich vor acht Jahren für die Errichtung des Jugendspielplatzes eingesetzt. Dass die Rampen und Bahnen nach einigen Jahren von den Jugendlichen gut angenommen und genutzt werden, freut ihn, weiß er doch um die Diskussionen, die es in der Vergangenheit mit Anwohnern gab. Die hatten sich immer wieder über den Geräuschpegel der Skateboards beschwert. „Die BMX-Räder und Inlineskater machen aber so gut wie keinen Lärm mehr“, weiß Spielmann.

Zudem versicherten die Jugendlichen, sich an die vorgegebenen Ruhezeiten mittags sowie an Sonn- und Feiertagen zu halten. Arndt Spielmann bot den Jugendlichen an, sich als Mittelsmann zwischen ihnen und der Stadtverwaltung einzusetzen und stellte darüber hinaus Gespräche mit dem Bürgermeister in der kommenden Woche in Aussicht. „Vielleicht wäre es ja sogar möglich, einen neuen Standort für die Anlage zu finden“, wünschen sich die Jugendlichen. Oft seien seitens der Stadt immer nur Einrichtungen für seniorengerechtes Wohnen im Gespräch. In das Angebot für die Jugend werde hingegen wenig investiert, so die Meinung der Jungen und Mädchen.

Von Friederike Domke

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