Handgreiflicher Familienstreit endet vor Gericht

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Halver - Mit einem eskalierten Familienstreit hatte es jetzt die Richterin im Amtsgericht Lüdenscheid zu tun. Auf der Anklagebank saß eine 54 Jahre alte Frau aus Halver.

Das Geschehen nimmt am 21. August vergangenen Jahres seinen Anfang, als die Angeklagte mit ihrer Schwester den Vater im Krankenhaus besucht. Dort verweigert das Personal Auskünfte zum Gesundheitszustand des Patienten. Diese, so erfahren die beiden Frauen, würden nur dem Stiefbruder der Angeklagten mitgeteilt. 

Darüber erzürnt, begeben sich die beiden Schwestern zum Stiefbruder. Nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung, bei denen sich die Parteien gegenseitig beleidigen, verweist der Stiefbruder die Frauen seines Grundstücks. 

Dann aber gerät die Situation außer Kontrolle. Die Angeklagte packt die Frau ihres Stiefbruders am Oberkörper und versucht, sie über den etwa 80 Zentimeter hohen Jägerzaun zu zerren. Sofort greift der Stiefbruder ein, verhindert Schlimmeres. Im Gehen dreht sich die Angeklagte noch einmal um, hebt einen Stein vom Boden auf und wirft ihn in Richtung des Kopfes ihres Stiefbruders. Der 53-Jährige weicht reflexartig aus, sodass das Geschoss den Mann knapp verfehlt. Seine Frau trägt Prellungen an Knie und Schulter davon und zieht sich eine Schürfwunde zu. Bis heute habe sie Schmerzen in der Schulter, erklärte die Geschädigte im Gerichtssaal. 

Die Angeklagte schüttelte hingegen während der Aussage immer wieder den Kopf, redete auch einmal dazwischen. Zuvor hatte die Halveranerin die Vorwürfe abgestritten. Die Geschädigte habe sie beleidigt und sei dann mit erhobenen Fäusten hinter ihr her. Sie habe der Frau nur über den Zaun am Arm gepackt, um sie auf Abstand zu halten. Gezogen habe sie jedenfalls nicht. Und von einem Stein wisse sie auch nichts. „Gut, ich habe etwas gesagt, das ich nicht hätte sagen sollen“, räumte die Geschädigte eine gewisse Provokation ihrerseits ein. Das rechtfertige aber keinen Angriff der Angeklagten, stellte die Richterin klar. 

Für sie stand fest, dass sich entgegen der Aussage der Halveranerin alles so ereignet hatte, wie in der Anklageschrift beschrieben. Davon sei sie aufgrund der Angaben des Stiefbruders und dessen Frau sowie der Aussage eines Augenzeugen, der den Vorfall vom Fenster aus beobachtet hatte, überzeugt. Vorbestraft ist die 54-Jährige nicht. Ein Umstand, der sich letztlich positiv auf die Urteilsfindung auswirkte. Während der Verteidiger der Frau einen Freispruch für seine Mandantin forderte, verurteilte die Richterin die Halveranerin wegen Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 600 Euro.

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