Ein starkes Team: Die Flüchtlingshilfe Halver

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Der Vorstand der Flüchtlingshilfe Halver: Kassierer Norbert Schrage (links), die zweite Vorsitzende Heidi Diebschlag und der erste Vorsitzende Friedhelm Pawlofsky.

Halver - „Wir können die große Politik nicht beeinflussen. Aber wir können in Halver für eine gute Atmosphäre sorgen. Eine Atmosphäre, in der Flüchtlinge die Möglichkeit haben, gut zu leben und akzeptiert zu werden“, sagt Norbert Schrage, Kassierer bei der Flüchtlingshilfe Halver. Er und seine Mitstreiter arbeiten jeden Tag daran.

15 Vereinsmitglieder und etwa 25 bis 30 Helfer rund um die Vorstandsmitglieder Friedhelm Pawlofsky (Vorsitzender), Heidi Diebschlag (zweite Vorsitzende) und Norbert Schrage helfen, wo Bedarf ist: Fahrten ins Klinikum Hellersen, zur Registrierung ins 95 Kilometer entfernte Bad Berleburg oder nach Halver und Umgebung, um Spenden einzusammeln – dies ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was die Mitglieder der Flüchtlingshilfe an Aufgaben bewältigen. Weitere Felder: Pflege der Homepage, Überblick über die Finanzen und Sprachunterricht: „Das arabische Schriftbild beinhaltet unsere Buchstaben überhaupt nicht. Das heißt, wir fangen erst einmal damit an, das Alphabet zu lernen“, sagt Diebschlag. Viele Flüchtlinge müssten daher beim Ausfüllen von Anträgen begleitet werden. Dies könne kein Dauerzustand sein, für den Vorstand steht fest: „Integration funktioniert nur über Sprache – oder gar nicht.“ Wer macht was? Die Koordinierung der Aufgaben ist wichtig und läuft meist über Heidi Diebschlag – oft sind Improvisationstalent, Schnelligkeit und Spontaneität gefragt. Zum Beispiel, wenn wenn es darum geht, Spenden abzuholen: Wer hat Zeit zu fahren? Wer kann welches Fahrzeug zur Verfügung stellen? Wie viele Helfer kann ich organisieren? Die letzte Frage lässt sich meist schnell beantworten: „Unter den Flüchtlingen stehen immer bereitwillige Helfer zur Verfügung“, sagt Diebschlag. Pawlofsky bestätigt: „Wenn wir Wohnungen einrichten, dann streichen und tapezieren wir gemeinsam mit den Flüchtlingen.“ Die Art und Weise der Hilfe werde sich verändern, sobald der Flüchtlingsstrom abgenommen habe, meint der Vorsitzende. Dann werde es nicht mehr um die Beschaffung von Möbeln gehen, sondern darum, wie man die Flüchtlinge dauerhaft in die Gesellschaft integriert, meint Pawlofsky.

Arbeiten gehen Hand in Hand

Positiver Aspekt ihrer Tätigkeit: Die gute Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Ob Märkischer Kreis, die Stadt Halver, das Jugendzentrum um Leiter Arndt Spielmann oder die heimischen Religionsgemeinschaften. Die Kooperation verlaufe vorbildlich und problemlos. Nicht nur an offizieller Stelle, sondern auch im Job, sagt Pawlofsky, der für eine Spedition arbeitet: „Wenn wir gerade ein Fahrzeug auf dem Hof stehen haben, das nicht genutzt wird, dann stellt mir mein Chef das Auto auf Anfrage auch für die Arbeit der Flüchtlingshilfe zur Verfügung.“ Diebschlag ergänzt: „Aus der Bevölkerung sind des öfteren Leute auf mich zugekommen und haben gefragt, wie sie helfen können. Das ist hervorragend.“ Wie viele Stunden die Vorstandsmitglieder und ihre Mitstreiter pro Woche investieren, um zu helfen, können sie nicht genau sagen. Jede Woche sei anders, nicht alles planbar, und die Tätigkeit „mit viel Zeit, Aufwand und Arbeit verbunden“. Unter den Flüchtlingen seien Menschen, die „im Moment einfach nur froh sind, irgendwo angekommen zu sein“. Andere hingegen würden schon konkrete Pläne verfolgen: Asylantrag stellen, Deutschkurse belegen und irgendwann eine Arbeit oder ein Studium aufnehmen. „Das ist wie in unserer Gesellschaft auch. Einige wissen genau, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, andere sind sich da noch nicht so sicher“, sagt Pawlofsky.

Ungewisse Zukunft – hier oder woanders

Für manchen Flüchtling sei die Zukunft momentan nicht immer planbar. Gibt es eine Zukunft in Deutschland oder einem anderen europäischen Land? Wenn ja, mit Familie? Oder gibt es die Chance, in ein paar Jahren ins Heimatland zurückzukehren? Fragen, die derzeit nicht beantwortet werden können.

Wie können die Bürger helfen?

Die Mitglieder der Flüchtlingshilfe sind ständig auf der Suche nach Verstärkung. Mitmachen könne jeder – zum eigenen Vorteil. Denn schneller, als während der Arbeit an der Basis, ließen sich mögliche Sorgen oder Ängste vor dem Thema „Flüchtlinge“ nicht abbauen. Pawlofsky rät: „Vorbeikommen und Kennenlernen! Ich glaube, dass die Bürger eher Angst vor der Zahl der ankommenden Flüchtlinge haben als vor einem einzelnen Flüchtling selbst.“ Ein Ort der Begegnung zwischen Halveranern und Flüchtlingen ist das Café International, das Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe in Zusammenarbeit mit den heimischen Kirchen organisieren. Es findet an jedem letzten Sonntag eines Monats von 15 bis 17 Uhr im Christus-König-Haus statt.

Informationen über die Flüchtlingshilfe

Interessierte können an jedem zweiten Mittwoch im Monat – das nächste Mal am 9. Dezember – ab 19 Uhr ins Bürgerzentrum kommen. Dort stehen die Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe als Ansprechpartner zur Verfügung. Pawlofsky ist überzeugt: „Diese Menschen sind nicht hilflos. Was wir machen, das ist Hilfe zur Selbsthilfe.“

Kontakt zur Flüchtlingshilfe:

Friedhelm Pawlofsky, Tel. 02353 / 66 15 65; Heidi Diebschlag, Tel. 02353 / 29 00; Norbert Schrage: Tel. 02353 / 12 750. Spendenkonto bei der Sparkasse Lüdenscheid; IBAN: DE 32 4585 0005 0000 4068 19

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