Halveraner Rat sendet Signal

"Loch" nach Rückkehr zu G9: AFG soll Lerngruppen bekommen

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Durch die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren wird ein Jahrgang fehlen.

Halver – Der Rat sendete ein deutliches Signal Richtung Bezirksregierung: Das Anne-Frank-Gymnasium soll als Lerngruppen-Standort ausgewählt werden, wenn in wenigen Jahren infolge der G9-Umstellung dort eine reguläre elfte Klasse fehlt.

Die Fraktion der Grünen hatte in ihrem Antrag das Problem dargestellt, das aus der Umstellung der Schulzeit resultiert: Nämlich dass es am AFG im Schuljahr 2023/24 keine Einführungsphase geben wird (siehe unten). Damit Schüler auch dann von anderen Schulen nach der zehnten Klasse ans AFG wechseln können und Wiederholer durch den fehlenden Jahrgang nicht zwei Klassen wiederholen müssten, schlagen die Grünen die Einrichtung von Lerngruppen vor.

„In Halver gibt es gute räumliche Voraussetzungen, um Standort für eine Schwerpunktschule zu werden“, sagte Karl-Friedrich Osenberg (Grüne) und verwies auf die freigewordenen Räume der Ganztagsschule. Die Idee der Lerngruppen orientiert sich dabei an Niedersachsen, wo bei der Rückkehr von G8 zu G9 so verfahren wurde.

„Wie in Niedersachsen werden aber nicht alle Gymnasien Standortschule werden“, gab Osenberg zu bedenken. Das Gymnasium in Radevormwald habe sich bereits bei der Bezirksregierung Köln als mögliche Standortschule gemeldet. Deswegen müsse sich Halver entsprechend schnell bei der Bezirksregierung in Arnsberg melden, um auch ausgewählt zu werden. „Wir sollten unseren Hut in den Ring werfen, und das massiv.“

Unterstützung für den Antrag kam aus allen Ratsfraktionen. „Ich möchte die Halveraner Schüler gerne hier halten“, sagte Martina Hesse (CDU) und verwies darauf, dass das Gymnasium in Radevormwald bereits 2018 beantragt habe, Schwerpunktschule zu werden.

„Wir müssen offensiv auftreten“

Auch Hartmut Wächter (SPD) unterstützte den Antrag: „Im Rahmen der Durchlässigkeit des Schulsystems ist es ganz wichtig.“ Es gehe darum, einen Abi-Jahrgang über drei Jahre mit mindestens 50 Schülern und entsprechenden Wahlmöglichkeiten zu schaffen. „Wir müssen das offensiv gegenüber der Bezirksregierung vertreten.“

Der Meinung war auch Werner Lemmert (UWG), der sich dafür aussprach, den Antrag nicht erst im nächsten Schulausschuss zu behandeln, sondern direkt ein deutliches Signal Richtung Arnsberg zu senden: „Wir sollten heute entscheiden, diesen Antrag auf den Weg zu bringen“, sagte Lemmert.

Sascha Gerhardt (FDP) betonte insbesondere die Verpflichtung gegenüber den Kooperationsschulen des AFG. „Wir stehen im Wort, am AFG auch Schülern anderer Schulen das Abi zu ermöglichen. Wir müssen diesem gegebenen Versprechen nachkommen.“

Sowohl Gerhardt als auch Bürgermeister Michael Brosch verwiesen darauf, dass unklar sei, ob auch NRW dem niedersächsischen Modell mit Lerngruppen-Standort folgen werde. Laut Thomas Gehring, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, gebe es von der Bezirksregierung noch keine Informationen zu einer konkreten Lösung. Das Interesse, Standortschule zu werden, könne man aber gegenüber Arnsberg bekunden.

Osenberg schlug vor, den Antrag zwar an den Schulausschuss zu verweisen, den entsprechenden Absatz, dass die Verwaltung mit der Bezirksregierung Kontakt aufnehmen solle, aber direkt zu beschließen, um den starken Willen des Rats zu verdeutlichen. Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Brosch: „Wir werden ein klares Signal senden: Halver steht Gewehr bei Fuß.“ Mit dem einstimmigen Ratsvotum im Rücken kann sich die Verwaltung nun an die Bezirksregierung wenden.

Fehlender Jahrgang

Die Umstellung der Schulzeit von acht (G8) zu neun Jahren (G9) bis zum Abitur hätte im Schuljahr 2023/24 am AFG zur Folge, dass es keine Einführungsphase bzw. elfte Klasse gibt, weil der letzte G8-Jahrgang in die Stufe Q1 (Klasse 12) kommt und der erste G9-Jahrgang erst in Klasse 10. Eine Übergangslösung durch Lerngruppen würde drei Jahre dauern, bis der so gebildete Lerngruppen-Jahrgang das Abitur macht.

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