Der Hechtweg als Schwerlastroute?

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Halver - Warum ein 14-Tonner am 18. Januar 2017 den Hechtweg in Halver befuhr, blieb rätselhaft im Amtsgericht Lüdenscheid. „Die ganze Strecke ist völlig hirnlos“, stellte ein 52-jähriger Kraftfahrer fest, dem die Staatsanwaltschaft eine Verkehrsunfallflucht an ebendiesem engen Hechtweg vorwarf.

Denn nachweislich steckte seine Fahrerkarte zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes mit einer Stützmauer in dem Laster. Damit waren die Beweismittel allerdings auch erschöpft. 

Er sei morgens von Plettenberg nach Halver gefahren, habe dort abgeladen und sei nicht mehr weitergefahren, erklärte der Angeklagte. Er habe sich entfernt und dabei seine Fahrerkarte im Laster vergessen.

 Wer anschließend mit seiner Karte gefahren sein könnte, habe betriebsintern nicht geklärt werden können: „Der Fuhrparkleiter weiß nicht mehr, wer den Laster gefahren hat.“ Um sich ein Bild von dem Unfall zu machen, sei er die ganze Strecke abgefahren: „Ich frage mich, wie ein 14-Tonner in diese Straße reingekommen ist.“ 

Eigentümerin zeigt sich verständnisvoll

Die Eigentümerin der Stützmauer zeigte sich im Amtsgericht freundlich und verständnisvoll: Schneeberge hätten die Straße an jenem Tag noch zusätzlich verengt. Sie habe plötzlich „einen dumpfen, aber lauten Knall“ gehört. Ein Fahrer sei ausgestiegen, habe geguckt, und sei dann wieder abgefahren. 

Möglicherweise habe er den Schaden unter den Schneebergen gar nicht gesehen. „Das sah nicht nach Fahrerflucht aus.“ Anzeige habe sie erstattet, weil zunächst noch nicht klar war, ob die Statik des hinter der Mauer liegenden Hangs betroffen war. Das habe ein Gutachter aber ausgeschlossen – mittlerweile habe die Familie den Schaden in Eigenregie weitgehend repariert. 

Irrungen und Wirrungen um den wahren Fahrer 

Der Geschäftsführer der Spedition bestätigte die Angaben seines Fahrers: „Ich kann nur die Fahrerkarte auslesen. Keiner weiß, wer statt des Angeklagten eingesetzt wurde.“ Und auch er wunderte sich über den Laster auf Abwegen: „Ich kann definitiv nicht sagen, was ein Lastwagen da sucht.“ Es folgte umfangreiche Erläuterungen zu Fahrerwechseln in Speditionen, bei denen Fahrer bei Kurzstrecken ihre Kollegen entlasten, damit denen nicht „die Lenkzeiten für den Fernverkehr kaputtgemacht werden“. 

Schließlich befürworteten alle Beteiligten im Gerichtssaal eine unvermeidliche und durchaus auch sehr nachvollziehbare Entscheidung: Das Strafverfahren wurde schlicht und einfach eingestellt. Es könne weder festgestellt werden, wer der Fahrer war, noch ob dieser von dem Unfall überhaupt etwas bemerkt habe, begründete Richter Thomas Kabus seine Entscheidung.

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