Pilze: Essen kann man alle – aber manche nur einmal

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Auch Förster Ulrich Ackfeld muss lange suchen, um überhaupt noch Pilze zu finden. Die meisten essbaren Exemplare sind abgeerntet. Selbst ungenießbare oder sogar giftige Arten, wie dieser Fliegenpilz, werden von manchen Sammlern irrtümlich abgeknickt.

HALVER -  „Echte ,Pilzbanden‘, von denen in den vergangenen Wochen regelmäßig berichtet wurde, habe ich hier noch nicht gesehen“, sagt Förster Ulrich Ackfeld und lenkt seinen Geländewagen über die schlammige Schotterpiste tiefer in den Wald.

Blickt dabei immer wieder suchend aus dem Fenster. „Aber andere Sammler waren sehr aktiv. Entlang der Wege findet man kaum noch etwas, man muss schon sehr tief in den Wald, um noch Pilze zu entdecken.“ Unvermittelt stoppt er seinen Wagen, steigt aus und klettert über die Straßenböschung in den Wald.

„Auch hier sind wir etwas zu spät gekommen“, sagt der Förster und zeigt auf einige umgeknickte Pilze, die sich durch den moosbedeckten Boden gekämpft haben. „Wenn sich Sammler nicht sicher sind, knicken sie die Fruchtkörper einfach ab, um unter die Kappen zu schauen. Viele Speisepilze kann man erst so erkennen“, erklärt er.

Den Boden absuchend geht er weiter in den Wald, deutet auf mehrere Stellen, wo nur noch abgeschnittene Stümpfe zeigen, dass dort einmal Pilze standen. „Alles abgeerntet, die Saison ist beinahe zu Ende und in diesem Jahr waren unglaublich viele Pilzsucher unterwegs“, fasst Ackfeld zusammen.

Dass es ein gutes Saison würde, habe sich schnell herumgesprochen. „Ich habe fast täglich Sammler getroffen und sie kamen von überall her, viele aus den Städten des Ruhrgebiets“, erzählt der Halveraner. „Funde wie dieser“, er zeigt auf einige Pilze an einem verrottenden Baumstamm, „sind wirklich selten geworden.“ Ein Hallimasch, „ein sehr beliebter Speisepilz“, erklärt der Förster.

„Einige Pilzsucher hatten schon sehr große Körbe dabei“, meint Ackfeld. „Viele sind überrascht, wenn ich sie darauf hinweise, dass nur eine bestimmte Menge für den eigenen Verzehr gesammelt werden darf.“ Und mit einem bis zwei Kilogramm Pilzen sei diese Menge nicht einmal gering gewählt. Die Sammler seien schon früh morgens in den Wäldern unterwegs gewesen, hätten fast systematisch nach den Fruchtkörpern der eigentlich unterirdisch wachsenden Pilze gesucht.

„Aber Banden, die in Kolonnen durch die Wälder ziehen, habe ich noch nicht gesehen“, sagt Ackfeld. Vor einigen Jahren habe er mal einen verdächtigen Pritschenwagen beobachtet, die Sammler habe er aber nicht dingfest machen können. Kriminalisieren möchte er niemanden: „Wenn jemand von den privaten Sammlern etwas mehr aufliest, als er eigentlich darf, weise ich ihn darauf hin“, meint der Förster. Angezeigt habe er aber noch niemanden.

Er ärgert sich nur über die Pilzsucher, die die Fruchtkörper einfach herausreißen. So würde auch das unterirdische Myzel, der eigentliche Pilz, beschädigt. Besser sei es, die Fruchtkörper mit einem scharfen Messer abzuschneiden.

Für die Pilzsammler, die trotz der fortgeschrittenen Saison noch ihr Glück versuchen wollen, kann Ulrich Ackfeld auch nur die bekannten Ratschläge wiederholen: Nur Pilze sammeln die bekannt sind, unbekannte Exemplare im Zweifel stehen lassen. Denn zu beinahe jedem Speisepilz gebe es auch ein giftiges Gegenstück, mahnt der Förster und erinnert an die nicht ganz so ernst gemeinte Pilzsammlerweisheit: „Essen kann man sie alle – aber manche eben nur einmal.“

Von Sebastian Berndt

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