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140 Jahre: Aufwendige Ausstellung für die Feuerwehr ab Sonntag 

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Von: Florian Hesse

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Auch ein simulierter Fettbrand auf dem Herd gehört zur Rallye durch die Villa im Rahmen der Ausstellung, die ab Sonntag gezeigt wird.
Auch ein simulierter Fettbrand auf dem Herd gehört zur Rallye durch die Villa im Rahmen der Ausstellung, die ab Sonntag gezeigt wird. © Jana Eilhardt

Es sind vielfach die kleinen Geschichten, die hinter einer großen stehen. Wenn eine Ausstellung ab Sonntag mehr als 140 Jahre Feuerwehr in Halver beleuchtet, dürfte das als große Geschichte durchgehen. Die kleineren Geschichten über Kameradschaft, Ehrenamt und Tradition muss man erst einmal aufspüren.

Halver - Jana Eilhardt hat das gemacht. Die Ausstellungsorganisatorin des Regionalmuseums Villa Wippermann forschte zurück bis ins Gründungsjahr der Wehr, 1881 war das, getrieben von einer Idee, die der frühere Feuerwehrchef Stefan Czarkowski ihr eingeflüstert hatte. Bei der Ausstellung zur Geschichte der Halveraner Kinos kam ihm die Idee, anhand des Zeitungsarchivs des Allgemeinen Anzeigers die Geschichte der Feuerwehr in Halver zu erfassen.

Vier Jahre pflügte sich Jana Eilhardt danach durch die Zeitungsbände, war immer faszinierter von spannenden, interessanten, manchmal traurigen Geschichten. Es ist die wohl arbeitsaufwendigste Ausstellung, die bisher in der Villa Wippermann gezeigt wird. Bis zum 25. September wird sie zu sehen sein.

Übung mit Folgen

Dann wird eine Tafel erzählen, was es mit der jungen Feuerwehrfrau Bettina Felbeck in Hückeswagen auf sich hat, die sich bei einer Übung für eine Mund-zu-Mund-Beatmung über den Halveraner Feuerwehrmann Michael Kind beugte. Den hatten sich die Hückeswagener als verletzten Komparsen aus Halver ausgeborgt, und drei Jahre später hieß Bettina Felbeck mit Nachnamen Kind, wurde die erste Feuerwehrfrau in Halver und im Jahr 2000 Brandmeisterin. Für ihren Sohn Niels war das Gerätehaus zweites Kinderzimmer. Wenn es passt und die Lage es erfordert, rücken Mutter, Vater und Sohn heute gemeinsam zum Einsatz aus.

Die historische Leitstelle mit dem Original-Schreibtisch von Adolf Plate.
Die historische Leitstelle mit dem Original-Schreibtisch von Adolf Plate. © Jana Eilhardt

18 Tafeln sind es am Ende geworden, dazu Anschauungsmaterial aus fast anderthalb Jahrhunderten, deutlich mehr als das ursprünglich angedachte „Brandregister“, das Czarkowski im Blick hatte. Die aus heutiger Sicht skurril anmutende Zeitungssprache des ausgehenden 19. Jahrhunderts hat Jana Eilhardt im Original belassen, die späteren Texte leicht gekürzt oder umgeschrieben.

Film im Multimedia-Bereich

Weiterer Höhepunkt im Multimedia-Bereich im Erdgeschoss wird ein Film von Peter Bell sein mit professionell eingesprochenen Texten, aufwendig fotografiert in einem Stadtmodell, in dem die großen Brände Halvers verortet sind.

Zur Sprache kommen in der Ausstellung auch Vorgänge, die im Nachhinein fast komisch anmuten – es aber zurzeit des Einsatzes sicherlich nicht waren. Die Gasflasche, die in der Schmiede Jung explodierte, fand sich hinterher in der Herpine wieder.

Weniger explosiv: die „Blusenwehr“ des Löschzuges Bommert, als die Frauen am Ort die Gegenveranstaltung zu den kameradschaftlichen Anlässen des Löschzugs ins Leben riefen. Die monatlichen Treffen behielten die Damen bei – von 1961 an, bis Corona den Treffen ein Ende bereitete.

Rallye durchs Museum

Zur didaktischen Aufbereitung gehört auch das historische Klassenzimmer im Obergeschoss der Villa. Und insbesondere Kinder sollen mit der Ausstellung erreicht werden. Selfies vor Fotowänden gehen natürlich immer, aber auf einer Rallye durchs Museum können Kinder nicht nur den Feuerteufel aufspüren, sondern eben auch viel lernen.

Die Brandschutzerziehung, weiß die Ausstellungsorganisatorin, sei in den Corona-Jahren praktisch zusammengebrochen. Es gebe viel nachzuholen, und Björn Clever, Leiter der Brandschutzerziehung, habe bereits mit vielen Kindergärten Termine dafür vereinbart. Retten, löschen, bergen, schützen – die Kernaufgaben der Wehr werden darin und auch in der Ausstellung begreifbar gemacht.

Blaulichtmeile und Tag der offenen Tür rund um die Villa Wippermann

Fahrzeuge und Material des Löschzugs Stadtmitte gibt es am kommenden Sonntag, 24. April, rund um die Villa Wippermann zu sehen. Beteiligt an der Blaulichtmeile sind auch die weiteren Hilfsorganisationen der Stadt: das Technische Hilfswerk (THW) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Los geht es um 11 Uhr.

Der Löschzug 1 (Stadtmitte) zeigt insbesondere die Neu- und Ersatzbeschaffungen der letzten beiden Jahre. Dazu zählt unter anderem die Drohne, die bei schwierigen Einsätzen aus der Luft über die Lage informiert.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird auch die neue Netzersatzanlage. Mit dem Anhänger ist die Feuerwehr in der Lage, ein eigenes Stromnetz aufzubauen, falls die Versorgung zusammenbricht. Zudem leuchtet das Gerät Einsatzstellen aus.

Mit einem eigenen Stand vertreten ist auch der Verein Soko Respekt. Die Aktivitäten des Vereins sind seit Jahren darauf ausgerichtet, auf einen respektvollen Umgang mit Einsatzkräften hinzuwirken – ein Problem, das vielerorts deutlich zugenommen hat.

Material zur Brandschutzerziehung zeigt Michael Bals von Bals Brandschutz an einem weiteren Stand.

Essen und Getränke gibt es zu familienfreundlichen Preisen – unter anderem Bratwurst und Steaks vom Grill und Eis für die Kinder. Und sogar: einen Bierwagen.

Ende der Veranstaltung ist gegen 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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