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„Es ist eine Katastrophe“: Anwohner sprechen über Situation an der Heerstraße

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Von: Sarah Lorencic

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Die Querungshilfe in Oberbrügge auf der Heerstraße ist vor allem für die Schüler da
Die Querungshilfe in Oberbrügge auf der Heerstraße ist vor allem für die Schüler da. © Lorencic, Sarah

Die Heerstraße in Oberbrügge ist zu einer Hauptverkehrsstraße geworden. Wie erleben sie die derzeitige Situation? Wir haben mit Anwohnern gesprochen.

Oberbrügge – Mittagszeit in Oberbrügge. Es ist schwer, sich an den Haustüren mit den Anwohnern an der Heerstraße zu unterhalten. Immer wieder fährt ein Lkw auf der Straße entlang, die auf dem Stück nahe der Schule (Am Nocken/Heedheide) nur mit 30 km/h befahren werden darf. In den vergangenen Wochen war es aufgrund der Feiertage und Urlaubszeit etwas ruhiger geworden. Aber jetzt sind wieder alle im Alltag angekommen. Die Schulferien sind vorbei, die Arbeit ruft zurück an den Schreibtisch. Die Straßen sind wieder voll.

Die Heerstraße dient als Umleitungsstrecke für die B229, die zwischen Lüdenscheid-Brügge und Halver-Ostendorf voll gesperrt ist. Wie lange das noch so bleiben wird und wie Oberbrügge anschließend von weiteren Umleitungen verschont bleibt, darüber rätseln die Anwohner. Unter den Nachbarn ist die Situation ein Dauerthema. Mit dem Bau des Kreisverkehrs in Oeckinghausen ahnen die Anwohner schon jetzt, dass wieder Oberbrügge herhalten muss. Und es nervt, wie Heike Gißelmann sagt.

Heike Gißelmann sieht selten einen lachenden Smiley auf der Messanlage. Sie wohnt direkt an der Heerstraße und ist genervt wie alle in der Siedlung.
Heike Gißelmann sieht selten einen lachenden Smiley auf der Messanlage. Sie wohnt direkt an der Heerstraße und ist genervt wie alle in der Siedlung. © Lorencic, Sarah

„Es ist eine Katastrophe“, wiederholt die 54-Jährige mehrmals, angesprochen auf die derzeitige Situation. Es ist laut, die Straße voll und kaum jemand halte sich an die Geschwindigkeit von 30 km/h. Die Messanlage ist „reine Geldverschwendung“, sagt die Anwohnerin. Dass hier zu schnell gefahren werde, sei offensichtlich. Das Problem sei, dass hier nicht nur ein bisschen zu schnell gefahren werde, sondern deutlich zu schnell. „Dass den Kindern noch nichts passiert ist, grenzt an ein Wunder.“ Denn es seien nicht nur die Pkw-Fahrer, die sich nicht an die Vorschriften halten, sondern auch die Schwertransporter und die landwirtschaftlichen Fahrzeuge.

Mehrere Anwohner unabhängig voneinander berichten von Überholmanövern an der Fußgängerinsel, die sie alle sprachlos machen. „Das Auto zog links an der Insel vorbei“, berichtet Mustafa Ben Azizi. Er wohnt mit seiner Frau und drei Kindern, eines davon anderthalb Jahre alt, direkt an der Heerstraße in Höhe der Verkehrsinsel. Diese Vorfälle ereignen sich immer wieder. Zu gewissen Zeiten, sagt der 44-Jährige, käme man ohne die Insel nicht über die Straße.

An diese Zeiten haben sich einige Anwohner schon angepasst, erzählt eine Rentnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie plant genau, wann sie einkaufen fährt und wann nicht. „Da bin ich nicht die Einzige“, sagt sie. Sie bestellt mittlerweile noch mehr online, als corona-bedingt ohnehin schon, erzählt sie. Sie stört nicht nur die Lautstärke der stark befahrenen Straße, sondern auch das Beben, wenn ein Sattelschlepper an ihrem Wohnzimmerfenster vorbeifährt, während sie in Ruhe auf der Couch sitzt. Ein ungewohntes Bild in Oberbrügge, denn die Durchfahrt ist für Lastkraftwagen nur aufgrund der B229-Sperrung erlaubt. Aber sie will nicht jammern. „Ich klage auf hohem Niveau.“ Aber die Kinder machen ihr Sorgen, wenn sie morgens und mittags über die Straße gehen. Auch sie fordert zumindest in diesem Bereich der Heerstraße eine Radarfalle. Dass die Situation auf der gesamten Straße ähnlich ist, weiß auch sie. Aber hier queren Kinder die Straße.

Schwerlastverkehr ist hör- und spürbar in den Häusern in Oberbrügge an der Heerstraße.
Schwerlastverkehr ist hör- und spürbar in den Häusern. © Lorencic, Sarah

Auch Elisabeta und Friedrich Thurau wohnen mit ihrem zweijährigen Sohn direkt an dem Knotenpunkt. Wenn sie nachmittags zum Spielplatz gehen wollen, ist die Straße so voll wie sonst nie am Tag. Der Stau, der sich am oberen Ende der Straße bis nach Schmidtsiepen erstreckt, spiegelt sich am unteren Ende der Landesstraße bis nach Ehringhausen.

Michael Keil ist ebenfalls einer der Anwohner. Seit 20 Jahren lebt der Pressesprecher der Feuerwehr an der Heerstraße. Er nimmt die Situation gelassen: „Es war ja absehbar.“ Und er weiß, dass es nur eine temporäre Geschichte ist. Doch auch er sagt, an Regeln müsse man sich halten. „Hier werden keine 30 km/h gefahren“, sagt Keil. Einerseits sei die Straße an dem Punkt ein eindeutig sensibler Bereich, andererseits wird er von einigen Verkehrsteilnehmern wie ein rechtsfreier Raum behandelt. Die hohen Geschwindigkeiten und Überholmanöver kennt auch er. Angesprochen auf die dreistelligen Geschwindigkeiten nachts ist der Oberbrügger nicht verwundert. Autorennen gebe es auf der Straße immer wieder mal – schon seit Jahren. Jetzt kommt allerdings die Möglichkeit hinzu, ohne parkende Autos am Straßenrand die Straße durchgehend schnell zu befahren.

Die sehr hohen Geschwindigkeiten sind zwar nur Einzelfälle. In der Summe aller, die derzeit über die Heerstraße fahren, stellt die Situation eine Belastung für die Anwohner dar. „Man sehnt sich schon wieder nach einer Vollsperrung“, sagt die Rentnerin und lacht. Hatten die Anwohner doch erst im Sommer lange mit einer großen Baustelle vor der Tür zu tun – ein acht Meter tiefes Loch, Baggerlärm und Dreck waren jedoch auch nicht wirklich besser. Was man sich wünscht, sind bessere Planungen und mehr Sicherheit, wenn die Straße schon zu einer Hauptverkehrsstraße werden muss

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