Zum Schutz der Mitarbeiter

Strikte Kontaktregeln in heimischen Unternehmen

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In den Halveraner Firmen Mayweg und Meding in Oeckinghausen wird auf das Coronavirus reagiert – mit Homeoffice, Hygienemaßnahmen und Mindestabstand.

Halver/Schalksmühle - Ein Notfallplan hilft Unternehmen in diesen außergewöhnlichen Zeiten, richtig und vorausschauend zu agieren. Eine Abfrage bei den heimischen Unternehmen zeigt, dass alle das Coronavirus ernst nehmen.

Im Kunststoff produzierenden Gewerbe Mayweg ist vor zwei Wochen auf die aktuelle Situation reagiert worden und der Notfallplan aktiviert. Das bestätigt Geschäftsführer Bernd Jannack im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Kontakt wurde weitestgehend eingeschränkt und Besprechungen minimiert. Desinfektionsmittel hängt überall in der Firma, dazu die Aufforderung, sich regelmäßig die Hände zu waschen. 

Neben allen Personenschutz-Maßnahmen ist ihm aber auch das Unternehmen wichtig. Er sehe die konjunkturellen Folgen bevorstehen. Noch ist keine Kurzarbeit beantragt worden. Aber er gehe davon aus, dass diese dynamischen Zeiten über kurz oder lang dazu führen werden. Die Arbeitnehmer bekämen ihr Geld dann zwar weiter, wenn auch von der Arbeitsagentur. Ob aber die angekündigten Maßnahmen von der Regierung für die Unternehmen reichen werden, könne er noch nicht absehen. Klar sei für ihn, wenn Volkswagen seine Werke schließt, schließen bald auch die Automobilzulieferer. „Das ist ein Schneeballprinzip.“ 

Er gehe mit der Lage im Unternehmen souverän um, nehme Mitarbeitern Ängste und ist froh, als mittelständisches Unternehmen flexibel zu sein. So könnten Investitionen schnell getätigt und Entscheidungen schnell getroffen werden. 

Meding führt Mindestabstand ein

BeiMeding gilt mittlerweile ein Mindestabstand. Mitarbeiter dürfen sich auf 1,5 Metern nicht nähern, in Büros bleibt ein Platz frei und Homeoffice wurde eingeführt. Produziert werden Produkte für den medizinischen Bedarf. Einen Rückgang merke man nicht. Im Gegenteil: Man müsse schauen, dass man mit der Produktion nachkomme. Als ein Mitarbeiter mit Schnupfen und Halsschmerzen zur Arbeit kam, wurde er direkt zum Arzt geschickt. Dieser jedoch sagte, es handele sich um eine Erkältung. Ob der Mitarbeiter weiter arbeiten dürfe, sollte der Chef entscheiden. „Ich habe entschieden, dass er erst einmal zu Hause bleibt“, sagt Geschäftsführer Stefan Pietzner. Grundsätzlich versuche er, die Situation „sauerländisch zu regeln“: mit Ruhe. 

Stephan Haarmann ist Inhaber einer kleinen Sanitärfirma. „Die Kunden wollen mich einfach nicht mehr haben“, sagt er. Als er eine Heizung warten sollte, lag nur ein Zettel auf der Treppe mit einem Pfeil drauf. Dieser führte ihn zu einem Brief, in dem stand, er solle die Arbeiten vornehmen und die Rechnung per Post schicken. Neue Aufträge kämen nicht mehr rein, sagt er. Auch große Kunden wie das Seniorenzentrum Bethanien werden ihn nur noch in Notfällen anrufen. Noch schlimmer sieht es in seiner Eventfirma aus. Hüpfburgen und Bierzelte brauche momentan niemand, weil alles abgesagt wurde. Aber Flatterband und Absperrungen wurden von einer Apotheke aus Wipperfürth geordert. „Um Abstand zwischen den Kunden zu gewährleisten.“ Schwierige Zeiten, sagt Haarmann. „An den kleinen Mann denkt der Staat nicht.“ 

Auf Dienstreisen wird verzichtet

BeiEscha wurden in den vergangenen Tagen und Wochen Verhaltensrichtlinien kommuniziert und unterschiedliche Maßnahmen schrittweise den Entwicklungen angepasst. Hierzu zählen: Die Kommunikation der üblichen Hygienehinweise und auf die Aufforderung, soweit wie möglich auf Dienstreisen zu verzichten. Aber auch die Dienstgänge zwischen den Standorten in Halver wurden auf das Notwendigste reduziert. Die Vertriebsmannschaft nutzt Telefon- und Videokonferenzen, um mit den Kunden zu kommunizieren. Für Eltern, die jetzt ihre Kinder betreuen müssen, wurden am Montag flexible Lösungen angeboten. Auch Informationen werden regelmäßig an die Mitarbeiter weitergegeben. „Kurzarbeit ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema“, sagt Florian Schnell, Pressesprecher der Firma Escha. 

Die Firma Lumberg hat einen Notfallplan.

Bereits seit der ersten Sekunde sei man bei Lumberg alarmiert und habe gehandelt, erklärt Pressesprecher Kai Rotthaus. Neben den klassischen Maßnahmen – Hygienepläne und Desinfektionsmittel – hat das Unternehmen grundlegende Änderungen in der Betriebsstruktur durchgeführt. Der Schichtwechsel an den Maschinen erfolge nicht mehr von Person zu Person. „Es werden Übergabeprotokolle erstellt und die Maschinen werden gereinigt. Erst wenn die erste Schicht weg ist, übernimmt die zweite.“ Auch die Kollegen in den Büros mussten sich auf andere Arbeitsweisen einstellen. Dort gilt eine „Homeoffice-Quarantäne“, bei der im 14-tägigen Wechsel gearbeitet wird. Grundsätzlich werde die tagtäglich wechselnde Informationslage den Mitarbeitern kommuniziert und das entsprechende Vorgehen mit ihnen geregelt, sagt Kai Rotthaus. „Wir versuchen, das Risiko zu minimieren.“ 

Kontaktminimierung bei Lumberg

Generell gelte eine Kontaktminimierung der internen und externen Kontakte, so sind Dienstreisen verboten, Werksbesuche auf ein Minimum reduziert und es gelten strikte Betretungsregeln. „Selbst die Wirtschaftsprüfer, die derzeit zu uns kommen, können nicht einfach so in den Betrieb kommen.“ Zudem versuche man, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Personals zu reagieren. „Jeder, der nur das Gefühl hat, eine Erkältung oder einen Schnupfen zu haben, bleibt zuhause. Genauso wie die, die einen Erkrankten im näheren Umfeld haben.“ Speziell für Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder regeln müssen, habe Lumberg acht Tage zusätzlichen Urlaub eingerichtet. Zudem wurde die Krankenscheinregelung außer Kraft gesetzt. Möchte sich ein Mitarbeiter auf Corona testen lassen und der Hausarzt weist ihn ab, dann übernehme Lumberg auch die Kosten für den Abstrich.

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