100 Sozialstunden für zweifelhaften "Fahrradklau"

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Halver/Lüdenscheid - Auf welchen Wegen ein Fahrrad im Juni 2017 aus einem abgeschlossenen Keller in Oeckinghausen entwich, blieb ungeklärt im Amtsgericht Lüdenscheid. Bekannt wurde aber, wie das Mountainbike zu seinem Besitzer zurückkehrte

 „Ich habe in der Stadt das Fahrrad wiedererkannt“, erklärte der 18-jährige Eigentümer, der seinen fahrbaren Untersatz in Halver in Begleitung eines 42-jährigen Mannes angetroffen hatte. 

Der kam bereitwillig mit zur Polizei – möglicherweise, weil er sich einer nur begrenzten Schuld bewusst war. Denn nach seinen Angaben hatte er das Fahrrad unabgeschlossen und in eher erbärmlichen Zustand an der Bushaltestelle Eichholz gefunden. 

„Das war kaputt, das Lenkrad schief, die Felgen verbogen“, erklärte der 42-Jährige vor Gericht, wo er sich wegen einer Unterschlagung zu verantworten hatte. Denn es gab keinerlei Anhaltspunkte, dass er selbst in den Keller eingebrochen war und das Fahrrad dort gestohlen hatte. 

„Das war keine böse Absicht“ 

Durfte er das misshandelte Zweirad aber einfach mitnehmen? Er habe es für Schrott gehalten, erklärte er schon bei der Polizei. „Das war keine böse Absicht“, ergänzte er vor Gericht und zählte die Reparaturen auf, die er hatte machen müssen: Ein Rad hatte eine „Acht“ – es musste komplett erneuert werden. 

Außerdem habe er beide Reifen und die Bremsklötze erneuert. „Ich habe es ihm ja repariert zurückgegeben“, sah er einen wichtigen Ansatz zur Wiedergutmachung der Fundunterschlagung. 

Die Staatsanwältin erklärte ihm den üblichen Weg, wie man einen solchen Fund möglicherweise in seinen Besitz bringen kann: Abgeben beim Fundbüro oder bei der Polizei und warten, ob sich der Eigentümer innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist meldet. „Das nächste Mal, wenn Sie ein Fahrrad finden, bringen Sie es zur Polizei!“ 

Finder war auf Bewährung

Der Angeklagte stand zwar wegen einer ganz anderen Sache noch unter Bewährung. Doch wegen der etwas zweifelhaften Geschichte mit dem Fahrrad wollte ihn niemand ins Gefängnis schicken. Der 42-Jährige zögerte erstaunlich lange, das Angebot einer Einstellung des Verfahrens anzunehmen. Ihm schmeckten die 100 Sozialstunden nicht. 

Kurz bevor das Strafverfahren mit einer förmlichen Verurteilung zu Ende zu gehen drohte, erklärte er sich einverstanden mit der verordneten Arbeit auf einem Friedhof: „Ich gebe mein Bestes“, sagt er.

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