Bienen

Leben sie noch? Erster Besuch bei den Bienen nach der Winterpause 

Mit einem Handbesen säubert Margot Ihne das Flugloch der Bienen. „Es sterben im Winter viele Bienen“, sagt sie. Damit das Flugloch nicht verstopft, muss es gereinigt werden
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Mit einem Handbesen säubert Margot Ihne das Flugloch der Bienen. „Es sterben im Winter viele Bienen“, sagt sie. Damit das Flugloch nicht verstopft, muss es gereinigt werden

Wie geht es den Bienen nach der Winterpause? Leben sie noch? Wir waren zu Besuch bei einer Imkerin.

Behutsames Klopfen an den Bienenstock beantworten die Bienen mit hörbarem Summen. Die Klopfprobe ist für Margot Ihne, Vorsitzende des Imkervereins Halver-Schmidthausen, ein erstes Indiz, dass es ihren Bienen nach der langen Winterruhe gut geht. Ein vorsichtiger Blick unter die Abdeckung bestätigt, dass im Inneren des Bienenstocks bereits munteres Leben begonnen hat. Eine einzelne vorwitzige Biene hat sich durch das Flugloch sogar schon ins Freie gewagt. „Das ist eine Wasserholerin“, erklärt die Bienensachverständige, die derzeit fünf eigene Bienenvölker und zwei Vereinsvölker betreut. „Ein Volk ist gestern schon geflogen.“

Bei Temperaturen über zehn Grad, erklärt sie, verlassen die Bienen den Stock und unternehmen einen ersten Reinigungsflug, um ihre Kotblase zu entleeren und Wasser zu sammeln. Den Völkern, die Margot Ihne bei ihrer Freundin in der Ortschaft Feld an der Grenze zwischen Halver und Kierspe stehen hat, schien es dazu bisher noch zu kalt zu sein. Bei den nächsten frühlingshaften Temperaturen kann es mit den ersten Flügen allerdings nicht mehr lange dauern. Selbst für die erfahrene Imkerin, die seit 2010 ihrem zeitaufwendigen Hobby nachgeht, ist das immer wieder ein spannender Moment. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass ein Bienenvolk den Winter überlebt. „Es sterben im Winter viele Bienen“, weiß Margot Ihne.

Um zu überleben, würden die Bienen im Winter eine Traube bilden. „Sie halten dadurch eine konstante Temperatur.“ Die Königin habe inmitten der Traube den wärmsten Platz. Rund 5000 Bienen, erklärt die Halveranerin, sind notwendig, um genügend Wärme zu erzeugen und bei eisigen Wintertemperaturen das Überleben des Bienenvolks zu sichern. „In der Traube fängt die Königin um Weihnachten an, Eier zu legen.“

Dem Bienenvolk geht es nach der langen Winterruhe gut. Unter der Abdeckung herrscht bereits emsiges Leben. Bei Temperaturen über 10 Grad unternehmen die Bienen ihren ersten Reinigungsflug.

Mit der Hand kann Margot Ihne über der Abdeckung den wärmsten Platz im Stock und damit auch die Königin mit der Brut ausmachen. Bis April zieht sich das Großziehen der Brut hin. Je „erwachsener“ die Sommerbienen werden, desto mehr Winterbienen, die langlebiger sind, sterben ab. „Sommerbienen haben ein sehr kurzes Leben“, bestätigt Margot Ihne. Einzig die Königinnen, die im Sommer bis zu 2000 Eier am Tag legen, können mehrere Jahre überleben.

„Jeder Imker ist bemüht, die Königin nach zwei bis drei Jahren zu ersetzen.“ Grund ist die nachlassende Leistungsfähigkeit. Wie im Lehrbuch folgt der Lebenszyklus der Honigbienen einem exakt festgelegten Fahrplan. Die Arbeitsteilung ist für die Drohnen (männliche Bienen), die Königin und die Arbeiterinnen, die die Mehrheit im Bienenstaat bilden, genauestens festgelegt. Rund 35 Tage währt das kurze Leben einer Sommerbiene. Zu den Aufgaben, die Imkerin Margot Ihne jetzt hat, gehört eine Kontrolle des Fluglochs und der noch vorhandenen Nahrung. Überdies ist jetzt die Zeit, die Rähmchen und Zargen des Stocks zu reparieren. Mit einem Handbesen kehrt sie die Lade mit dem Flugloch aus. „Man muss nachschauen, wie viele tote Bienen dort liegen, damit das Flugloch nicht verstopft ist.“

100 Kilogramm Honig 2020

Mit der Kofferwaage, mit der sie die Bienenkästen vorsichtig anhebt, wägt die pensionierte Lehrerin ab, ob die Bienen noch genügend Futter haben oder ob sie mit Zuckerlösung oder Zuckerteig nachfüttern muss. Schneeglöckchen und Krokusse dienen den Bienen im Frühjahr als erste wichtige Nahrungsquelle. „Sie brauchen Pollen für die Versorgung der Larven als Eiweißfutter.“
In dicken Klumpen transportieren die Bienen den Pollen an ihren Hinterbeinen zum Nachwuchs. „Die Weide liefert dann den ersten Nektar.“ Mit der Kirschblüte wird es Zeit, Honigräume aufzusetzen. Margot Ihne arbeitet dabei mit Mittelwänden. Rund 100 Kilogramm Honig hat sie im vergangenen Jahr geerntet. „Das ist eigentlich wenig“, meint sie. Eigentlich könne man bei einem Bienenvolk mit durchschnittlich 30 Kilogramm Honig rechnen.

Vier Bienenvölker hat sie im Vorjahr verloren – durch aggressive Wespen, die sich über das Bienenfutter hergemacht und die Bienen getötet haben. „Wespen fressen auch Bienen. Wespen und Bienen – das ist ein Problem.“ Die berüchtigte Varroamilbe, die das Leben der Bienen bedroht, bekämpft Margot Ihne mit Oxalsäure. Alljährlich steht im Dezember, wenn keine Brut vorhanden ist, die Schädlingsbekämpfung an. Im Honig des kommenden Jahres sind dann keine Rückstände zu befürchten. Bis es so weit ist, ist im Bienenjahr noch viel zu tun. Erst einmal ist die Imkerin froh, dass es ihren Bienen in der idyllisch gelegenen Ortschaft Feld gut geht und sie die eisigen Februartemperaturen unbeschadet überstanden haben. Nahrung haben sie vor Ort reichlich, wenn sie ausfliegen und auf Futtersuche gehen: Obstbäume, einen Gemüsegarten und einen Blühstreifen ganz in der Nähe.

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