Rettungseinsatz mit Schwerlast-RTW

Schwerer Patient, großes Problem - der Transport bei Unfällen

+
Dass Rettungshubschrauber Patienten nicht mitnehmen können, kommt selten vor. Bei einem Unfall im Volmetal war das aber so.

Halver/Volmetal - Bei Bergung und Transport von sehr schweren Personen unterstützt die Feuerwehr gelegentlich den Rettungsdienst. Aber manchmal ist mehr nötig als ein paar zusätzliche Hände, wie ein Fall aus dem Volmetal zeigt.

Dort stellte ein Autofahrer, der nach einem Unfall in seinem Fahrzeug eingeklemmt war, die Rettungskräfte vor Probleme, weil er extrem schwer und von ausladender Statur war. Weder im auf der Landstraße gelandeten Rettungshubschrauber noch im Rettungswagen konnte der junge Mann abtransportiert werden.

Es war schlichtweg unmöglich, ihn sicher zu fixieren. Und auch die patientengerechte Befreiung des Unfallopfers war eine große Herausforderung für die Feuerwehr in Meinerzhagen. Dort ereignete sich dieser Unfall. 

Auch die Freiwillige Feuerwehr Halver werde hin und wieder als Unterstützung angefordert, wenn der Rettungsdienst mit besonders schwergewichtigen Personen zu tun habe, sagt Feuerwehr-Pressesprecher Michael Keil. „Das kommt gelegentlich vor.“ Wie oft, das variiere von Jahr zu Jahr stark. Es gebe Jahre, in denen die Feuerwehr gar nicht zur Unterstützung angefordert würde, in der Regel liege die Zahl solcher Einsätze zwischen zwei und zehn, schätzt Keil.

Hubrettungsfahrzeug kommt zum Einsatz

„Das Hubrettungsfahrzeug kommt schon mal zum Einsatz, um Personen vom Balkon oder vom Fenster zu transportieren“, sagt der Halveraner Feuerwehr-Sprecher. Das sei leichter als durch ein enges Treppenhaus. „Oder es geht um die reine Manpower, also zusätzliche Hände zur Unterstützung.“ 

Die Tragen der Rettungswagen sind für ein Gewicht bis 250 Kilogramm ausgelegt.

Das gelte auch für Fälle, in denen eingeklemmte Personen aus einem Fahrzeug befreit werden müssen. „Die Rettung läuft da aber genauso wie bei normalgewichtigen Personen“, so Keil. Man brauche zwar mehr Hände und gehe vielleicht etwas anders vor, aber für die Art der Rettung spiele es keine Rolle, ob jemand adipös sei oder nicht. 

Bei dem beschriebenen Einsatz in Meinerzhagen war ebenfalls ein großer Personalaufwand nötig, um den Verletzten aus dem Autowrack heraus zu bekommen. Zuvor hatte die Feuerwehr das Dach des Kleinwagens abgetrennt, um den Mann nach oben bewegen zu können. 

Tragen sind für ein Gewicht bis 250 Kilogramm

Auf die ihnen zur Verfügung stehende Ausrüstung kann sich die Feuerwehr bei solchen Einsätzen übrigens verlassen. „Die Tragen sind für ein Gewicht bis 250 Kilogramm ausgelegt“, sagt der Meinerzhagener Stadtbrandinspektor Christian Bösinghaus. 

Weder beim Rettungshubschrauber noch bei dem Rettungswagen war das Gewicht des Patienten damals das Hauptproblem. Das Unfallopfer konnte schlichtweg nicht angeschnallt werden. Ein Transport ins Krankenhaus kam so nicht in Betracht. 

Rettung mit Schwerlast-RTW

Doch die Herausforderung wurde mit Hilfe aus der erweiterten Nachbarschaft noch gemeistert: Ein aus Wuppertal angeforderter Schwerlast-Rettungswagen rückte an. In ihm konnte der Patient schließlich zur weiteren Versorgung in die nahegelegene Klinik gefahren werden. 

Extrem übergewichtige Patienten bringen normale Rettungswagen an ihre Grenzen. Diese Personen können manchmal nicht angeschnallt werden.

Im Märkischen Kreis gibt es solche Spezial-Rettungsfahrzeuge für extrem übergewichtige und große Menschen nicht. Das bestätigte Pressesprecher Hendrik Klein: „Wir fordern dann entsprechende Fahrzeuge an, die in Wuppertal, Dortmund, Hattingen und Herne stationiert sind. Im Meinerzhagener Fall kam das Fahrzeug aus Wuppertal.“ 

Hendrik Klein erläutert weiter, dass im Bereich der heimischen Bezirksregierung bereits eine Abfrage bei den Rettungsdiensten gemacht worden sei, was den Bedarf an einem Schwerlast-Rettungswagen betreffe. „Dabei kam heraus, dass ein solches Fahrzeug nicht erforderlich ist. Wie der Meinerzhagener Unfall gezeigt hat, kommen solche Einsätze vor. Aber sie sind sehr selten.“ 

Es vergeht mehr Zeit als bei normalem Einsatzgeschehen

Außerdem, sagt Hendrik Klein weiter, sei bei einem Unfall erst vor Ort feststellbar, ob ein Schwerlast-RTW wirklich benötigt werde. „Die Einsatzkräfte verfügen über entsprechende Erfahrungen und fordern einen solchen Wagen dann umgehend an. Das klappt auch reibungslos.“ Weil die Anfahrt dann allerdings in der Regel über die Autobahn erfolgt, ist im Ernstfall stets mit Staus zu rechnen. 

Bis ein schwergewichtiger Patient also abtransportiert werden kann, wird mehr Zeit vergehen, als bei einem normalen Einsatzgeschehen, bei dem der RTW aus der nächstgelegenen Wache anrückt. Dass die Schwerlast-RTW selten zum Einsatz kommen, bestätigt auch Michael Keil von der Freiwilligen Feuerwehr Halver: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass der schon einmal angefordert wurde.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare