Kantorei: "Begründung nicht nachvollziehbar"

Zur Auflösung der Kantorei durch die evangelische Gemeinde lesen Sie hier die Stellungnahme der Kantorei:

"Da die Kantorei ohne jedes Gepräch mit dem auf der Homepage der Gemeinde veröffentlichten Beschluss vom 15.11.2012 aus unserer Gemeinde ausgeschlossen worden ist, bitten wir um Verständnis, dass wir auf diesem Weg unsere Argumente vortragen.

Es sind folgende Richtigstellungen und Anmerkungen erforderlich:

1. Das Presbyterium behauptet, dass die Gemeindeleitung in den letzten 1 ¾ Jahren wiederholt öffentlich, z.B. durch die Presse in Artikeln und Leserbriefen von Seiten der Kantorei angegriffen worden sei.

Richtig ist, dass es nach dem Abschluss der Presbyterwahl im Februar 2012, also seit über achteinhalb Monaten, zu keinen derartigen Presseaktivitäten der Kantorei gekommen ist.

Diese Zurückhaltung diente allein dem Versuch einer Deeskalation, obgleich die Gemeindeleitung auch in diesem Zeitraum genügend Anlass zu öffentlicher Kritik geboten hat, z.B. schon durch das generelle und unbefristete Verbot vom 19.02.2012, die Kantorei in Gottesdiensten singen zu lassen.

2. Das Presbyterium behauptet, die Staatsanwaltschaft habe auf die erstatteten Strafanzeigen hin “das Verfahren mangels Tatverdacht nicht eröffnet“.

Richtig ist, dass die Staatsanwaltschaft nur dann Ermittlungen auf eine eingegangene Anzeige aufnimmt, wenn ein sogenannter Anfangsverdacht gegeben ist, d.h. die Möglichkeit besteht, dass eine verfolgbare Straftat vorliegt. Das hat die Staatsanwaltschaft Hagen im vorliegenden Fall bejaht und fünf Monate lang u.a. mit Zeugeneinvernahme ermittelt und geprüft. Schon allein das zeigt, dass die Anzeigen gegen die Pfarrer Dickel und Patro sowie die Kirchmeisterin Schmidt nicht abwegig waren.

3. Das Presbyterium beanstandet, dass sich die Anzeigeerstatter bis heute nicht entschuldigt hätten.

Das ist richtig, dafür bestand und besteht aber auch keine Veranlassung. Es wäre vielmehr Sache der Verfasser des die Strafanzeige verursachenden Maulkorberlasses gewesen, die von ihnen selbst gegenüber der Staatsanwaltschaft als „nicht glücklich“ bezeichnete Formulierung den Kantoreimitgliedern in einem Gespräch zu erläutern. Noch sehr viel besser für alle Beteiligten wäre es gewesen, wenn Herr Dickel diese Erläuterung vor Erstattung der Anzeigen gegeben hätte, anstatt mit E-Mail vom 28.03.2011, 20.10 Uhr die von uns erbetene Aussprache mit folgenden Worten zu unterbinden:

„…entgegen meiner ursprünglichen Überlegung halte ich zum jetzigen Zeitpunkt ein solches Gespräch nicht für sinnvoll. Daher werde ich auch vorerst keine Terminsvorschläge machen.“

Dabei ist es bis heute geblieben.

Das Presbyterium beanstandet, dass einige Anträge der Kantorei mit „Ultimaten“ versehen gewesen seien.

Das ist richtig, dafür bestanden aber jeweils auch dringende Gründe. So hat die Kantorei beispielweise mit Schreiben vom 15.02.2012 die Durchführung von Abendmusiken beantragt, die nach über 10 Wochen immer noch nicht genehmigt war. Deshalb wurde dann in dem Erinnerungsschreiben vom 26.04.2012 nur noch eine kurze Frist von wenigen Tagen gesetzt und erst daraufhin wurde dann endlich mit E-Mail vom 10.05.2012 die Genehmigung erteilt. Zu diesem Zeitpunkt war das Jahr der Kirchenmusik bereits zu über einem Drittel verstrichen und die erste Abendmusik sollte am 20.05.2012 stattfinden.

Das Presbyterium beanstandet, dass der Förderverein jegliche Verbindung zur Evangelischen Kirchengemeinde Halver gestrichen habe.

Richtig ist, dass der Vereinszweck, nämlich die „Erhaltung, Pflege und Förderung der Kirchenmusik in Halver“ die Förderung der Kirchenmusik in der Ev. Kirchengemeinde unverändert zulässt, wenn die Gemeindeleitung an einer solchen Kirchenmusik interessiert wäre. Das Verhalten gegenüber dem Kantor und der Kantorei sowie die Äußerung von Frau Esken am 25.11.2011, diese alte Musik wolle doch keiner mehr hören, sprechen allerdings eine andere Sprache.

Das Presbyterium behauptet, dass ein großer Teil der Kantoreimitglieder kein Interesse an der Gemeinde und der Gemeindearbeit habe.

Das Gegenteil ist richtig. Die Kantoreimitglieder hätten sich nämlich viel Zeit und Mühe ersparen können, wenn sie der Kantorei und der Gemeinde nach Beginn der Differenzen einfach ferngeblieben wären. Stattdessen haben wir immer wieder mit erheblichem Aufwand den Widerstand des Presbyteriums überwunden, um die Möglichkeit zu erhalten, den zahlreichen interessierten Zuhörern die Verkündigung durch klassische Kirchenmusik darzubieten. Auch das ist Gemeindearbeit. Umgekehrt ist es vielmehr so, dass die Gemeindeleitung an den Menschen, die unsere Veranstaltungen bis zur letzten Abendmusik immer wieder besucht haben, offenbar nicht das geringste Interesse hat, wenn sie ihnen diese Form der Religionsausübung ohne Grund entzieht.

Insgesamt ist die mitgeteilte Begründung für den Ausschluss der Kantorei nicht nachvollziehbar:

Erst vor drei Wochen hat das Presbyterium mit Beschluss vom 24.10.2012 noch die vom Kantor mit der Kantorei geplanten Veranstaltungen mit wenigen Ausnahmen genehmigt. Da war die Kantorei offenbar durchaus noch zumutbar.

Im Auflösungsbeschluss vom 15.11.2012 ist dann zunächst auf eineinhalb Seiten versucht worden, die vermeintliche Unzumutbarkeit dieser Gruppe für die Gemeinde darzulegen. Zum Schluss des Schreibens wird aber eben diesen Leuten angeboten, über die künftige Nutzung der Gemeinderäume zu verhandeln. Sind wir also doch gar nicht so unzumutbar?

Damit offenbart die Gemeindeleitung, dass die Kantorei hier nur geopfert wird, um dem Kantor weiter zu schaden.

Der Kantoreivorstand: Michael Zlobinski, Maria Dahlhaus, Stephanie Kock"

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