Flüchtlinge möchten der Stadt etwas zurückgeben

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Gemeinsam für ein schöneres Stadtbild: Flüchtlinge und Helfer der Flüchtlingshilfe Halver reinigten die Blumenbeete entlang der Frankfurter Straße.

Halver - Sie wollen etwas zurückgeben, sich einbringen, einfach nur nützlich sein. Stunden-, ja gar tagelang sitzen sie in ihren Zimmern, vertreiben sich irgendwie die Zeit. Früher, da waren sie aktiv, konnten arbeiten, etwas für die Gesellschaft tun, wurden gebraucht. Doch dieses Leben gibt es nicht mehr. Die Flüchtlinge mussten es in der Heimat zurücklassen.

So groß die Trauer um den Verlust von Familie, Freunden und Heimat ist, so groß ist doch auch die Erleichterung, endlich in Sicherheit zu sein. Jetzt können die Flüchtlinge damit beginnen, das Erlebte aufzubereiten und ein neues Leben beginnen, auch, wenn noch ungewiss ist, ob ihre Anträge bewilligt werden. Doch das Leben in der Unterkunft am Bahnweg ist nicht leicht. „Sie müssen sich vorstellen, da leben bis zu vier Personen in einem Zimmer. Einen größeren Gemeinschaftsraum gibt es nicht. Auch die Umgebung bietet keine richtigen Ausweichmöglichkeiten an“, erklärt Bärbel Meyrich. Sie ist fast täglich in der Einrichtung. Zum einen, weil sie sich in der Flüchtlingshilfe Halver engagiert und zum anderen, weil sie den Flüchtlingen Deutsch beibringt.

„Der überwiegende Teil der Leute würde sich gerne einbringen“, sagt Meyrich. Und vor diesem Hintergrund entstand eine besondere Idee, die am Donnerstag kurzerhand in die Tat umgesetzt wurde. Zusammen mit Meyrich und weiteren Mitgliedern der Flüchtlingshilfe trafen sich die Flüchlinge an der Frankfurter Straße, um die Blumenbeete zu pflegen. „Ich habe überlegt, was man machen kann. Und da ich auch Mitglied der ZWAR-Gruppe bin, kam mir eine Idee. Wir unterhalten ein Beet unterhalb der Villa Wippermann. Mir ist aufgefallen, dass die umliegenden Beete nicht so top gepflegt sind. Ist ja klar, die städtischen Kräfte können das gar nicht alles leisten“, erklärt Meyrich. Das sei die ideale Aufgabe für die Flüchtlinge, die der Stadt etwas zurückgeben wollten.

Außerdem könne man mit dieser Aktion ganz nebenbei praktischen Deutschunterricht anbieten. „Wir bringen den Flüchtlingen Vokabeln rund um die Gartenarbeit bei. Das ist besonders für die wichtig, die beim Bauhof arbeiten“, sagt die Organisatorin.

Doch bis die Aktion beginnen konnte, mussten Meyrich und ihre Helfer einiges organisieren. Bereits am Morgen war sie beispielsweise beim Bauhof, um die Geräte abzuholen. Weitere Kleingeräte bekam die Hilfsorganisation von „Flora Wilhelm Förster“ gespendet. „Damit haben wir genug Material, um aus der einmaligen Aktion eine langfristige Maßnahme zu machen“, freut sich Meyrich.

Was Spenden betrifft, können sich Stadt und Flüchtlingshilfe auf die Halveraner verlassen. Der jüngste Aufruf, dass Pfannen und Töpfe gebraucht werden, war ein voller Erfolg, wie Frank Kalinowski von der Stadt berichtet. „Mein Büro gleicht derzeit eher einem Küchenstudio. Mehr als 100 Pfannen und Töpfe wurden gespendet“, freut er sich.

Doch noch wichtiger als Sach- seien Zeitspenden, wie Meyrich betont. „Vor allem für die Kinderbetreuung und die Freizeitaktivitäten bräuchten wir noch ehrenamtliche Helfer“, erklärt sie. Beispielsweise würden für Ausflüge Fahrer und Begleiter benötigt. „Fahrten in die Umgebung sind wichtig, damit die Flüchtlinge Deutschland kennenlernen und mal raus kommen und ihre Sorgen vergessen“, sagt Meyrich.

Jüngst organisierte die Flüchtlingshilfe einen Ausflug für Erwachsene und Familien ins Hagener Freilichtmuseum und für Kinder ins Wildgehege Mesekendahl. Aber auch Spaziergänge, um die neue Heimat ausgiebig zu erkunden, stehen regelmäßig auf dem Programm der Flüchtlingshilfe.

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