Flüchtling muss Kfz-Lehre abbrechen: Halveraner Unternehmer kämpft um Azubi

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Franck Turck mit der Akte Omar. Der Halveraner Unternehmer kämpft um "den besten Auszubildenden, den ich je hatte".

Halver - Was wird aus Omar? Diese Frage stellt sich in erster Linie für den jungen Nordafrikaner selbst. Sie stellt sich aber auch für seinen Halveraner Lehrherren Frank Turck.

Der selbstständige Kfz-Meister hat den jetzt 25-Jährigen in seinem Betrieb aufgenommen. Am 1. September begann Omar, wohnhaft in einem Übergangsheim in Lüdenscheid an der Schnappe, seine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker in Turcks Werkstatt. In Absprache und mit Genehmigung der Ausländerbehörde, wie Turck betont.

Vorzeige-Azubi mit Migrationshintergrund

„Omar würde die praktische Gesellenprüfung im ersten Lehrjahr bestehen“, ist sich Turck sicher. „Der beste Auszubildende, den ich bisher hatte“, sagt er. Das Lehrgangszeugnis sieht entsprechend prima aus: Fertigkeiten, Mitarbeit, Verhalten, Ordnung – alles Note gut, auch das Berichtsheft „geführt“, bescheinigt ihm das Berufsbildungszentrum des Handwerks. Ein Vorzeige-Azubi also, zudem mit Migrationshintergrund. Frank Turck hat seinen Schützling ins Herz geschlossen. Gelebte Integration in der kleinen Stadt im Sauerland. Es läuft also bei Omar und bei Frank Turck und in der familiär geführten Werkstatt an der Hermann-Köhler-Straße?

Die Wahrheit ist: Es läuft gar nichts mehr. Am 13. April, siebeneinhalb Monate nach Ausbildungsbeginn, nimmt Turck seinen Azubi aus der Zeiterfassung der Werkstatt. Es ist 11.16 Uhr an jenem Tag. Und Omar hat mit sofortiger Wirkung keine Ausbildung und keinen Arbeitsplatz mehr. Zusammen mit dem Chef war er am Vormittag bei der Ausländerbehörde im Lüdenscheider Kreishaus.

Drei Striche, sauber mit Kugelschreiber und Lineal gezogen, beenden seine bis Ende Februar 2021 laufende Ausbildungserlaubnis. Handschriftliche Anmerkung darunter: „Erwerbstätigkeit nicht gestattet.“ Dazu zwei Stempel. Damit ist Omar zurück in dem Heim an der Schnappe. Die Stadt Lüdenscheid kümmert sich jetzt wieder um ihn, um Wohnung und ein bisschen Geld zum Lebensunterhalt. Grundlage ist das Flüchtlingsaufnahmegesetz.

„Warum reißt man ihn da raus?“

Turck hätte ihn am liebsten nach Halver geholt. „Er hätte nicht mal uns Steuerzahler Geld gekostet.“ Auch dies geht Turck durch den Kopf. „Und warum erlaubt man ihm überhaupt, die Ausbildung zu beginnen, wenn man ihn da wieder rausreißt?“

Doch es gibt auch einen zweiten Teil der Geschichte. Und in der nimmt das Unheil nicht erst im April dieses Jahres seinen Lauf. Omar kam 2015 in dieses Land. Und er gab an, Algerier zu sein. Einen Pass gab es nicht, wie bei vielen, die in jenem Jahr nach Deutschland einreisten, auf welchen Wegen auch immer. In seinen provisorischen Papieren wird er als algerischer Staatsbürger geführt. Bloß: Algerien weiß von Omar nichts. Inzwischen sagt er, Marokkaner zu sein. Es gibt die Bestätigung in Form einer Geburtsurkunde. Die Behörde prüft zurzeit, ob das Papier echt ist. Das ist der aktuelle Stand.

Über Herkunft getäuscht

In der Zusammenfassung wird klar, dass man im Kreishaus um mehrere Tatbestände weiß, die gegen die immer wieder um jeweils drei Monate verlängerte Duldung und damit gegen die Erlaubnis zur Beschäftigung sprechen: Er habe die Behörde über seine Identität und seine Staatsangehörigkeit getäuscht, mündlich wie schriftlich in amtlichen Formularen. Konsequenz aus dem Täuschungsversuch ist ein deutlicher Hinweis aus dem Kreishaus: Es seien zum jetzigen Zeitpunkt bereits „aufenthaltsbeendende Maßnahmen geplant“.

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