„Il Faro“: Unschönes Ende einer Halveraner Institution

In den nächsten Tagen soll der Kaufvertrag zwischen der Raiffeisen-Genossenschaft und dem TuS Halver zum Verkauf der Jahnhalle unterschrieben werden.

HALVER ▪ Es geht um Geld. Es geht um Recht. Es geht aber auch um Gefühle. Um die von Saverio de Marco. Er schloss seine Pizzeria „Il Faro“ am 29. Januar. Nach 30 Jahren. Für immer. Denn: Der TuS Halver will das Objekt aus finanziellen Gründen verkaufen und hat ihm gekündigt. Nicht rechtmäßig, wie De Marco sagt. Dem widerspricht TuS-Vorsitzender Georg Bischofs. Wer Recht hat, soll sich nun am 11. Mai vor dem Landgericht Hagen entscheiden.

Die Fronten sind also verhärtet – längst haben beide Parteien Anwälte eingeschaltet. Aber von vorne: Im April 2011 fiel auf der Jahreshauptversammlung des TuS Halver die Entscheidung, die Jahnhalle zu verkaufen. Laut Bischofs habe der Verein De Marco noch am selben Abend über den Beschluss informiert. Die Kündigung folgte im Juni. „Wenige Minuten nachdem sich der TuS mit der Raiffeisen-Genossenschaft über die Rahmenbedingungen zum Verkauf geeinigt hatte“, erklärt er.

Zu kurzfristig, wie der Italiener sagt. Demnach hätte sich der Pachtvertrag nur wenige Tage später automatisch um ein Jahr verlängert. Nun sollte er aber bereits zum 31. Oktober aus der Pizzeria heraus. Georg Bischofs betont: „Herr de Marco hatte Pachtschulden beim TuS. Die hätten wir ihm erlassen, wenn er in der zweiten Jahreshälfte gegangen wäre.“ Saverio De Marco räumt ein, innerhalb der vergangenen zehn Jahre in Zahlungsrückstände gekommen zu sein. Die Krise habe 2002 mit der Euro-Umstellung begonnen. „Es hat alle erwischt. Privatleute, die Wirtschaft, die Gastronomie und damit auch uns.“ Aber der TuS Halver habe das geduldet, eine geringere Miete akzeptiert und er, so gut es ging, gezahlt.

Die Frist war für seine Familie jedoch zu kurzfristig: „Ich wäre ja sofort arbeitslos gewesen und hätte nichts mehr gehabt.“ Die Kunden seien dann aufgrund der Gerüchte im Weihnachtsgeschäft weggeblieben – und damit das Ende besiegelt gewesen. Jetzt, nach der Schließung, steht De Marco nach eigenen Angaben arbeits- und nahezu mittellos da. Übrig geblieben ist die Wohnung. Dort dürfe er laut Mietvertrag noch bis Ende des Jahres wohnen bleiben. Dabei habe er trotz anstehender Verhandlung Kompromissbereitschaft signalisiert: Falls der TuS Halver ihm seine Schulden erlassen hätte und ihn von Januar bis März mietfrei hätte wohnen lassen, wäre er zum 31. März ausgezogen – also neun Monate eher.

Eine solche Einigung kommt laut Bischofs aber nicht in Frage: „Dadurch, dass wir Klage erhoben haben, sind dem TuS bereits hohe Kosten entstanden. Die muss uns Herr De Marco ersetzen.“ Der Vorsitzende meint, dass er das persönlich sehr bedauern würde, doch er müsse jetzt für den Verein einstehen. Verkauft war die Immobilie übrigens während des Streits noch nicht. Bischofs: „Das ist eine Hängerpartie, die allen Beteiligten zum Hals raushängt.“ Aber: In den nächsten Tagen soll der Kaufvertrag unterzeichnet werden.

Der Interessent, der benachbarte Raiffeisen-Markt, habe den Kaufvertrag noch nicht unterzeichnet. Wie es für Saverio De Marco in der Zukunft weitergeht, weiß er nicht. Gerne würde er den Halveranern weiterhin seine italienischen Spezialitäten servieren – egal wo. Aber ohne Mittel gehe das leider nicht. Er ist sichtlich enttäuscht darüber, wie sich die Dinge entwickelt haben: „Ich habe mir mehr Respekt erhofft. Der TuS Halver hat mich und meine Familie nach 30 Jahren kurz und schmerzlos rausgeschmissen. Dabei haben wir uns all die Jahre gut verstanden.“ ▪ Lisa Weber

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