380.000 Euro gestohlen: Ex-Buchhalter kommt mit Bewährung davon

Das Hagener Landgericht verurteilte einen ehemaligen Buchhalter am Montag zu zwei Jahren Haft mit Bewährung.

HALVER ▪ Ein heute 39 Jahre alter Halveraner hat sich über Jahre aus der Kasse seines Arbeitgebers bedient. Insgesamt mehr als 380 000 Euro schaffte der Angeklagte beiseite. Am Montag hat das Landgericht Hagen den Halveraner zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilt.

Von Patricia Prange

Der unauffällige Mann mit bravem Kurzhaarschnitt und Brille hatte sich nie zuvor etwas zuschulden kommen lassen. Jahrelang arbeitete er als Buchhalter in einer heimischen Wohnungsbaugesellschaft. 2006 begann der Mann jedoch plötzlich, Rechnungen zu fingieren, um Kosten vorzutäuschen. Von nun an wirtschaftete er jedes Jahr auf diese Weise fünfstellige Beträge in seine eigene Tasche. Das Geld verprasste er. Wie im Rausch kaufte er Unmengen DVDs und CDs ein, buchte Flüge und bestellte teure Konzertkarten. Doch die Konzerte besuchte er größtenteils nicht. Die Flüge ließ er einfach verfallen.

Vier Jahre konnte der Halveraner unbemerkt die Beträge verschwinden lassen, bis sein Treiben 2010 aufflog. Vor einem Jahr hat das Amtsgericht Lüdenscheid den geständigen 39-jährigen wegen Untreue zu zwei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung verurteilt (wir berichteten). Gegen das Urteil legte der Ex-Buchhalter Berufung ein.

Nachdem ein erster Anlauf im Berufungsverfahren im März gescheitert war, hat das Landgericht Hagen am Montag der Berufung stattgegeben. Die Haftstrafe wurde auf zwei Jahre reduziert und zur Bewährung ausgesetzt.

Die Kammer betonte, dass der Mann seine besondere Vertrauensstellung als Buchhalter jahrelang missbraucht hat – auch wenn es ihm seine Taten offenbar nicht sehr erschwert habe, etwa durch strengere Kontrollen. Dennoch hielt das Gericht dem Halveraner zugute, dass er maßgeblich zur Aufklärung des Falles beigetragen hatte. Der Angeklagte hatte die Taten vor dem Amtsgericht in Lüdenscheid sofort gestanden. Seitdem bemühe er sich aktiv, den von ihm verursachten Schaden wiedergutzumachen. Mittlerweile hat sich der Mann wieder eine bescheidene Existenz aufgebaut und arbeitet in einem anderen Beruf. Daher sah das Gericht am Montag für den bisher nicht Vorbestraften eine positive Prognose und konnte sich zu dem vergleichsweise milden Urteil von zwei Jahren mit Bewährung durchringen. Der Verteidiger des Halveraners Dirk Löber sagte nach dem Prozess: „Wir haben gekämpft und sind zufrieden.“

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