Erzieherinnen bewerten „Delfin 4“ kritisch

Fast unbemerkt sollen per „Delfin“ spielerisch die sprachlichen Fähigkeiten der Kindergartenkinder überprüft werden. ▪ Gambarini

HALVER ▪ Mit Spiel und Spaß den Sprachstand der Kinder feststellen. Wie es in den Schulen die so genannte Lernstandserhebung gibt, so findet seit 2007 in Kindergärten eine „Sprachstandserhebung“ mit dem Namen „Delfin 4“ (siehe Info-Kasten) statt. Bei dieser Sprachstandserhebung spielen Kinder in einem zweistufigen Verfahren ein Spiel und werden von Lehrerinnen aus der Grundschule beobachtet und bewertet. Jedes Kind, das eine bestimmte Punktzahl nicht erreicht, kommt in ein Förderprogramm, welches jeder Kindergarten individuell anbietet.

Aber wie ist die Reaktion der Halveraner Kindergärten? Eigentlich sind sich die Erzieherinnen im Gespräch mit unserer Zeitung einig: „Wir kennen die Kinder besser und könnten auch ohne Test – sogar besser – entscheiden, welches Kind in eine Sprachförderung muss oder nicht“, unterstreicht etwa Gabriele Bremmer vom evangelischen Kindergarten „Spatzennest“.

Eine Umfrage unter den sechs Kindergärten in Halver und Oberbrügge – St. Georg, Spatzennest, Wundertüte, St. Nikolaus, DRK-Kindergarten und Pusteblume – ergab, dass die Förderung an sich zwar sehr gut ist, oft aber Kinder den Test bestehen, obwohl sie die Förderung eigentlich bräuchten. „Leider ist es für uns nicht möglich, solche Kinder in die Förderung aufzunehmen, da wir für sie keine Gelder zur Verfügung gestellt bekommen“, erzählt Gitta Brozio vom Kindergarten „Pusteblume“, „an dieser Tatsache sieht man, dass die Sprachstandserhebung eigentlich Quatsch ist.“ Marianne Lüpke vom St. Georg-Kindergarten in Oberbrügge ergänzt: „Wir bewerten den Test außerdem als schwierig, gerade da die Kinder jünger werden, der Test aber gleich bleibt.“ Im Einklang mit ihren Kolleginnen betont Petra Dörenbach vom katholischen Kindergarten St. Nikolaus: „Bei uns findet jeden Tag, für jedes Kind eine durchgehende Förderung statt.“

„Mit Programmen wie ‚Ich bin Max‘ versuchen wir, die Kinder jeden Tag zu fördern und das ist auch wichtig und notwendig, da ohne diese Maßnahmen auch die Förderungen im Zuge von Delfin 4 nicht greifen würden“, so Doris Teske vom Kindergarten „Wundertüte“.

„Besser wäre es, man würde die Gelder, die jetzt für die Durchführung der Sprachstandserhebung verwendet werden, nutzen, um in Form von Personal und Gruppenstärke die Voraussetzungen zu verbessern“, so der Vorschlag von Petra Gelhart vom DRK-Kindergarten. Doris Theske ist der gleichen Meinung. Sie würde es für sinnvoll erachten, wenn einfach noch gezieltere Förderung in den normalen Kindergartenalltag einfließen würde. ▪ Carolina Schmidt

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