Freispruch für mutmaßlichen Sachbeschädiger

- Symbolfoto

Halver - Nächtliche Randale, Hausverbote, eine zertrümmerte Scheibe und ein Zeuge, der seine zuvor getroffene Aussage komplett widerrief. Richter Thomas Kabus musste in der Verhandlung gegen einen 23-jährigen Halveraner vor dem Lüdenscheider Amtsgericht über den nicht leicht zu klärenden Vorwurf einer Sachbeschädigung entscheiden.

Drei junge Männer hatten sich im Sommer des vergangenen Jahres vorgenommen, in der Wohnung eines Bekannten in Halver ordentlich zu feiern. Doch dieser freute sich anscheinend gar nicht über den nächtlichen Besuch des Trios. Bereits an der Wohnungstür des Bekannten sei es zu einem ersten Streit gekommen, wie mehrere Zeugen übereinstimmend berichteten.

Mit steigendem Alkoholpegel sei die Auseinandersetzung in der Wohnung dann eskaliert. Ihr unfreiwilliger Gastgeber warf die drei Männer raus, worauf diese die Wohnungstür zuschlugen, durch das Treppenhaus rannten und eine Glasscheibe an der Eingangstür zerstörten.

Und für diese zersplitterte Scheibe saß der 23-Jährige jetzt auf der Anklagebank. Seine beiden Trinkkumpanen hatten ihn bei der polizeilichen Vernehmung übereinstimmend als den eigentlichen Täter genannt. Das wies der Angeklagte aber weit von sich. Die Scheibe habe der als Zeuge geladene Kumpane A. zerstört. Warum der Dritte im Bunde, sein Freund Z., ihn gegenüber der Polizei belastet habe, konnte er sich gar nicht erklären.

Und dieser Zeuge Z. zog seine erste Aussage in der Gerichtsverhandlung auch prompt zurück. In Wirklichkeit sei A. der Täter. Er habe nur die Unwahrheit gesagt, weil dieser ihn anschließend aufgefordert habe den Angeklagten zu belasten. Auch die Ermahnung des Staatsanwalttes, dass Falschaussagen strafbar sind, brachte den reumütigen Zeugen nicht von seiner geänderten Aussage ab. Er habe nur in der polizeilichen Vernehmung gelogen.

Der weitere Augenzeuge und nun Beschuldigte A. war trotz Vorladung nicht erschienen. Und selbst wenn, zweifelten Richter und Staatsanwalt, sei eine Aussage aufgrund des Zeugnisverweigerungsrechts kaum zu erwarten. Alle weiteren Zeugen, Hausbewohner, hatten lediglich den Streit und das Zersplittern des Glases gehört. Benennen konnten sie den Haupttäter nicht.

Und so blieb Richter Thomas Kabus trotz erheblicher Zweifel nichts anderes übrig, als den 23-Jährigen freizusprechen. Trotz bereits zehn aktenkundigen Einträgen, darunter räuberische Erpressung, Beleidigung, gemeinschaftlicher Raub, gemeinschaftlicher Diebstahl, versuchter gemeinschaftlicher Raub und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Obwohl noch eine Haftstraße von sieben Monaten zur Bewährung ausgesetzt ist, sah der Richter eine positive Entwicklung. Der Angeklagte habe mittlerweile einen neunmonatigen Sohn, für den er sorgen würde, und er führe nun eine feste Beziehung. - sbt

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