Ferien vergrößern Katzennot

Zwei der grau-getigerten Katzenwelpen suchen noch ein neues Zuhause. Genauso wie die schwarze Lena (kleines Foto), die gerne bei Jana Schmidt auf dem Arm schmust. - Fotos: Domke

Halver -  Drei grau-getigerte Katzenwelpen springen durch das kleine Gehege, spielen miteinander Fangen und machen erst Halt, wenn eine Mitarbeiterin der Halveraner Tierauffangstation hereinkommt, um mit den rund zwölf Wochen alten Katzen zu schmusen. Noch fühlen sie sich wohl, in Gesellschaft ihrer Geschwister und in der Nähe der Mutter.

Aber schon bald werden sie voneinander getrennt und dann, so wünscht es sich Jana Schmidt, Vorsitzende des Tierschutzvereins Halver-Schalksmühle, sollte jede ein eigenes Zuhause bekommen.

„Ich wünsche jedem Tier, dass es nicht zu lange bei uns bleiben muss“, sagt Schmidt. Dabei sind die Gehege und Boxen in dem Haus am Langenscheid großzügig und sauber und die ehrenamtlichen Tierschützer geben jeden Tag alles, um den Tieren ein wenig Normalität zu vermitteln. Und trotzdem, und das wissen gerade die Mitarbeiter, kann man nicht jedem Tier gerecht werden. Zur Sommerzeit am allerwenigsten.

„Wir platzen aus allen Nähten, die Auffangstation ist randvoll“, sagt Jana Schmidt. Natürlich, so bestätigt sie, gebe es in jedem Jahr zur Welpenzeit eine sogenannte „Katzenschwemme“, aber in diesem Jahr mussten sie während der Sommer- und Ferienmonate besonders viele Katzen aufnehmen. „Wenn derzeit jemand käme, um eine Katze abzugeben, müsste ich, so leid es mir tut, ablehnen. Wir haben keinen Platz mehr“, macht Jana Schmidt die Situation deutlich.

Allein am vergangenen Wochenende kamen sechs Neuzugänge in die Tierauffangstation. Alle wurden auf der Straße aufgegriffen. Ob sie ausgesetzt wurden oder abgehauen sind, wissen die Tierschützer nicht, aber oftmals melde sich bei einem recht zutraulichen Tier niemand. „Da ist es schon wahrscheinlich, dass man das Tier loswerden wollte“, so Schmidt weiter. Gerade in den Sommerferien füllt sich das Tierheim zusehends. „Dann stören die Tiere und werden ausgesetzt“, ist die Tierschützerin über den Umgang mancher Menschen mit Tieren empört. Derzeit lebt ein junger schwarzer Kater am Langenscheid, den man mit abrasierten Tast- und Schnurbarthaaren fand. „Womöglich sollte er so die Orientierung verlieren und nicht mehr nach Hause finden.“

Fips, so haben ihn die Mitarbeiter am Langenscheid genannt, ist heute vier Monate alt. Die Tasthaare sind nachgewachsen und derzeit wartet er – wie viele andere junge und ältere Katzen – auf eine neue Familie.

Doch auch wild lebende Katzen machen den Tierschützern zu schaffen. Nicht nur, dass die Populationen wegen nichtkastrierter Tiere immer größer werden. Auch Krankheiten breiten sich weiter aus, die auf gesunde Bestände übergehen können. In einer Quarantänestation der Tierauffangstation leben derzeit vier Welpen, die an Katzenschnupfen erkrankt sind. Die kleinste Katze werde an den Folgen der Erkrankung wahrscheinlich erblinden.

„Wir haben wirklich alle Hände voll zu tun, aber die Tieren sind es uns wert“, ist sich Jana Schmidt ihrer Aufgaben bewusst. Doch gerade im Moment ist die Tierauffangstation auch auf Hilfe angewiesen. Futterspenden seien dabei genauso wichtig wie die eine oder andere helfende Hand. „Wer sich vorstellen kann, mitzuhelfen, ist immer willkommen“, sagt Jana Schmidt und denkt dabei auch an Menschen, die selbst kein Tier halten können, aber gerne etwas Zeit mit ihnen verbringen möchte. Oder einfach testen wollen, ob ein Tier zu ihnen passt. - Von Friederike Domke

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