Neue Regelung für „Glücksbringer“

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Als „Glücksbringer“ zum Jahreswechsel sicher weiterhin beliebt. ▪

HALVER ▪ Normalerweise gelten Schornsteinfeger zum Jahreswechsel als Glücksbringer. Diesmal betätigen sie sich jedoch auch als Überbringer schlechter Nachrichten für Hauseigentümer. Denn ab 1. Januar sollen sie für die Wartung ihrer Feuerstätten verantwortlich sein. „Das ist bei vielen so noch nicht angekommen“, sagt der Halveraner Bezirksschornsteinfegermeister Hans-Eberhard Kopp.

Nachdem die Europäische Union ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet hatte, fällt ein Monopol: Die Schornsteinfeger-Innung für den Regierungsbezirk Arnsberg weist darauf hin, dass mit dem Ende einer seit 2008 geltenden Übergangsfrist fortan jeder Hauseigentümer selbst „die Verantwortung und das verbundene Risiko für die ordungsgemäße und fristgerechte Ausführung der Arbeiten“ im Rahmen des Feuerstättenbescheids trägt. Die ab Januar geltende Wahlfreiheit der Schornsteinfeger bringe de facto keine Einsparungen für den Hausbesitzer, sondern eher einen höheren bürokratischen Aufwand – und vermutlich sogar steigende Kosten, wie Hans-Eberhard Kopp meint.

Weiterhin zählt die zweimal in sieben Jahren erforderliche Feuerstättenschau zu jenen hoheitlichen Aufgaben, die nur der zuständige Bezirksschornsteinfeger erledigen darf. Beauftragt der Eigentümer nun einen anderen Schornsteinfeger mit der Ausführung der notwendigen Arbeiten, muss der diese Tätigkeit lückenlos dokumentieren – diese Dokumentation hat der Inhaber der Feuerstätte wiederum dem Bezirksschornsteinfeger anhand spezieller Formblätter zu übermitteln. „Gehen die Formulare nicht fristgerecht ein, muss der Bezirksschornsteinfeger die nicht erledigten Arbeiten der Behörde weitermelden“, heißt es in einer Mitteilung der Innung. Ein Aufwand, den man sich bei der Weiterführung der Kooperation mit seinem aktuellen Schornsteinfeger erspare. Zumal dann auch Synergie-Effekte genutzt werden könnten, die ihrerseits Kosten sparen: Ist der Bezirksschornsteinfeger aufgrund seiner hoheitlichen Aufgaben – dazu zählen etwa die Feuerstättenschau, die Überprüfung der Betriebs- und Brandsicherheit oder die Bauabnahme neuer Feuerstätten – ohnehin vor Ort, ließen sich weitere Tätigkeiten, für die rein theoretisch bald auch ein externer Schornsteinfeger beauftragt werden kann, gleich „miterledigen“.

Nicht nur deshalb rechnet Hans-Eberhard Kopp mit keiner gravierenden „Kundenflucht“ zu anderen Schornsteinfegern, wie er am Mittwoch im AA-Gespräch erklärte. „Die Rückmeldungen, die mir und vielen meiner Kollegen vorliegen, sind häufig positiv. Viele wollen bei ihren gewohnten Schornsteinfegern bleiben“, so Kopp. Er selbst wisse nur von einem einzigen Kunden, der wechseln wolle. Fraglich sei zudem, ob ein gewaltiger Kundenstrom überhaupt von den heimischen Kamin-Experten bewältigt werden könnte. Der Markt der Anbieter ist überschaubar, „viele haben volle Auftragsbücher und könnten gar nicht so viele neue Kunden annehmen“, sagt Hans-Eberhard Kopp, der außerdem betont, dass entgegen einiger anders lautender Berichte definitiv kein Heizungsmonteur, sondern lediglich ein zugelassener Schornsteinfeger beauftragt werden kann.

Ob mit oder ohne neue Gesetzgebung – ein Monopol behalten die Schornsteinfeger auch nach dem 1. Januar 2013 definitiv: das als Glücksbringer. ▪ zach

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