Wollige Helfer

Feinschmecker bei der Arbeit: Shropshire-Schafe auf dem Weihnachtsbaumhof Tacke

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Klee, Korbblütler, Klettenlabkraut, das Schmalblättrige Weidenröschen, der Weiße Gänsefuß und weiche Gräser – so in etwa sieht der Speiseplan der „Shroppies“ aus. Solange genügend Auswahl da ist, verschmähen die Schafe die harten Nadelbäume.

Halver - Es ist ein perfekter Sommertag, am blauen Himmel sind nur wenige weiße Wölkchen zu sehen und mit 25 bis 30 Grad hat es Freibad-Temperatur. Doch Heiko Tacke ist gedanklich bei Weihnachten. Genauer gesagt bei seinen Weihnachtsbäumen. Denn die müssen das ganze Jahr über gepflegt werden. Seit zwei Jahrzehnten hilft auf der Eickerhöh dabei eine Herde Shropshire-Schafe.

Die aus England stammende Schafrasse ist die einzige von 800, die keine Tannennadeln frisst – so schreibt es jedenfalls die speziell für die Weihnachtsbaum- und Schnittgrünbranche erscheinende Zeitschrift „Nadeljournal“. Aber auch Heiko Tacke bestätigt: „Es sind Feinschmecker. Sie fressen nichts Hartes.“ In zwanzig Jahren habe es allerdings zwei Vorfälle gegeben, bei denen Weihnachtsbäume angefressen wurden, räumt er ein. „Bei einem davon waren wir selber Schuld. Wir hatten einige Schafe auf eine kleine Fläche gebracht“, erzählt Heiko Tacke. Als dann das weiche Gras aufgebraucht war, gingen die Schafe mangels Futter auch an die Weihnachtsbäume.

Einfach zwischen die Bäume stellen kann man die Schafe jedoch nicht. Wie Heiko Tacke erzählt, machen sie mehr Arbeit, als sein Vater bei der Anschaffung vor 20 Jahren angenommen hatte. So müssen zwei Mal im Jahr die Klauen geschnitten und die Schafe regelmäßig auf Würmer kontrolliert werden. Ende Mai kommt außerdem ein professioneller Scherer. „Das geht zwar noch nicht ganz so schnell wie in Neuseeland, aber für 50 Schafe braucht er nur knapp fünf Stunden“, sagt Heiko Tacke.

Zum Streicheln sind die Shropshire-Schafe nicht gedacht. Selbst vor Heiko Tacke laufen sie davon, lediglich Flaschenaufzuchten kommen manchmal noch auf Zuruf.

Die Abneigung der Schafe gegenüber harten und stechenden Pflanzen sorgt allerdings auch dafür, dass sie Disteln und Brennnesseln stehen lassen. Für Heiko Tacke bedeutet das, dass er trotz seiner Helfer zwischen den Bäumen mähen muss. Momentan sind einige Disteln und Brennnesseln größer als sein Sohn Benni.

Der scheint sichtlich Gefallen an der Schafsherde vor der Haustür zu haben. Mirifee, Moritzchen und Zappelphilipp haben er und seine Geschwister die Lämmer getauft. „Die Kinder, die bei der Geburt geholfen haben, dürfen sich im Namen der Lämmer verewigen“, erklärt Heiko Tacke.

„Die Brennnessel ist größer als ich!“ – Benni nimmt das Unkraut, das die Schafe stehen lassen, mit Humor.

Unkompliziert sind die neuen Lämmer und ihre Mütter nicht immer, sehr zu Freuden von Benni, der dann immer wieder bei der Flaschenaufzucht der Lämmer helfen darf. Auch geschüttelt hat er ein neugeborenes Schaf schon. „Bei der Geburt können sie sich am Fruchtwasser verschlucken. Wenn man sie kurz kopfüber hält, kann das Wasser aus der Lunge fließen“, erklärt Heiko Tacke.

Zurzeit streifen etwa 50 Mutterschafe, zwei Böcke und 65 Lämmer durch die Weihnachtsbäume zwischen Anschlag und Schwenke. In der ersten Novemberhälfte werden sie in den Stall gebracht, damit die Überbleibsel der Tiere auf den Wegen verwertet werden und sich Kunden beim Selbersägen nicht über Schafskot ärgern müssen. Außerdem birgt die Geburt im Freien das Risiko, dass die zwei bis vier Kilogramm leichten Lämmer Greifvögeln zum Opfer fallen. „Einmal hat ein Greifvogel ein Lamm geholt“, erinnert sich Benni.

Auf etwa 20 Hektar rund um den Weihnachtsbaumhof Tacke leben die Schafe und fressen Gräser und Unkraut.

Für gewöhnlich werden dann von Januar bis März die Lämmer geboren. „Wir hatten aber auch schon ein Lamm, was unbedingt am 24. Dezember schon auf die Welt kommen musste“, sagt Heiko Tacke. 14 Tage bleiben die jungen Schafe dann alleine mit ihrer Mutter, bevor sie zur Herde stoßen dürfen. Die jungen Böcke werden allerdings aus der Herde genommen, um Inzucht zu vermeiden.

Die Shropshire-Schafe

Shropshire-Schafe sind seit 1882 „zuchtbuchmäßig erfasst“. In diesem Jahr gründete sich die erste Zuchtgesellschaft für Shropshire-Schafe in England. Zuvor waren lokale Rassen mit dem Southdown-Schaf gekreuzt und das Ur-Shropshire-Schaf gezüchtet worden, wie die Zeitschrift Nadeljournal schreibt.

Charakteristisch für die stämmigen Schafe ist der wollige, hornlose Kopf. „Die wachsende Beliebtheit des Shropshire-Schafes führte zu einer deutlichen Verbreitung auch über die Grenzen der namensgebenden Grafschaft Shropshire, sodass die Shropshire-Schafe gegen Ende des 19. Jahrhunderts die bedeutendste Fleischschafrasse Englands waren“, schreiben die Shropshire-Schafhalter auf ihrer Internetseite.

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