Unfall vor Gericht

Unterwegs auf Funken sprühender Felge - Medikamente beeinflussen Fahrerin

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Schalksmühle/Lüdenscheid - Ein weites Feld sind die Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit durch Medikamente. Darum geht es bei einem Fall mit einer 61-jährigen Frau aus Schalksmühle.

Das Strafgesetzbuch nennt neben Alkohol und Drogen „andere berauschende Mittel“, die das sichere Führen eines Fahrzeuges verhindern. Relevant wird die Einnahme von Medikamenten zumeist erst dann, wenn das Fahrverhalten eines Autofahrers Rückschlüsse auf solche Einschränkungen nahelegt. 

So fand sich eine völlig unbescholtene Schalksmühlerin (61) unversehens auf der Anklagebank des Amtsgerichts Lüdenscheid wieder. Zeugen hatten beobachtet, wie sie am 12. April 2019 zunächst ein Mäuerchen touchiert hatte und anschließend mit einem platten Reifen und einer Funken sprühenden Felge zum Friseur gefahren war. 

Beschädigte Felge nicht bemerkt

Nach dem Zusammenstoß mit dem oberflächlich am Putz beschädigten Mäuerchen habe sie sich gedacht, „das ist nicht so schlimm“, erklärte die Angeklagte. Die Beschädigung an der Felge habe sie nicht gesehen. Offenbar war diese erst durch den beschädigten Reifen und ihr unverdrossenes Weiterfahren verursacht worden. „Ich weiß nicht, wie das passiert ist.“ 

Die Analyse einer ihr bald nach der Fahrt entnommenen Blutprobe wies ein starkes Schmerzmittel und ein Antidepressivum nach. Mit ihren Ärzten habe sie immer mal wieder geklärt, dass sie dennoch Auto fahren dürfe, versicherte die 61-Jährige. „Ich hatte noch keinen Unfall.“ Der zu Rate gezogene toxikologische Gutachter gab ihr Rückendeckung: Berauschend seien die von der Angeklagten eingenommenen Medikamente nur bei missbräuchlicher Einnahme. Die gefundene Konzentration habe keinen Zustand zur Folge gehabt, in dem die Medikamente als „andere berauschende Mittel“ gewirkt hätten. Denkbar sei allenfalls eine Wechselwirkung der beiden Medikamente. 

Vorsichtig müsse der Patient als Autofahrer vor allem bei einer neuen Verschreibung sein: „Zwei bis vier Wochen lang muss man besonders aufmerksam sein“, erklärte der Experte. Hoher Blutdruck und eine Diabeteserkrankung seien zusätzliche Risikofaktoren, die man im Blick haben müsse. 

Unwahrscheinliche Nebenwirkungen

Die 61-Jährige hatte ihre Medikamente allerdings schon über einen langen Zeitraum hinweg eingenommen. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass plötzliche solche Nebenwirkungen auftreten.“ Und so verwies Richter Thomas Kabus auf „die berühmte Tagesform“, die auch bei anderen Autofahrern zu weit schlimmeren Fahrfehlern führen kann. Zwar trug der Staatsanwalt vor, dass die Angeklagte nach dem Unfall an der Mauer „hätte erkennen müssen, dass sie fahruntüchtig war“. Aber auch er stimmte einer Einstellung des Strafverfahrens zu.

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