Fraktionsspitzen begrüßen Gaucks Kandidatur

HALVER ▪ Als Michael Kortmann im September des vergangenen Jahres Joachim Gauck kennenlernte, war das Amt des Bundespräsidenten für den einstigen DDR-Bürgerrechtler noch weit weg: Christian Wulff war noch im Amt, ein baldiger Rücktritt ausgeschlossen.

Und doch klingen die Worte des Halveraner FDP-Fraktionsvorsitzenden, die er damals an Gauck richtete, aus heutiger Sicht wie eine Prophezeiung: „Sie werden noch Bundespräsident“, sagte Kortmann damals zu Gauck.

Der voraussichtlich nächste Bundespräsident war im September auf Einladung der Sparkasse im Lüdenscheider Kulturhaus zu Gast. Zu dem kurzen Aufeinandertreffen kam es, als Michael Kortmann ein Buch von Gauck signieren lassen wollte. „Doch diese Aussage traf ich eher mit Blick auf die künftige Zusammensetzung der Bundesversammlung nach Wulffs normaler Amtszeit“, betont Michael Kortmann. „Dass sie sich so schnell bewahrheiten sollte, war nicht absehbar“. Der Auftritt Joachim Gaucks im Rahmen der Sparkassen-Veranstaltung genügte indes, um nicht nur Michael Kortmann von den Fähigkeiten des 72-Jährigen zu überzeugen. Wie der Liberale, der insbesondere die Eloquenz Joachim Gaucks schätzt, war auch SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Brosch im Kulturhaus zu Gast, als Gauck unter anderem über die hohe Bedeutung des Engagements jedes Einzelnen in der Gesellschaft sprach. „Ein toller, interessanter Mann“, sagt Brosch, der die überparteiliche Einigung auf einen Präsidentschaftskandidaten für eine gute Voraussetzung der kommenden Amtszeit hält. „Allerdings hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass die CDU es hinbekommt, sich für Gauck auszusprechen“, so der Halveraner Sozialdemokrat.

Peter Starke, Fraktionsvorsitzender der Halveraner CDU, deutet das Umschwenken auf den einst abgelehnten Kandidaten eher als Stärke Angela Merkels: „Das lag wohl eher an einer zeitlichen Unstimmigkeit mit der FDP, die etwas vorschnell ihr Urteil gefällt hat.“ Durchaus habe er sich auch andere überparteiliche Kandidaten vorstellen können, „aber dass es nun Joachim Gauck ist, finde ich in Ordnung“, so Starke weiter. Auch Werner Lemmert, Fraktionsvorsitzender der UWG, begrüßt die am Sonntagabend getroffene Entscheidung pro Gauck. „Ich glaube, dass er ein guter Mann ist. Seine Argumentation in der Pressekonferenz hat mir schon sehr gut gefallen.“ Und Karl-Friedrich Osenberg von Bündnis 90/Die Grünen hätte Joachim Gauck bereits bei der letzten Bundespräsidentenwahl seine Stimme gegeben: „Er ist ein Mann, der als Instanz Impulse setzen kann.“ ▪ Frank Zacharias

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