Parkgespräch mit Kämmerer Markus Tempelmann

Der Weg zum Fachmarktzentrum

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Die kreisweit wohl größte Baustelle im Februar.

Halver - Voraussichtlich im September wird das Fachmarktzentrum auf dem früheren Bahngelände in Betrieb gehen. Ein genauer Termin steht nach wie vor nicht fest. Dass es aber überhaupt dazu kommt, grenzt in mancher Hinsicht an ein Wunder.

Im „Parkgespräch“ im Bürgerzentrum am Park warf Kämmerer Markus Tempelmann am Donnerstagabend einen Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre. 

Seit 2008 begleitet er das Projekt, dessen Wurzeln im Grunde bis ins Jahr 1986 zurückreichen, das mehrfach auf der Kippe stand und von Faktoren beeinflusst wurde, die öffentlich kaum bekannt sein dürften. Kostproben: 

- Im Rahmen der Überplanung und des Grunderwerbs von verschiedenen Eigentümern ging es auch um eine Fläche von 42 Quadratmetern, die nicht im Eigentum der Stadt lag, also etwa ein Promille des Gesamtvolumens von 42 Hektar (42 000 Quadratmeter). Die Hälfte gehörte einem Privatmann, die andere der unbekannten Erbenschar einer längst Verstorbenen. Doch die 42 Quadratmeter waren der Schlüssel. Über einen Nachlassverwalter konnte das Problem noch gelöst werden. 

Siebeneinhalb Stunden beim Notar 

- Schlüsselspieler waren bei den Verhandlungen die großen Eigentümer, insbesondere die Bahn und der Verein Schleifkottendraisinenbahn. Tempelmann erinnerte minutiös an einen Notartermin, bei dem die letzten Details geregelt werden sollten. Eigentlich war alles am Vortag ausverhandelt, doch die Sitzung zog sich letztlich über siebeneinhalb Stunden hin. Mehrfach seien die Beteiligten im Begriff gewesen, aufzustehen und den Verkauf platzen zu lassen, sagt Tempelmann über den 30. Juni 2011: „Das weiß ich noch ganz genau.“ 

Rechtliche Blockade 

- Riesige juristische Probleme: In den Jahren zwischen 2007 bis 2010 hing das Vorhaben an einem seidenen Faden, weil ein Richter am Oberlandesgericht Hamm die Rechtsauffassung vertrat, dass eine europaweite Vergabe erforderlich sei, wenn der Stadt auch nur ein „mittelbarer Vorteil“ entstehe. Das aber machen Investoren nicht mit, weil sie das hochkomplexe Verfahren fürchten.

Zudem wäre die Stadt auf der anderen Seite an die abgegebenen Angebote gebunden. Spätere Verhandlungen wären weitgehend ausgeschlossen. In Lüdenscheid zu besichtigen sind die Auswirkungen der Rechtsprechung bis heute: Die frühere Bahnfläche Brügge-Ost, als Einzelhandelsfläche konzipiert, wartet sei 15 Jahren auf eine angemessene Nutzung. Die Vergabe nach EU-Recht war gescheitert. Erst als der Europäische Gerichtshof die Lage anders bewertet habe, sei der Weg zur Lösung in Halver freigeworden, nach der die Stadt die äußere Erschließung in Eigenregie in Angriff nehmen und das Gelände verkaufen konnte. 

Illusorische Vorstellungen 

- Die allerersten Planungen eines externen Büros stellten sich als weltfremd heraus. Zugrundegelegt waren 800 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Discounter und 1200 Quadratmeter für einen Vollsortimenter bei 90 Parkplätzen. Gebaut werden jetzt 291 Parkplätze. Ein Vollsortimenter rechnet in der Regel mit 2500, ein Discounter mit etwa 1200 Quadratmetern. 

Edeka sagt in letzter Minute ab

Rohbau, Stand Dezember. Bis zu drei Autokrane gleichzeitig rollten in der Hochbauphase auf dem Gelände.

- Im Gespräch waren auch völlig andere Varianten als die, die auf dem Bahngelände jetzt zum Tragen kommt. In einem früheren Konzept wurde auch das Wippermann-Gelände überplant. Der Entwurf sah vor, dass sich dort Edeka und Aldi hätten ansiedeln sollen. Für die tatsächlichen Bahnflächen war eine Mischung aus Einzelhandel und kleinteiliger Wohnbebauung angedacht. In wirtschaftlicher Sicht wäre dies aus Sicht der Stadt eher desaströs gewesen, verbunden mit dem Neubau von Straßen, schlechterer Verwertbarkeit der Flächen und langen Wegen für die Kunden zwischen Wippermann-Areal und letztlich der Südstraße. Verbunden gewesen wäre dies mit dem Abriss des Werkhofs. Bis ins Jahr 2008 stand die Planung in dieser Richtung. Am 9. Dezember zog sich Edeka aufgrund städtebaulicher Auflagen zurück. Vorwarnzeit für die Stadt für die Absage: eine Stunde. 

2009: Die Karten werden neu gemischt 

Nach diesem Scheitern mussten die Karten neu gemischt werden: Konsequenz war:

- keine externe Projektsteuerung und Gutachter mehr hinzuzuziehen 

- sich ausschließlich auf städtische Flächen zu fokussieren, um einziger Ansprechpartner für mögliche Investoren zu bleiben 

- und das weitere Verfahren nichtöffentlich in einem eigenen Arbeitskreis voranzutreiben. Betrachtet man die Vorarbeit, ging es nach Abschluss der Verträge vergleichsweise schnell. Der Vorvertrag mit der Hamburger Procom einschließlich Rücktrittsrechten datiert von 2013. Die letzten Weichen wurden vor genau zwei Jahren am 2. Juni 2015 gestellt. Am 4. August jenes Jahres begann die Firma Marsch mit der äußeren Erschließung im Auftrag der Stadt. Am 29. Juni 2016 übernahm Procom die Baustelle für das Fachmarktzentrum.

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