Vier Jahre und sechs Monate Haft für Räuber

Halver/Hagen - Vier Jahre und sechs Monate Haft für den Überfall auf ein Modegeschäft an der Bahnhofstraße, zweimal Freispruch hinsichtlich der Überfälle auf Tankstellen in Halver und Schalksmühle: Mit diesem Ergebnis endete der Prozess gegen einen 39-Jährigen aus Halver, dem zunächst alle drei Taten vorgeworfen worden waren.

 „Mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit können wir die Täterschaft des Angeklagten nicht feststellen“, sagte der Vorsitzende Richter Till Deipenwisch mit Blick auf die Tankstellenüberfälle.

Einiges spreche sogar dagegen, dass der Angeklagte diese beiden Überfälle begangen habe. Der Tatverdacht wurde vor allem durch Schuhe und Handschuhe genährt, die der Täter am Bächterhof getragen hatte. Den Aufzeichnungen der Überwachungskamera ließen sich Gegenstände des Angeklagten jedoch nicht zweifelsfrei diesen Bildern zuordnen. Im Haushalt des Räubers hatten zudem andere Personen Zugang zu den Gegenständen. Richter Deipenwisch äußerte deshalb eine Vermutung: „Der Angeklagte dürfte zumindestens wissen, wer den Überfall auf die BFT-Tankstelle begangen hat.“

Harte Worte fand der Richter für den Überfall auf das Modegeschäft: „Die Inhaberin wurde brutal und rücksichtslos zu Boden gebracht. Sie erlitt Schläge und Tritte gegen die Schulterpartie und den Bauch.“ Der Richter zeigte sich beeindruckt vom „toughen und abgeklärten Eindruck“, den die 79-Jährige vor Gericht gemacht habe. Beide Zeuginnen aus dem Modegeschäft hätten „sehr reflektierte und differenzierte Aussagen gemacht“. Alle Prozessbeteiligten unterstrichen die Glaubwürdigkeit der Angaben dieser Zeuginnen. Trotz der erheblichen Verletzungen der 79-Jährigen wurde der Räuber aber nicht für einen „Raub mit schwerer körperlicher Misshandlung“ verurteilt, der mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren geahndet wird. Das Gericht ging jedoch davon aus, dass die beim Überfall begangene Körperverletzung lediglich eine „einfache“ und keine „gefährliche“ war.

Zugunsten des Angeklagten wurde davon ausgegangen, dass er sich spontan zu dem Überfall am Silvestertag entschlossen hatte. Richter Deipenwisch führte ihm noch einmal lebhaft vor Augen, wohin ihn ungelöste Probleme und die Flucht in Alkohol und Drogen geführt hatten: „Für 160/170 Euro Tatbeute haben Sie Ihre Zukunft auf’s Spiel gesetzt.“ Zwei Frauen im Alter seiner Mutter oder sogar seiner Großmutter habe er brutal überfallen und sich im Gerichtssaal sichtlich dafür geschämt: „Sie waren kaum in der Lage, in die Richtung der beiden Zeuginnen zu blicken. Es machte den Eindruck, dass Sie am liebsten in den Boden versinken würden.“

Da die psychologische Gutachterin dem Angeklagten ein erhebliches Rückfallrisiko, gleichzeitig aber relativ gute Erfolgsaussichten einer Drogentherapie attestiert hatte, ordnete das Gericht die Unterbringung in einer geschlossenen Therapieeinrichtung an. Der Richter mahnte: „Sie müssen hart an sich arbeiten und diese Chance nutzen, sonst werden Sie nicht alt oder verbringen viele Jahre im Gefängnis.“ Staatsanwalt Jörn Esken nahm im Plädoyer das Strafmaß vorweg, Verteidigerin Julia Kusztelak beantragte drei Jahre und neun Monate. Der Angeklagte akzeptierte das Urteil unmittelbar nach Verkündung.

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