Förderschule wird zum Heim für 150 Flüchtlinge

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In der ehemaligen Schule an der Susannenhöhe werden 150 Flüchtlinge untergebracht.

Halver -  Die Ereignisse überschlagen sich: Eigentlich wollte die Stadt das Gebäude der ehemaligen Förderschule an der Susannenhöhe für die Unterbringung von zugewiesenen Flüchtlingen nutzen. Das ist hinfällig: Denn der Märkische Kreis muss ab Freitag insgesamt 400 Flüchtlinge unterbringen.

Im Ex-Schulgebäude in Halver werden 150 Menschen vorübergehend ein neues Heim finden.

In der Kreisverwaltung war am späten Dienstagabend eine E-Mail der Bezirksregierung eingegangen, mit der Aufforderung, kurzfristig 400 Flüchtlinge unterzubringen. Um 22 Uhr traf in der Halveraner Stadtverwaltung eine E-Mail aus Lüdenscheid ein, mit der Bitte, in dem Schulgebäude mehr als ein Drittel der angekündigten Asylbewerber (150) unterzubringen – und dies kurzfristig.

Eine Vollzugsmeldung, so Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, müsse bis Freitag um 11 Uhr bei der Bezirksregierung erfolgen. Die Unterkünfte für die Flüchtlinge müssten dann ab 16 Uhr zur Verfügung stehen.

Das Vorhaben der Stadt, in dem ehemaligen Schulgebäude 60 bis 70 zugewiesene Flüchtlinge unterzubringen, ist damit ebenfalls hinfällig geworden. Die Überlegung dazu war aufgekommen, weil voraussichtlich in dieser Woche die vorhandenen Aufnahmekapazitäten in Halver erschöpft sind. „Wir müssen jetzt schnell handeln“, hatte Stadtkämmerer Markus Tempelmann noch vor Eintreffen der E-Mail gesagt.

Die Zahl der Zuweisungen war von fünf pro Woche über sieben bis acht auf 13 gestiegen. Etwa 200 Asylbewerber hatte man aufgrund früherer Einschätzungen in Halver am Ende dieses Jahres erwartet. Diese Zahl lasse sich schon jetzt nicht mehr halten, hatte Verwaltungsmitarbeiter Kai Hellmann am Dienstagmittag noch abgewunken und sich gleichzeitig froh darüber gezeigt, über das Schulgebäude verfügen zu können.

Nach der Mitteilung vom Märkischen Kreis werden am Freitagnachmittag 300 Flüchtlinge in Halver und alle Unterbringungsmöglichkeiten belegt sein. Nach bisheriger Regelung, so Tempelmann, würden die Flüchtlinge an der Susannenhöhe angerechnet. Es gebe vorerst keine weiteren Zuweisungen. „Aber wenn noch einmal so viele Flüchtlinge kommen, sind wir wieder dabei!“

Die Stadt wird also die ehemaligen Klassen- und Lehrerräume an der Susannenhöhe nicht zu Wohnungen, Gemeinschaftsraum und -küche sowie sanitäre Einrichtungen umbauen müssen. Die Herrichtung der Räume liegt nun im Zuständigkeitsbereich des Kreises, der sich ebenfalls um alle anderen relevanten Dinge, wie zum Beispiel Sicherheitsdienst, kümmern wird. Dankbar sei man aber dafür, so der Kreispressesprecher, dass sich Bürgermeister Dr. Bernd Eicker um die Benachrichtigung der Anwohner kümmern. Zumal der Einsatzstab, der gestern Morgen im Kreishaus gegründet wurde, sich auch um die Sporthalle am Raithelplatz in Lüdenscheid – dort sollen ebenfalls 150 Flüchtlinge untergebracht werden – kümmern muss. Die Suche nach weiteren Unterkünften für 100 Asylbewerber, so Hendrik Klein, laufe auf Hochtouren.

In der ehemaligen Schule an der Susannenhöhe steht glücklicherweise Mobilar wie Tische, Stühle, Schränke und Kochplatten zur Verfügung. Was Verwaltungsmitarbeiter Kai Hellmann veranlasst hatte zu sagen: „Wir können das Gebäude mit verhältnismäßig geringem Aufwand für die Flüchtlingsunterbringung herrichten.“ Jetzt muss sich Hellmann schon einmal darüber Gedanken machen, wo er Wohnungen beziehungsweise Häuser findet, in denen Asylbewerber untergebracht werden können – wenn die Zuweisungen eines Tages wieder einsetzen sollten.

Dankbar ist der Verwaltungsmitarbeiter, zu dessen Aufgabenbereich auch Sprachunterricht und Beschulung (von Kindern) zählen, über die große Unterstützung der Flüchtlingshilfe Halver. „Die Flüchtlingshilfe ist ein Pfund“, hofft Hellmann, dass sie mithelfen werden, auch die neue große Herausforderung von 150 Flüchtlingen in der ehemaligen Schule an der Susannenhöhe zu meistern.

Unabhängig davon ist ein Spendenaufruf: Denn es werden (funktionstüchtige) Kühlschränke, Waschmaschinen und Elektroherde benötigt. Wer so etwas spenden und zur Verfügung stellen kann, sollte sich im Rathaus bei Verwaltungsmitarbeiter Frank Kalinowski, Telefon 0 23 53/7 31 51, melden.

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