Strafe für „Dickpics“

Fotos vom besten Stück werden 47-Jährigen zum Verhängnis

Mann verschickt unangebrachte Bilder an Frauen.
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Mann verschickt unangebrachte Bilder an Frauen.

Ein Mann verschickt unangebrachte Fotos an Frauen. Darauf zu sehen ist sein bestes Stück - und das wurde ihm nun zum Verhängnis.

Halver/Lüdenscheid – Auf erstaunliche Größe ist der Artikel „Dickpic“ in der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ angewachsen. Er erklärt, worum es sich bei diesem Objekt handelt: „Ein Dickpic ist ein umgangssprachliches partielles Kurzwort für ein Penisbild (üblicherweise mit Abbildung des männlichen Gliedes im erigierten Zustand).“ Solche Bilder schicken Männer per Post, über das Internet oder soziale Medien an Frauen, die nicht darum gebeten haben. Eine letzte Änderung des Wikipedia-Artikels datiert vom 14. Juni 2021 – das Phänomen und seine Erklärungsbedürftigkeit scheinen also noch anzuwachsen.

In entsprechenden Umfragen berichten etwa 40 Prozent aller Frauen, dass sie solche Bilder schon einmal bekommen haben. Im deutschen Recht stellt das unaufgeforderte Versenden solcher Bilder als „unerlaubte Verbreitung pornografischer Schriften“ eine Straftat dar, die mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden kann.

Eine Frau war minderjährig

Dass es sich dabei um wirkliche Vorgänge handelt, machte ein Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid deutlich: Auf der Anklagebank hätte ein 47-jähriger Mann aus Halver sitzen sollen, dem das Versenden von „Dickpics“ in sechs Fällen vorgeworfen wurde. Am schwersten wog die Post an eine junge Frau unter 18 Jahren. Ihr hätte der Angeklagte auch dann kein solches Bild schicken dürfen, wenn sie –erstaunlicherweise – darum gebeten hätte.

Der Halveraner verzichtete allerdings darauf, drei der Adressatinnen seiner über Facebook und Instagram verschickten Bilder persönlich kennenzulernen. Für das Date im Amtsgericht waren sie eigens aus Dortmund, Siegen und Schalksmühle angereist. Die Zeugin aus der Nachbarschaft im Tal der Volme hatte ein interessantes Unterhaltungsprogramm mitgebracht: Sie schilderte den Prozessbeteiligten und den beiden weiteren Zeuginnen in immer neuen Anläufen, über wie viele Ecken sie mit dem Angeklagten verwandt oder doch wohl eher sehr kompliziert verschwägert war. Das Drumherum des ihr zugesandten Bildes hätte sie deshalb möglicherweise wiedererkannt. Üblicherweise beschränken sich diese Fotos aber auf „sein“ – schlimmstenfalls – bestes Stück, und lassen den Rest des Kerls einfach weg.

Etwa 1000 Frauen haben Fotos bekommen

Bei der Polizei soll der Halveraner durchaus geständig gewesen sein und zugegeben haben, dass er Ende 2020, Anfang 2021 „ziemlich wahllos“ an etwa 1000 Frauen solche Bilder geschickt habe – eine merkwürdige Werbemaßnahme in eigener Sache. Vorläufige schriftliche Urteile gegen abwesende Angeklagte, die auf Antrag des Beschuldigten vor Gericht noch überprüft werden können, heißen Strafbefehle.

Richter Andreas Lyra verzichtete darauf, den Angeklagten bei Gelegenheit noch persönlich im Gerichtssaal kennenzulernen, und brachte stattdessen einen solchen Strafbefehl auf den Weg. 120 Tagessätze zu je 15 Euro summierten sich zu einer Geldstrafe von 1800 Euro.

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