Flüchtlingsarbeit: Es fehlen Sozialarbeiter

Sylvia Olbrich, Bärbel Meyrich und Maria Plattfautt (v.l.) im Gespräch. Sie trafen sich gestern am Übergangsheim am Bahnweg.

Halver - Sylvia Olbrich, Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Kreisverband Mark, machte sich am Dienstag ein Bild von der Flüchtlingssituation in Halver. Ihr Fazit: „Hier sind alle sehr engagiert.“

Mehr als eine Stunde nahm sich Olbrich Zeit, als sie sich gemeinsam mit Thomas Gehring (Fachbereichsleiter Bürgedienste) sowie Bärbel Meyrich und Marita Plattfaut (beide von der Flüchtlingshilfe) das Übergangsheim am Bahnweg 6 in Halver anschaute.

Derzeit ist die Grünen-Politikerin im gesamten Kreisgebiet unterwegs, um sich von der Flüchtlingsarbeit in den Kommunen ein Bild zu machen. Ihr Ziel sei es, Ausbaupotenziale in der Flüchtlingsarbeit ausfindig zu machen und anhand von Schwächen aber auch Stärken in der Arbeit der einzelnen Kommunen einen Wegweiser für die Zukunft zu erstellen, machte Olbrich die Intention ihres Besuchs deutlich.

Dass in Halver derzeit vor allem dank der ehrenamtlichen Arbeit der Flüchtlingshilfe die Flüchtlingsarbeit deutlich an Fahrt aufgenommen hat, wurde Olbrich nicht zuletzt aufgrund der Ausführungen Meyrichs, Plattfauts und Gehrings schnell klar. 15 ehrenamtliche Bürger unterstützen derzeit regelmäßig die Männer, Frauen und Kinder in den Flüchtlingsunterkünften in Halver. So können derzeit allein sechs Sprachkurse angeboten werden.

Allerdings sind der ehrenamtlichen Arbeit Grenzen gesetzt. So hapere es in Halver weniger an dem Engagement der Bevölkerung und auch nicht an der Umsetzung der Erstversorgung, wenn Flüchtlinge in Halver ankommen sondern vielmehr an den langfristigen Aufgaben. „Wir sind Ehrenamtler und keine ausgebildeten Sozialarbeiter“, machte Meyrich klar. Man wolle vor allem die Akzeptanz der Flüchtlinge in der Bevölkerung erhöhen.

Für die intensive Arbeit sei auf Dauer die Unterstützung durch ausgebildete Sozialarbeiter unumgänglich. Angestellt werden müssten die dann von den jeweiligen Kommunen. „ Die Städte und Gemeinden werden in diesem Punkt sehr allein gelassen. Es ist ein gesellschaftliches Problem und nicht das einer Kommune. Es ist vor allem eine finanzielle Herausforderung“, betonte Gehring und wies auch auf die Zuständigkeit der Politik hin.

Bärbel Meyrich: „Wir können bei der Förderung der Kinder helfen, solange die Eltern motiviert sind.“ Schwierig sei es, wenn der Rückhalt der Eltern oder die Motivation der Flüchtlinge allgemein nicht vorhanden sei. Dann stoße das Ehrenamt an seine Grenzen. „Wir sind mittlerweile in der Realität angekommen, was die Flüchtlingshilfe anbelangt“, machte Meyrich deutlich. Und Sylvia Olbrich pflichtete bei: „Das Ehrenamt benötigt eine ständige professionelle Begleitung.“ Asylverfahren müssten schneller werden, das bedeute eine kompetente Bearbeitung durch ausreichendes Personal. „Egal, wo ich hin höre; der Personalmangel in der Flüchtlingsarbeit ist in allen Kommunen existent“, so Olbrich. Es ist eine Erkenntnis, um die die Grünensprecherin noch vor Beendigung ihrer Tour durch den Märkischen Kreis reicher ist. Nun heißt es also, Lösungsansätze zu erarbeiten.

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