Coronavirus im MK

Not macht erfinderisch: Hobby-Näherinnen fertigen Schutzmasken an

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Janin Altun, Franziska Ihne und Elisabeth Gardemeier nähen zusammen mit Jeannine Riediger (nicht auf dem Foto) Atemschutzmasken.

Halver/Schalksmühle - Die Not macht erfinderisch. Erst recht in diesen Zeiten. Atemschutzmasken sind in der Corona-Krise schwer bis gar nicht mehr erhältlich. In Apotheken waren sie schon vor Wochen ausverkauft.

Jetzt leiden auch Menschen, die in allen Bereichen der Pflege arbeiten, darunter. Doch ohne Maske können sie ihren Job nicht machen. Weil der Lüdenscheider Arzt Dr. Christoph Mohler öffentlich diese Not an Masken beklagte und sagte, dass das Nierenzentrum ohne Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel schließen würde, hatte die Halveranerin Franziska Ihne eine Idee. 

Zum einen hatte sie noch 20 Flaschen Desinfektionsmittel, weil ihre Großmutter gepflegt werden muss, übrig. Sofort brachte sie diese Vorräte nach Lüdenscheid. Mit dabei auch die Idee, für die Mitarbeiter Schutzmasken zu nähen. „Ich habe Dr. Mohler gefragt, was er davon hält“, sagt Ihne. Er nahm das Angebot dankend an, musste aber zunächst mit der Leitung des Nierenzentrums darüber sprechen.

Die Töchter von Franziska Ihne, zwei und drei Jahre alt, halten sie auf Trab. Oft nehmen sie die Klammern von den Stoffen ab (Foto) und spielen damit.

Am Dienstag dann die Zusage und eine Bestellung von 50 Masken bei der Halveranerin. „Ich bin so froh, helfen zu können“, sagt sie. Insgesamt gibt es 300 Bestellungen. Gemeinsam mit den drei weiteren befreundeten Hobby-Näherinnen näht sie nun fleißig Masken. Das Team bilden neben ihr Janin Altun, Jeannine Riediger und Elisabeth Gardemeier – mit dabei auch noch zwei weitere Helferinnen, die die Stoffe bügeln und zuschneiden. Sie nähen nicht nur für das Nierenzentrum. Auch für viele andere Praxen und Privatpersonen, die zur Risikogruppe gehören.

Alle nähen alleine in ihrer Wohnung

Vor dem Kontaktverbot, das seit Montag gilt, trafen sich die Näherinnen Zuhause. „Da haben wir wie am Fließband gearbeitet“, sagt Franziska Ihne. „Jetzt stellen wir uns die Masken gegenseitig vor die Tür.“ Die vier Halveranerinnen nähen nun alle alleine in ihren Wohnungen. Bei Franziska Ihne gar nicht so leicht. Ihre beiden Töchter, zwei und drei Jahre alt, halten sie mächtig auf Trab. 

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Als auf einmal die Schneiderschere weg war, wurde sie kurz panisch. Ihre älteste Tochter hat sich die Haare geschnitten. „Der Pony ist jetzt ab“, sagt sie und lacht. „Aber sieht ja momentan eh keiner.“ Anekdoten und Geschichten, die sie ihrer Tochter wohl noch in vielen Jahren erzählen wird, wenn die Corona-Krise Geschichte ist. Für eine Maske braucht sie zwischen 20 und 30 Minuten. Genäht werden sie aus Baumwollstoffen. Über Stoff- und Garnspenden freue sie sich immer, sagt sie für sich und ihre Freundinnen. 

Masken in verschiedenen Mustern fertig Corinna Dietz in Schalksmühle.

Auch in Schalksmühle ist das Engagement, Masken zu nähen, zum Leben erweckt worden. Corinna Dietz hat damit am Wochenende angefangen. Von der Idee hat sie in einer Nähgruppe das erste Mal gehört. Erst sei dieses Thema jedoch auf Ablehnung gestoßen, weil Vorgaben und Hygienevoraussetzungen nicht erfüllt werden könnten. Doch jetzt wird selbst Ärzten vom Hausärzteverband geraten, sich Masken selbst zu nähen, wenn sie keine kaufen können, sagt Dietz. 

"Die Nachfrage ist riesig"

Und jetzt? „Ist der Tag viel zu kurz“, sagt die Schalksmühlerin. „Die Nachfrage ist riesig.“ Hunderte Bestellungen gehen bei ihr ein. Sie näht von 7 bis 23 Uhr. Ihre Töchter, sieben und 16 Jahre alt, helfen fleißig mit. Weil Schrägbänder zu teuer wären, fertigt sie diese einfach selber an. „Meine Tochter hat schon 140 Meter Schrägband gemacht“, sagt sie. Für eine Maske werden rund zwei Meter benötigt. Und viel mehr ist noch nötig, um den Bestellungen gerecht zu werden. Sie kommen von Arztpraxen aller Art, dem Therapiezentrum Volmetal, Bestattungsunternehmen, Tierärzten und der Caritas. Per Post gehen die Masken dann an das Personal im Märkischen Kreis und ganz Deutschland. 

20 bis 30 Minuten brauchen die Hobby-Näherinnen in Halver im Schnitt für eine selbst genähte Atemschutzmaske.

„Es ist erschreckend, wenn man liest, wie viele darauf angewiesen sind“, sagt Corinna Dietz. Sie hilft, wo sie kann. Die große Dankbarkeit sei überwältigend. Auch sie näht nur für Personen, die wirklich auf eine Maske angewiesen sind. Und dann auch nur für den Tagesbedarf. Denn „die Masken kann man wiederverwenden“. Nach dem Gebrauch muss man sie dafür nur fünf Minuten abkochen, trocknen lassen und dann sind sie 

Unterstützung ist erwünscht

Bei Bedarf können Sie sich bei den Näherinnen melden. Beachten Sie, dass nur Praxen und Personen aus Risikogruppen bedient werden können. Sonst ist die Nachfrage nicht zu decken. Im besten Falle schreiben Sie eine Nachricht an die unten stehenden Telefonnummern mit dem Grund und der benötigten Mindest-Anzahl. Anrufe können nur bedingt angenommen werden. Wer mitmachen möchte oder kochfesten Baumwollstoff spenden kann, kann sich über Facebook melden. 

Alle Informationen zum Coronavirus im MK gibt es in unserem News-Ticker.

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