Export droht wegzubrechen

Warum das Coronavirus eine Gefahr für heimischen Forstbetrieb ist

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Durch den Sturm „Sabine“ sind zwischen 500 und 1000 Festmeter Holz dazu gekommen. Nicht so viel, wie erwartet, aber das setzt dem Ganzen noch ein i-Tüpfelchen auf, sagt Förster Ulrich Ackfeld.

Was haben der heimische Wald und das Coronavirus miteinander zu tun? Im vergangenen Jahr wurden allein 8000 Festmeter Fichtenholz nach China geschifft. Doch der größte Abnehmer des Holzes droht jetzt wegzubrechen.

Halver - Das Coronavirus ist in den heimischen Wäldern angekommen. Die Krankheit betrifft den Wald indirekt – und heftig. 8000 Festmeter Holz, was etwa 40 Prozent der Gesamtfläche entspricht, wurden 2019 aus den Halveraner Wäldern nach Übersee verfrachtet. Holz, das vom Borkenkäfer befallen war und abgeholzt werden musste.

„Der Export war unser Hoffnungsschild“, sagt Förster Ulrich Ackfeld vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland. Doch das Verschiffen stockt jetzt aufgrund des Coronavirus. Den Häfen in China droht die Schließung. Aufgrund des eingeschränkten Warenaustausches werden Containerkapazitäten knapp. „Daran sieht man mal, wie verzahnt das alles ist.“ 

i-Tüpfelchen durch Sturm-Holz

Durch das Orkantief „Sabine“ sei zum Glück nicht so viel Holz dazugekommen, wie zunächst befürchtet. Aber das zusätzliche Sturm-Holz setzte dem Ganzen noch ein i-Tüpfelchen auf. „Wir haben keine Chance mehr, hinterherzukommen“, sagt der Förster. „Es ist einfach kein Ende in Sicht.“ Noch immer liege eine „riesige Menge“ Holz, die verkauft werden muss, bereit. Von rund 500 bis 1000 zusätzlichen Festmetern, die dem Sturm zum Opfer fielen, geht Ulrich Ackfeld nun aus. Mehr könnte noch dazukommen. 

„Die Bäume waren alle in Bewegung“, sagt er. Kleine Wurzeln seien höchstwahrscheinlich gerissen. Auch, wenn der Baum noch stehe, könne selbst ein kleiner Windstoß ihn zu Fall bringen, sagt Ackfeld. Mit der Zeit reparieren die Bäume die entstandenen Wurzelschäden. Aber das dauert seine Zeit. Im gesamten Forstgebiet, das 70 Quadratkilometer umfasst, sind Bäume umgefallen. Meist nur vereinzelt, an manchen Stellen flächenweise, wenn auch in einem kleinen Ausmaß. 

Noch keinen kompletten Überblick

Einen kompletten Überblick habe er noch nicht. Dafür ist das Gebiet zu groß und jeden Waldweg können sie nicht abgehen. Klar ist jedoch, dass die Bäume weg müssen. Denn sie sind die zukünftigen Brutplätze für die zur Zeit „schlummernden“ Borkenkäfer: „Sie warten nur auf wärmeres Wetter“. Hätten nicht so viele Bäume wegen des Borkenkäfers abgeholzt werden müssen, hätte man über „Sabine“ nur gelächelt, sagt Ulrich Ackfeld. Aber durch das flächenweise Fällen sind Bäume, die vorher geschützt standen, Stürmen ausgeliefert. 

So müsse man sich einen Wald wie ein Segel vorstellen, das im Wind weht – und standhält. Sind die Bäume weg, trifft der Wind mit voller Kraft auf die Bäume. Daher fällt auf, dass auch gerade dort Bäume entwurzelt oder gebrochen sind, wo nebenan eine Fläche Käferholz abgeholzt wurde. „Das macht mir das Leben nur noch schwerer.“ Noch laufe der Transport. Aber die Container werden immer teurer. „Und dann bleibt nichts mehr vom Verkauf für die Waldbesitzer übrig“, sagt Ackfeld. Schon bald wird nichts mehr möglich sein. Aber „auf Dauer brauchen wir den Export“. Daher hofft der Förster auf baldige Entwarnung, was das Coronavirus betrifft.

Suche nach Lagerflächen

Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Halver, ein Zusammenschluss aller Waldbesitzer in Halver, sucht noch befestigte Lagerflächen für Holz so groß wie ein bis zwei Fußballfelder. Wer dabei helfen kann oder Hinweise hat, kann sich unter Tel. 0 23 53/1 26 63 bei Astrid Becker melden. Sie ist die hauptamtliche Geschäftsführerin der FBG Halver und nimmt die Angebote entgegen.

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