Finanzierung der Pfarrstelle auf dem Prüfstand

Um seine Stelle geht es: Pastor Werner Kenkel sehe die Vorschläge jedoch nicht als persönlichen Affront, heißt es.

OBERBRÜGGE ▪ Die Luft für die Evangelische Kirchengemeinde Oberbrügge wird immer dünner. Wie berichtet, sehen sich Presbyterium und Förderverein immer höheren finanziellen Belastungen gegenüber, durch die schon bald sämtliche Rücklagen aufgebraucht sein werden.

In einer öffentlichen Stellungnahme gehen die Verantwortlichen nun mit einem Lösungsvorschlag in die Offensive: Die Kirchengemeinde Oberbrügge soll die Pfarrstelle von Pastor Werner Kenkel nur noch zur Hälfte bezahlen. Nur so könne die Existenz der Gemeinde längerfristig gesichert werden. Im Rahmen einer Gemeindeversammlung sollen diese und andere Möglichkeiten zur Rettung im Dialog mit Superintendent Klaus Majoress geklärt werden.

Amtsinhaber Werner Kenkel stehe hinter dem Vorschlag und sehe die gegenwärtige Diskussion nicht als persönlichen Affront, betonen die Verfasser. „Das Minus bei der Kirchensteuerzuweisung als weitaus größte und wichtigste Einnahme beträgt von 2005 bis 2011 immerhin 31 Prozent“, heißt es unter anderem. Zwar habe das Presbyterium die finanzielle Talfahrt frühzeitig stoppen wollen – erinnert wird unter anderem an das Engagement des Fördervereins. Bekanntlich konnte der Haushalt für 2011 dennoch nur durch einen Griff in die Rücklage ausgeglichen werden. Dieser „Sparstrumpf“ müsse in den nächsten Jahren noch ärger geplündert werden. Schließlich sei die Gefahr einer „löchrigen Socke“ groß – die sich am Ende ganz auflöst.

Als größtes Problem sehen die Beteiligten die so genannte Pfarrbesoldungspauschale. „Die durch sie entstehende Kostenbelastung ist inzwischen höher als die Kirchensteuerzuweisung“, heißt es. Schon seit langem, so erklärte Presbyteriumsmitglied Klaus Böcker im Gespräch mit dem AA, läge die Zahl der Gemeindeglieder in Oberbrügge weit unter jenen, die laut Landeskirche eine „volle“ Pfarrstelle rechtfertigen: Dafür seien etwa 2700 Gemeindeglieder notwendig – während Oberbrügge nur circa 1200 zählt. Was Böcker besonders ärgert: „Derselbe Entscheider, der uns damals trotz allem die volle Pfarrstelle eingerichtet hat, verändert das Finanzierungssystem insoweit, dass wir nun selber für die Kosten in voller Höhe aufkommen sollen.“ Hintergrund der Kritik in Richtung Landeskirche: Erst seit 2005 muss jede Gemeinde eigenständig für ihre Pfarstelle(n) aufkommen – zuvor wurden diese Kosten durch Kirchenkreis beziehungsweise Landeskirche ausgeglichen.

Nicht minder schwer wiegt die Regelung, dass mittlerweile nur noch die Zahl der Gemeindeglieder über die Höhe der zustehenden Kirchensteuer entscheidet. Eine Regelung, die besonders kleine Gemeinden schmerzt, wie Klaus Böcker betont.

Um die Möglichkeiten zur Zukunft auszuloten, laden Presbyterium und Förderverein für den 6. März alle Gemeindeglieder ab 11 Uhr (im Anschluss an den Gottesdienst) in die Kirche am Glockenweg ein, um „sich mit Wissen und Sachverstand einzubringen und sich zu Wort zu melden“, wie es heißt. Dabei hoffen die Veranstalter auf eine gut gefüllte Kirche, denn: „Wenn nur 30 Leute kommen, wäre das natürlich eine Katastrophe“, so Klaus Böcker. ▪ Frank Zacharias

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