Freispruch für 22-jährige Halveranerin

- Symbolfoto

Halver - Vordergründig ging es um Betrug: Weil sie zwei Handys und zwei Fernseher über das Internet bestellt, aber nicht bezahlt hatte, fand sich eine 22-Jährige aus Halver auf der Anklagebank des Amtsgerichts Lüdenscheid wieder.

Von Thomas Krumm

Doch in dem Strafverfahren zeigte sich sehr bald ein kompliziertes Beziehungsgeflecht, ohne das die Bestellungen auf den Namen eines 73-jährigen Zeugen gar nicht möglich gewesen wären.

So erzählte die Angeklagte, wie ihre Mutter sie 2011 bei einem angeblichen Onkel untergebracht hatte. Drei Jahre blieb die junge Frau mit dem älteren Herrn in einer Wohngemeinschaft, bevor sie vor etwa einem Jahr mit ihrem Freund zusammenzog. Möglicherweise hing es damit zusammen, dass der enttäuschte ältere Herr überhaupt Anzeige erstattete. Dafür sprach, dass ein weiterer Zeuge böse Worte des 73-Jährigen gehört haben wollte: „Wie kann die mich gegen einen solchen Hurensohn eintauschen?“ Der Anlass für die Strafanzeige waren mehrere Bestellungen, die auf den Namen des Mitbewohners getätigt worden waren.

Nachgestellt und „gestalkt“

Unter Verwendung seiner Kontodaten habe die junge Frau zwei Handys bestellt und ihn auf den Kosten für die zu erfüllenden Mobilfunkverträge sitzen lassen, lautete der Vorwurf des 73-Jährigen. Immer wieder neue Ausreden habe sie sich einfallen lassen, um die 40 Euro monatlich zur Erfüllung des Vertrages nicht zu zahlen. Die Angeklagte erzählte eine ganz andere Geschichte: Ihr zufolge habe ihr Mitbewohner sie beauftragt, die Handys zu bestellen und sie ihr dann geschenkt. Der ursprüngliche Plan sei noch ein anderer gewesen: Die beiden Mobilfunktelefone hätten sicherstellen sollen, dass sie immer für ihren Mitbewohner erreichbar gewesen wäre. Vor Gericht behauptete sie, dass er ihr telefonisch nachgestellt und sie zuweilen regelrecht „gestalkt“ habe. Die Angeklagte räumte aber ein, dass tatsächlich sie die Geräte bestellt habe. Die Grundlage dafür war die umfassende Kenntnis der Daten ihres Mitbewohners – bis hin zur Kontoverbindung. „Ich habe der ja auch vertraut“, begründete der Zeuge diese Situation.

„Aussage gegen Aussage“-Situation

Neben den Mobiltelefonen sollte die 22-Jährige laut Anklage auch zwei Fernsehmonitore bestellt haben. „Damit habe ich gar nichts zu tun“, versicherte sie vor Gericht. Und der Zeuge konnte nur vermuten, dass sie die Geräte bestellt habe. Sein Vermieter überraschte das Gericht mit der Auskunft, er wisse, dass beide Geräte nach dem Auszug des ungleichen Paares in der Wohnung geblieben und von ihm verkauft worden seien.

Wer sie letztlich bestellt hatte, ließ sich nicht mehr aufklären. Und auch bei den beiden Handys sah Richter Thomas Kabus eine „Aussage gegen Aussage“-Situation: „Ich weiß nicht, wer die Wahrheit gesagt hat und wer nicht.“ Ihm – wie wohl allen Anwesenden - drängte sich der „Eindruck eines sehr diffusen Beziehungsgeflechts zwischen den Beteiligten“ auf. Vieles blieb unaufgeklärt, doch im Hinblick auf den unterstellten mehrfachen Betrug gab es am Ende eine recht klare Entscheidung: Die 22-Jährige wurde freigesprochen.

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